Verhütung

Natürliche Verhütung: Meine Erfahrungen mit der symptothermalen Methode nach NFP

Natürliche Verhütung: Meine Erfahrungen mit der symptothermalen Methode nach NFP

Ich habe es selbst viele Jahre ausprobiert: Die Verhütung mit der symptothermalen Methode nach NFP ist nicht nur eine hormonfreie Verhütungsmethode, sondern auch sehr sicher. Außerdem gibt sie einer Frau, wenn sie sich darauf einlässt, ein hohes Maß an Körpergefühl und positiver Einstellung zum eigenen Körper. Wie genau die symptothermale Methode nach NFP funktioniert und ob sie für Dich geeignet ist, kannst Du jetzt zusammen mit meinen Erfahrungen in diesem Artikel lesen.

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Was ist die symptothermale Methode?

Die symptothermale Methode ist eine Verhütungsmethode, bei der der Zeitpunkt des Eisprungs durch eine Kombination aus Temperaturmessung und Auswertung eines weiteren Eisprung-Merkmals (Zervixschleim oder Gebärmutterhals) bestimmt wird.

Dadurch können Paare an den nicht-fruchtbaren Tagen ohne zusätzliche Verhütung Geschlechtsverkehr haben. An den fruchtbaren Tagen, die mit der Methode sehr präzise ermittelt werden können, haben Frauen, die symptothermal verhüten, entweder keinen Sex oder benutzen zusätzliche, hormonfreie Verhütungsmittel.

Die symptothermale Methode ist in Deutschland unter dem Namen NFP (Natürliche Familienplanung) bekannt bzw. trägt den Markennamen Sensiplan. Dahinter verbergen sich bestimmte Formeln und Grundregeln, die zur Ermittlung der fruchtbaren Tage dienen. Es gibt in anderen Ländern auch andere Namen für die symptothermale Methode, die Grundlagen sind aber immer dieselben.

Wie sicher ist die symptothermale Verhütungsmethode?

Auch wenn bei dieser Art der Verhütung die Basaltemperatur, also die Körpertemperatur unmittelbar nach dem Aufwachen, gemessen wird, handelt sich nicht um eine Variante der Temperaturmethode. Diese basiert zwar auf ähnlichen Grundlagen, allerdings ist die reine Temperaturmethode sehr viel unsicherer als die symptothermale Methode und hat nur einen Pearl-Index von 1 – 10.

Der Pearl-Index gibt an, wie viele von 100 sexuell aktiven Frauen trotz richtiger Anwendung einer Verhütungsmethode innerhalb eines Jahres schwanger werden. Liegt der Index bei 10, heißt das 10 Frauen von 100 werden trotz der richtigen Anwendung eines Verhütungsmittels schwanger. Kurz: Je niedriger der PEARL-Index, umso sicherer die Verhütung.

Die Pille hat einen Wert von zwischen 0,1 und 0,9. Die symptothermale Methode nach NFP liegt bei 0,4. Das bedeutet, wenn Du Dich genau an die Vorgaben und Anforderungen von NFP hältst, ist die symptothermale Methode als Verhütung mindestens genauso sicher wie die Pille.

Wie funktioniert die symptothermale Methode?

Um zu verstehen, wie Du symptothermal verhüten kannst, ist es zunächst notwendig, dass Du ein grobes Verständnis vom weiblichen Zyklus bekommst.



So verläuft ein normaler weiblicher Zyklus

Es gibt bei uns Frauen immer eine sogenannte Tiefphase (1. Zyklushälfte) und eine Hochphase (2. Zyklushälfte).

Der Zyklus beginnt mit dem 1. Tag der Regelblutung und mit der Tiefphase. Bis zum Eisprung wird im Körper vermehrt Östrogen produziert, biologisch steht die Uhr jetzt auf Fortpflanzung und viele Frauen fühlen sich in dieser Zeit attraktiv und sind sehr selbstbewusst. Sogar Männer nehmen Frauen während der fruchtbaren Zyklusphase als attraktiver wahr, die Brüste werden voller, das Bindegewebe straffer und die Haut wird besser durchblutet.

Am Übergang von der Tief- zur Hochphase findet der Eisprung statt. (Mit ein wenig Übung kann man als Frau sogar den Eisprung an bestimmten Anzeichen erkennen.) Die Eizelle wandert dabei vom Eileiter zur Gebärmutter – eine Reise, die zwischen 5 und 18 Stunden dauert. Nur in diesem kurzen Zeitfenster kann die Eizelle von Spermien befruchtet werden. Danach platzt die Eihülle (Gelbkörper) und sondert vermehrt das weibliche Sexualhormon Progesteron ab. Dieses dominiert die zweite, unfruchtbare Zyklushälfte.

Während der Tiefphase bereitet sich der Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Wenn die Eizelle befruchtet wurde, nistet sie sich jetzt in der Gebärmutterschleimhaut ein. Frauen werden in dieser Zyklusphase oft ruhiger, zurückgezogener und eine Art Nestbautrieb setzt ein. Die Lust auf Sex ist jetzt oft weniger gegeben.

So funktioniert natürliche Verhütung ohne Hormone

Das ganze System natürlichen Verhütung nach der symptothermalen Methode beruht auf der Tatsache, zu vermeiden, dass die weibliche Eizelle während des Eisprungs auf lebende männliche Spermien trifft. So wird eine Befruchtung und damit eine Schwangerschaft verhindert. Im Gegensatz zu hormonellen Verhütungsmethoden (wie bspw. die Pille), wird bei der symptothermalen Methode auf keine Weise in den weiblichen Zyklus eingegriffen, er wird sich nur zunutze gemacht.

Weil männliche Spermien bis zu 5 Tage im weiblichen Körper überleben können, ergibt sich aus diesem Wissen ein Zeitfenster von etwa 6 Tagen pro Zyklus, an denen verhindert werden muss, dass lebende männliche Spermien in den Vagnialtrakt der Frau gelangen.

Bei den Berechnungen des oben angegebenen PEARL-Index geht man davon aus, dass Paare in diesen Tagen auf vaginalen Geschlechtsverkehr verzichten und ggf. auf andere Sexualpraktiken zurückgreifen, die zu 100% verhindern, dass befruchtungsfähige Spermien zur Gebärmutter gelangen können. In der Praxis wird in diesen Tagen häufig mit einem Kondom oder anderen hormonfreien Verhütungmitteln gearbeitet, darum ist der PEARL-Index in der Praxis auch höher.


Symptothermale Methode anwenden und den Eisprung bestimmen

Alles steht und fällt also damit, den Eisprung jeden Monat möglichst exakt vorhersagen zu können. Denn man muss ja, um das wirksam als Verhütungsmethode nutzen zu können, ja bereits Tage vorher auf Sex ohne Verhütung verzichten. Leider lässt sich der exakte Tag des Eisprungs immer erst im Nachhinein bestimmen. Denn die Basaltemperatur steigt dann leicht (ca. 0,5°C) an und bleibt bis zum Zyklusende auf einem höheren Niveau – deshalb auch „Hochphase“.

Um die Sicherheit der Methode zu erhöhen, beobachtet man bei NFP aber nicht nur die Temperaturkurve, sondern mindestens ein weiteres Symptom des Eisprungs. Daher auch der Name sympto-thermal (Symptom + Temperatur). Du achtest also auf 3 Indikatoren:

  • deine Basaltemperatur
  • deinen Zervixschleim
  • deinen Gebärmutterhals

An der Menge und Konsistenz des Zervixschleims sowie Lage und Beschaffenheit des Muttermundes lässt sich ebenfalls erkennen, wenn sich der Eisprung ankündigt. Beide Merkmale verändern sich während des weiblichen Zyklus deutlich. Du kannst bei der NFP-Methode eines der beiden Merkmale mit der Temperaturmessung verbinden. Welches Du wählst, hat keinen Einfluss auf die Sicherheit der Methode. Wer auf alle 3 achtet, erfährt sehr viel über seinen Körper und kann noch besser sein Beobachtungen auswerten.

Was brauche ich alles, wenn ich die symptothermale Methode anwenden will?

Das schöne ist, du brauchst wirklich nicht viel. Das wichtigste ist eigentlich ein fester Lebensrhythmus und folgende Utensilien:

  • ein gutes Basalthermometer wie zum Beispiel das Cyclotest Lady (ich habe 2 davon besessen und beide waren sehr verlässlich)
  • einen Stift
  • ein Zyklusblatt, um die Ergebnisse und Beobachtungen einzutragen

Hier gibt übrigens nochmal das Zyklusblatt zum ansehen und ggf. auch herunterladen.

Anleitung für die symptothermale Verhütungsmethode

Basaltempteratur messen

Jeden Morgen unmittelbar nach dem Aufwachen misst Du mit einem Basalthermometer Deine Körpertemperatur. Dabei solltest Du folgende Regeln befolgen:

  1. Verwende ein Basalthermometer oder Fieberthermometer mit zwei Nachkommastellen(!!!). Die Temperaturveränderungen im Laufe des Zyklus sind sehr feingliedrig und herkömmliche Thermometer können das nicht anzeigen.
  2. Verwende keine Ohrthermometer oder Infrarothermometer, die messen nicht genau genug.
  3. Verwende immer dasselbe Thermometer während eines Zyklus. Auch zwei Geräte desselben Modells können unterschiedlich geeicht sein.
  4. Miss unmittelbar nach dem Aufwachen, bevor Du zur Toilette gehst, dich nochmal umdrehst oder sprichst.
  5. Miss insgesamt drei Minuten, auch wenn es vorher piept.
  6. Miss am besten rektal oder vaginal. Wenn Dir das zu unangenehm ist, oral. Wechsle nicht während eines Zyklus den Messort.
  7. Protokolliere die Messungen täglich auf deinem Zyklusblatt.

Zervixschleim beobachten

Für die meisten Frauen ist das wahrscheinlich erst einmal ungewöhnlich: Um die Qualität Deines Zervixschleims zu begutachten, musst Du diesen mit den Fingern am Scheidenausgang aufnehmen. Dazu brauchst Du den Finger nicht weiter als etwa 1cm einzuführen.

Dann untersuchst Du ihn auf Menge, Aussehen und Konsistenz. Auch, wie trocken oder feucht sich Dein Scheidenausgang anfühlt, kann von Bedeutung sein. Je mehr Du protokollierst, desto schneller wirst Du ein Muster erkennen. Denn ein Individuelles Zervixschleim-Muster während des Zyklus gibt es bei jeder Frau. Der Zervixschleim wird dann mit fünf verschiedenen Schleimsymbolen auf dem Zyklusblatt notiert.

Die genaue Beschreibung kannst Du hier herunterladen.

Gebärmutterhals beobachten

Während es beim Zervixschleim sehr viele verschiedene Kategorien und Merkmale gibt, ist der Muttermund (Gebärmutterhals) einfacher zu beschreiben. Er ist während der unfruchtbaren Tage in der Regel tief, hart und geschlossen. Wenn Du ein oder zwei Finger weit genug einführst, kannst Du ihn ertasten. Zum Eisprung hin wird das Gewebe weicher, der Gebärmutterhals wandert weiter nach oben und öffnet sich leicht. Nach dem Eisprung geht er wieder in den harten, tiefen Zustand zurück.

Natürliche Verhütung: Meine Erfahrungen mit der symptothermalen Methode nach NFP
So könnte zum Beispiel eine Zykluskurve aussehen, kreiert mit myNFP.de

Die Auswertung der Beobachtungen

Da die meisten Frauen einen sehr regelmäßigen Zyklus haben, kannst Du sich nach einigen Zyklen – nach NFP-Lehrbuch sollten es insgesamt 12 sein – mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit (99,6%) voraussagen, an welchen Tagen Du fruchtbar bist und an welchen nicht. Natürlich setzt das voraus, dass Du lange Zeit sehr diszipliniert Deinen Körper beobachtest, jeden Morgen um dieselbe Zeit die Temperatur misst und protokollierst und so langsam Deinen Zyklus kennen lernst.

Natürlich musst Du nicht zwölf Monate warten, bis Du von den Vorteilen der symptothermalen Methode profitieren kannst. Die ersten 5 Tage eines Zyklus werden immer als unfruchtbar angenommen (zumindest so lange, bis das System Dir etwas anderes sagt) und sobald Dein Eisprung sichtbar vorüber ist, also die Temperatur drei Tage hintereinander erhöht ist und das zweite Eisprung-Anzeichen ebenso für einen erfolgten Eisprung spricht, kannst Du die zusätzliche Verhütung weglassen. Nach 12 Monaten kannst Du dann annehmen, dass die Regelmäßigkeiten, die Du in dieser Zeit beobachtet hast, sich verallgemeinern lassen und kein früherer Eisprung stattfindet.

Vor- und Nachteile der symptothermalen Methode nach meinen Erfahrungen

Doch warum machen sich Frauen eigentlich so viel Aufwand mit der natürlichen Verhütung? Kurz gesagt hat die symptothermale Methode folgende Vorteile:

Allgemeine Vorteile der sympto-thermalen Methode

  • absolut natürlich, greift nicht in den Zyklus ein
  • frei von Nebenwirkungen
  • absolut preisgünstig
  • sehr sicher
  • kann auch bei Kinderwunsch angewendet werden
  • fördert Bewusstsein für den eigenen Körper

Der Grund für die meisten Frauen, die symptothermale Methode anzuwenden, ist, weil sie auf hormonelle Verhütungsmittel verzichten wollen. Unter den natürlichen Verhütungsmitteln ist NFP die sicherste Wahl.

Übergang von Pille absetzen zur symptothermalen Verhütung

Gleichzeitig gibt es einige Begleiterscheinungen, wenn man die Pille absetzt, die vielleicht als unangenehm empfunden werden können. Dazu gehören

  • Menstruationsschmerzen
  • Stimmungsschwankungen
  • Haarausfall
  • Hautprobleme
  • Meinungsänderung in Sachen Partnerwahl oder Kinderwunsch

Aber keine Sorge, das ist alles ganz natürlich. Einige der körperlichen Symptome wie Haar- und Hautprobleme verschwinden nach einer Weile. Es gibt auch pflanzliche und homöopathische Mittel, die da gut helfen.

Andere, wie zum Beispiel verschiedene Stimmungslagen zu verschiedenen Zeiten im Zyklus, sind etwas ganz natürliches, wurden aber bisher durch die künstlichen Hormone unterdrückt. Tatsächlich kann es vorkommen, dass Frauen nach Absetzen der Pille ihren Partner „nicht mehr riechen“ können. Die veränderte Hormonlage kann tatsächlich auch den Geruchssinn beeinflussen.

Nachteile bei der aktiven Umsetzung von NFP

  • hoher täglicher Aufwand
  • Aneignung von Vorwissen nötig
  • eignet sich nicht für alle Anwenderinnen

Lässt sich der Aufwand mit Hilfsmitteln erleichtern?

Wenn Du Dich nun vor dem Aufwand und dem Regelwerk von NFP scheust, dann gibt es zwei gute Alternativen für Dich: Du kannst die Auswertung entweder der myNFP App überlassen oder sogar noch bequemer in einen Verhütungscomputer einpflegen. Der Verhütungscomputer „Cyclotest MyWay“ zum Beispiel übernimmt und speichert jeden Morgen direkt die gemessene Basaltemperatur und arbeitet ebenfalls nach der symptothermalen Methode. Das heißt, er wird Dich an bestimmten Tagen dazu auffordern, die Zervixschleimqualität oder Deinen Muttermund zu überprüfen und die Ergebnisse einzugeben. Alles Weitere übernimmt der Computer.

Wann die symptothermale Methode für Dich nicht funktioniert

Bei unregelmäßigem Zyklus

Auch bei einem verlängerten, verkürzten oder unregelmäßigen Zyklus verändert sich die Methodensicherheit von NFP nicht. Allerdings kann es sein, dass sich für Dich dann der Aufwand nicht lohnt.

Denn bei einem unregelmäßigen Zyklus kannst Du nur die ersten 5 Tage Deines Zyklus als unfruchtbar annehmen, danach musst Du so lange zusätzlich verhüten, bis der Eisprung stattgefunden hat.

Während die zweite Zyklusphase immer in etwa gleich lang ist, kann sich der erste Teil sehr lange hinziehen. Das bedeutet, dass Du bei einem sehr langen Zyklus viel mehr Zeit verhüten müsstest, als Du von der unfruchtbaren Zeit ohne Verhütung profitieren kannst.

Bei unregelmäßigem Lebensstil

Grundlage der NFP-Methode ist, dass Du jeden Morgen etwa zur selben Zeit Deine Basaltemperatur misst und Deinen Körper nicht durch unregelmäßigen Schlaf, viel Alkohol oder andere Drogen, Stress oder große körperliche Anstrengung aus dem Rhythmus bringst.

Wenn Du also beispielsweise Schicht arbeitest, ein typisches Studentenleben genießt oder viel auf Reisen bist, macht das die symptothermale Methode sehr unsicher.

 

Quellen: 

  • Arbeitsgruppe NFP: Natürlich & sicher: Das Praxisbuch. Sichere Empfängnisregelung ohne Nebenwirkungen. Familienplanung mit sensiplan. Mit dem richtigen Timing zum Wunschkind. Trias, 2011

  • The effectiveness of a fertility awareness based method to avoid pregnancy in relation to a couple’s sexual behaviour during the fertile time: a prospective longitudinal study. (2007) Online Version
  • MyNFP.de

Titelbild: @Manuel-Findeis – stock.adobe.com

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