Schwangerschaft

Vorzeitiger Blasensprung: Was passiert, wenn die Fruchtblase zu früh platzt?

Frau kurz vor dem vorzeitigen Blasensprung

Ein vorzeitiger Blasensprung hört sich erst einmal nach einer schlimmen Diagnose an. Wenn Du allerdings die 34. SSW erreicht hast, musst Du bei einem vorzeitigen Blasensprung eigentlich vor allem eins beachten: Du solltest liegend in die Klinik transportiert werden. Dort können viele Schwangerschaften problemlos und natürlich entbunden werden.

Wenn Deine Fruchtblase allerdings schon weitaus früher reißt, kann das für Dich und Dein Baby zum Problem werden. In jedem Fall solltest Du bei einem vorzeitigen Blasensprung unmittelbar in ärztliche Behandlung.

Unterschiedliche Arten des Blasensprungs

Vorzeitiger Blasensprung

Von einem vorzeitigen Blasensprung spricht man, wenn die Fruchtblase platzt bzw. reißt und bereits vor Beginn der Eröffungswehen Fruchtwasser austritt. Für das ungeborene Baby kann ein vorzeitiger Blasensprung gefährlich werden, wenn das Köpfchen dabei ins Becken rutscht und dabei die Nabelschnur einklemmt. Man spricht dann von einem Nabelschnurvorfall. Dadurch wäre die Versorgung Deines Babys nicht mehr gesichert und es müsste sofort per Kaiserschnitt geholt werden. Wenn das Baby ohne Schutz der Eihäute und des Fruchtwassers in der Gebärmutter verbleibt, besteht das Risiko einer Infektion.

Frühzeitiger Blasensprung

Von einem frühzeitigen Blasensprung spricht man, wenn die Fruchtblase während der Eröffnungswehen platzt, noch bevor sich der Muttermund komplett geöffnet hat. Dieses Ereignis ist Teil einer normalen Geburt und bedarf keinerlei Behandlung.

Verspäteter Blasensprung

Ein verspäteter Blasensprung ist ein sehr seltenes Ereignis. Dabei wird das Baby in der intakten Fruchtblase geboren und diese wird erst außerhalb des Mutterleibs geöffnet.

Als Norm für den Blasensprung gilt also: Die Fruchtblase reißt, wenn der Muttermund vollständig geöffnet ist und die Austreibungsphase bevorsteht.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Die häufigste Ursache für einen vorzeitigen Blasensprung sind vaginale Infektionen, z.B. mit Streptokokken oder E.coli Bakterien. Wenn diese unbehandelt bleiben, steigen sie auf und schädigen die Einhäute. Dadurch wird die Fruchtblase instabil und kann reißen oder platzen.
  • Auch nach Eingriffen wie einer Fruchtwasserpunktion oder einer Nabelschnurpunktion kann die Fruchtblase vorzeitig reißen. In den allermeisten Fällen schließt sich die kleine Öffnung durch die Injektionsnadel jedoch von selbst wieder.
  • Eine Zwillings- oder Mehrlingsschwangerschaft kann die Fruchtblase übermäßig dehnen, sodass sie reißt.
  • Eine Zervixinsuffizienz, Muttermundsschwäche oder Bindegewebsschwäche kann ebenfalls zu einem Einreißen der Fruchtblase führen.
  • Bei vorzeitigen Wehen kann es im schlimmsten Fall auch zu einem vorzeitigen Blasensprung kommen.

Das Risiko eines vorzeitigen Blasensprungs gilt auch als erhöht bei vorangegangenen Frühgeburten, Ausschabungen, Blutungen in der Frühschwangerschaft, Übergewicht, Unterernährung und Rauchen, Alkohol oder Drogenmissbrauchs während der Schwangerschaft.

Wie oft kommt ein vorzeitiger Blasensprung vor?

Ein vorzeitiger Blasensprung kommt etwa in jeder fünften Schwangerschaft vor. In den meisten Fällen stellt er aber kein Problem dar, weil die Schwangerschaft weit genug fortgeschritten ist.


Folgen eines vorzeitigen Blasensprungs

Durch einen vorzeitigen Blasensprung können, abgesehen vom Nabelschnurvorfall, folgende Komplikationen entstehen:

  • Infektionen, die auch auf den Fötus übergehen, denn dieser ist nicht mehr durch die Fruchtblase geschützt
  • Blutvergiftung (Sepsis)
  • abnorme Kindslage
  • Plazentaablösung
  • Missbildungen der Extremitäten bei sehr frühem vorzeitigen Blasensprung
  • intraventrikulären Blutungen, die eine Behinderung der Nervenentwicklung zur Folge haben
  • Störung der Lungenentwicklung

In vielen Fällen folgt einem vorzeitigen Blasensprung das Einsetzen der Geburtswehen. Das ist umso wahrscheinlicher, je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist.

Wie erkenne ich einen vorzeitigen Blasensprung?

Einen richtigen Blasensprung erkennst schnell daran schwallwartig viel Flüssigkeit aus Deiner Vagina austritt, ohne dass Du vorher Druck auf der Blase verspürt hast. Deine Hose wird nass und falls Du sitzt, auch die Sitzfläche. Nach dem ersten Schwall verschließt oft das Köpfchen des Babys die Öffnung am Muttermund und es sickert weniger Flüssigkeit nach.

Wenn allerdings die Fruchtblase nicht direkt platzt, sondern nur etwas einreißt, wird es schon schwieriger, einen vorzeitigen Blasensprung zu erkennen. Ob es sich bei einer vaginal austretenden Flüssigkeit tatsächlich um Fruchtwasser oder aber um Urin oder Ausfluss handelt, ist manchmal gar nicht so einfach zu beurteilen. Helfen könnte ein PH-Teststreifen, wie ihn auch Gynäkologen verwenden. Diese sind in der Apotheke für wenig Geld erhältlich. Im Zweifel solltest Du aber einfach zum Arzt gehen. Denn der PH-Streifen Test kann auch positiv anzeigen, wenn z.B. Blut in der Probe ist.

Behandlung bei vorzeitigem Blasensprung

Zunächst wird im Krankenhaus überprüft, ob eine aufsteigende vaginale Infektion den vorzeitigen Blasensprung verursacht hat. Dazu werden Blut und Urin auf bestimmte Parameter untersucht.

Natürlich wird auch per CTG und Ultraschall überprüft, dass es dem Baby gut geht und wie viel Fruchtwasser noch in der Fruchtblase vorhanden ist.

Je nach genauer Diagnose und Schwangerschaftswoche wird dann über das genauere Vorgehen entschieden.

Blasensprung vor SSW 24

Wenn Deine Fruchtblase schon sehr früh, also vor der 24. SSW reißt oder platzt, stehen die Chancen für Dein Kind nicht allzu gut. Häufig kommt es im Nachgang zu einer Fehlgeburt. Vor der 24. SSW unternehmen die Ärzte meist nichts, um einen Fötus außerhalb des Mutterleibs am Leben zu halten.

Blasensprung SSW 24-34

Ist Dein Baby noch nicht fertig entwickelt, wird in der Regel die Schwangerschaft so lange wie möglich aufrecht erhalten, damit sich das Kind im geschützten Raum der Gebärmutter weiter entwickeln kann. Dazu musst Du wahrscheinlich stationär im Krankenhaus bleiben oder sehr engmaschig kontrolliert werden.

Häufig werden Antibiotika oder andere Entzündungshemmer eingesetzt und Dein Baby eine Spritze zur Lungenreifung bekommen. Zeigt das CTG Wehentätigkeit an, wird eine Tokolyse (Wehenhemmung) eingesetzt. Vor der 32. SSW wird häufig auch Magnesium verabreicht.

In seltenen Fällen (etwa 7%) passiert es, dass sich die Fruchtblase von selbst wieder schließt. Weil Fruchtwasser sich laufend neu bildet, füllt sich die Fruchtblase wieder auf und die Schwangerschaft kann normal fortgesetzt werden.

Blasensprung SSW 34-38

Wenn Du die 34. SSW erreicht hast, ist die Lunge Deines Babys fast fertig entwickelt. Ob trotzdem ein Medikament zur Lungenreifung und Wehenhemmer verabreicht werden, müssen die Ärzte im Einzelfall entscheiden.

Wenn die Vitalzeichen Deines Babys schlecht sind oder eine Infektion nicht eingedämmt werden kann, raten die Ärzte wahrscheinlich zu einer vorzeitigen Entbindung. Je nach genaueren Umständen wird dann ein Kaiserschnitt gemacht oder die Geburt mit wehenfördernden Mitteln eingeleitet. Häufig setzen aber die Geburtswehen innerhalb von 24 Stunden von selbst ein.

Blasensprung ab SSW 38

Ab der SSW 38+0 gilt Dein Baby als geburtsreif und fertig entwickelt. Alles, was Du beachten musst, ist der Liegendtransport ins Krankenhaus, wo ein Nabelschnurvorfall ausgeschlossen werden kann. Danach könnt ihr abwarten, ob die Wehen natürlich einsetzen oder die Geburt eingeleitet werden soll.

Das Risiko einer Infektion durch Abwarten wird jetzt kaum mehr eingegangen, denn für Dein Baby sind bei einer Geburt keinerlei Beeinträchtigungen mehr zu erwarten.


Bild:

©kjekol - bigstockphoto.com

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Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

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