Schwangerschaft, Verhütung

„Hilfe, ich habe Angst, schwanger zu sein!“ – Tipps und Notfallplan

"Hilfe, ich habe Angst, schwanger zu sein!" - Tipps und Notfallplan

Wer Sex hat, kann schwanger werden. Egal, ob und mit welcher Methode sie verhütet. Das ist uns Frauen im Prinzip ja schon klar. Also so ganz abstrakt und in der Theorie. In der Praxis mit der Angst, schwanger zu sein, konfrontiert zu werden, ist noch einmal eine ganz andere Sache. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit vor unserem positiven Test. Die Ungewissheit ist das Schlimmste. Und die vielen negativen Auswirkungen, die damit verbunden wären. Diese Angst ist alles andere als abstrakt, sie hemmt Dich in Deinem Alltag und begleitet Dich so lange, bis Du Gewissheit hast.

Dabei muss das gar nicht sein, wenn Du einen kühlen Kopf bewahrst und Dir einen detaillierten Plan zurecht legst, wie Du im Ernstfall vorgehen möchtest.

Du hast Angst, schwanger zu sein? Ein 3-Stufen-Plan

Wenn Du ungeschützten Geschlechtsverkehr hattest oder eine Panne bei der Verhütung, z.B. weil das Kondom gerissen ist, besteht tatsächlich die Möglichkeit, dass Du schwanger bist. Damit Dich die Angst vor dieser Möglichkeit nicht erstarren lässt, habe ich ein paar Tipps für Dich, wie Du die Tage überstehst, bis Du Gewissheit hast.

1. Unmittelbar nach dem Geschlechstverkehr: Wie wahrscheinlich ist eine Befruchtung?

Unmittelbar nach dem Sex begann sich Dein Kopf zu drehen und die Sorge vor einer Schwangerschaft stieg von Minute zu Minute? Als erstes macht es Sinn, ruhig zu bleiben und zu überlegen, wie wahrscheinlich es eigentlich ist, dass Du schwanger bist. Denn tatsächlich kann unverhüteter Geschlechtsverkehr nur an etwa 5-6 Tagen pro Zyklus zu einer Befruchtung der Eizelle und damit zu einer Schwangerschaft führen.

Diese Tage sind niemals am Anfang oder Ende Deines Zyklus, sondern etwa in der Mitte. Das heißt, die ersten 5 Tage nach Einsetzen Deiner Regelblutung kannst Du immer als unfruchtbar annehmen. Auch die letzten 10-14 Tage im Zyklus, die sogenannte Hochphase, ist unfruchtbar.

https://magazin.rubbelbatz.de/schwangerschaft/kinderwunsch/fruchtbare-tage-erkennen/



Angst schwanger zu sein trotz Kondom und Pille

Wenn Du ein Kondom, die Anti-Baby-Pille oder ein anderes hormonelles Verhütungsmittel anwendest, ist die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft recht gering. Auch, wenn Du die Pille einmal vergessen hast, reicht die Hormondosis in Deinem Körper wahrscheinlich aus.

Allerdings solltest Du Dir bei der Pille oder dem Verhütungsring darüber im Klaren sein, dass eine Blutung während der Pillenpause / Herausnehmen des Rings keine Aussagekraft über eine mögliche Schwangerschaft hat. Dabei handelt es sich lediglich um eine Ersatzblutung. Wenn Du trotz Pille Angst hast, schwanger zu sein, solltest Du unbedingt mit Deinem Gynäkologen sprechen.

Die Pille danach

Seit einiger Zeit gibt es in Deutschland die „Pille danach“ rezeptfrei in der Apotheke zu kaufen – früher musste ein Arzt sie verschreiben. Die Pille danach enthält einen von zwei Wirkstoffen, die den Eisprung nach hinten hinauszögern.

Du kannst sie also einnehmen, wenn ihr beim Sex eine Panne hattet. Der Eisprung findet dann später statt und die Spermien, die eventuell in Deinem Körper bis zu 5 Tage lang befruchtungsfähig bleiben, sind bis dahin abgestorben.

Natürlich ist es wichtig, dass Du danach nicht wieder neuen ungeschützten Geschlechtsverkehr hast. Außerdem kann es sein, dass der Eisprung bereits ausgelöst wurde, dann ist die Pille danach unwirksam.

Die Pille danach musst Du möglichst schnell, am besten innerhalb von 12 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr einnehmen.

Manche Präparate kannst Du auch noch 5 Tage später einnehmen, allerdings sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie wirkt, mit jeder Stunde, die Du verstreichen lässt.

Außerdem sollte Dir klar sein, dass die Pille danach nur für Notfälle gedacht ist und keine dauerhafte Verhütungsmethode darstellt.

Der Wirkstoff ist ein gravierender Eingriff in Dein Hormonsystem und zögert Deine reguläre Monatsblutung etwa eine Woche nach hinten hinaus. Das heißt, Du musst im Zweifel auch noch eine weitere Woche warten, bevor Du einen Schwangerschaftstest machen kannst.

2. Die Zeit bis zur Periode überstehen

Danach kannst Du erst einmal nur warten. Denn den ersten Früh-Schwangerschaftstest kannst Du erst kurz vor der erwarteten Regelblutung durchführen. Und auch dann bedeutet ein negatives Ergebnis nicht, dass Du eine Schwangerschaft zu 100% ausschließen kannst, denn Frühtests sind sehr fehleranfällig.

Die Tage, bis Du einen richtigen Test durchführen kannst, können darum sehr lang sein. Versuche, in dieser Zeit nicht jedes kleine Ziepen Deines Körpers als mögliches frühes Schwangerschaftsanzeichen zu deuten. Alle dieser Symptome sind sehr unsicher und können immer auch andere Ursachen haben. Manche davon hattest Du vielleicht sogar schon immer, aber hast nie darauf geachtet.

Aber was kannst Du stattdessen tun?

Verständnis und konstruktive Vorschläge haben meist gute Freunde oder Dein Partner. Vielleicht sind Deine Sorgen schon ein ganzes Stück kleiner, wenn er ganz entspannt im Falle einer tatsächlichen Schwangerschaft reagiert? Vielleicht stellt ihr sogar fest, dass ihr euch eigentlich ein Kind wünscht?

Was Du auf keinen Fall tun solltest:

In Facebook-Gruppen oder Foren posten. Denn hier bekommst Du wenig hilfreiche Antworten, stattdessen musst Du zum Teil mit Beschimpfungen oder Vorwürfen rechnen. Es sei denn, Du hast eine Community, die Dich wirklich kennt und konstruktive Vorschläge bringt. Dann kann der Austausch mit anderen auch sehr beruhigend wirken.

Versuche außerdem, in dieser Zeit nicht zu viel allein zu sein, sondern unternimm etwas mit Freunden, Familie, oder lenk Dich mit Arbeiten ab. Meistens bewirkt Grübeln nur, dass die Angst wächst.

Allerdings hilft es manchmal, dir den „schlimmsten aller Fälle“ vor Augen zu halten. Also Dir die Frage zu stellen, was wäre das Schlimmste, was passieren würde? Denn auch für den Fall, dass Du tatsächlich schwanger bist, gibt es viele Lösungsmöglichkeiten.

Wenn Du es nicht willst, musst Du ein Kind nicht selbst aufziehen – oder es nicht alleine aufziehen, selbst, wenn Dein Partner Dich nicht unterstützt. Oft würden Großeltern jederzeit aushelfen und auch eine Adoption kannst Du in Betracht ziehen.

So oder so: Das Leben geht immer weiter, mach Dir das klar.

3. Möglichst früh testen

Nichts ist schlimmer als Ungewissheit. Deshalb warte nicht länger ab, als nötig. Wenn Deine Periode tatsächlich ausbleibt, geh in die Drogerie oder Apotheke und besorge einen Schwangerschaftstest. Wenn Dir das unangenehm ist, kannst Du den Schwangerschaftstest auch online bestellen.

Wenn Du trotz negativem Schwangerschaftstest immer noch Angst hast, schwanger zu sein, geh zum Gynäkologen. Er kann wenige Tage nach Ausbleiben Deiner Regelblutung einen zuverlässigen Schwangerschaftstest anhand der Blutwerte durchführen.

Ständige Angst, schwanger zu sein: Schwangerschaftsphobie

Bei vielen Frauen gibt es gar keinen konkreten Anlass für Sorge, sondern sie haben dauerhafte, phobische Angst vor einer Schwangerschaft. Man spricht dann von einer Schwangerschaftsphobie oder Tokophobie. In Fachkreisen unterscheidet man zwischen einer primären (lebenslangen) und einer sekundären Schwangerschaftsphobie nach einer traumatischen Schwangerschaft oder Geburtserfahrung.

Angst vor der Geburt ist sehr verständlich und weit verbreitet. Viele Ratgeberbücher zu Themen wie „Schmerzfreie Geburt“, „Selbstbestimmte Geburt“ oder „Hypnobirthing“ beschäftigen sich damit. Aber es gibt auch eine Angst, schwanger zu sein.

Diese Angst vor einer Schwangerschaft kann bei kinderlosen Frauen krankhafte Züge annehmen. Diese kann so weit gehen, dass Frauen, die eigentlich einen Kinderwunsch haben, diesen verdrängen, verschieben oder gänzlich aufgeben. In einer britischen Studie von Kristina Hofberg im Jahr 2000 betraf das 13% der kinderlosen Frauen.

Die Angst bei einer generellen, also primären Angststörung bezieht sich einerseits auf die enormen Veränderungen des Lebensstils und die Angst vor der Verantwortung, die ein Kind bedeutet. Dem fühlen sich viele Menschen nicht gewappnet.

Gleichzeitig haben Frauen Angst vor dem Fremdgefühl, vor der körperlichen Veränderung und den Vorgängen, die sie nicht aufhalten können. Sie möchten nicht hilflos in den Spiegel sehen, während sich ihr Körper unaufhörlich verändert, erweitert, ihnen die Kontrolle entgleitet.

Diese generelle Angst und Abneigung gegenüber einer Schwangerschaft ist gesellschaftlich ein Tabu. Denn Schwangerschaft, Kinder und das weibliche Geschlecht gehören quasi untrennbar verbunden – weil von der Natur so vorgesehen. Frauen mit einer übertriebenen Angst, schwanger zu sein, behalten diese Angst darum oft für sich und fühlen sich irgendwie fehl am Platz. Sie sehen, wie andere Frauen sich über Schwangerschaften und Geburten freuen und verstehen nicht, warum es ihnen nicht so geht. Oft spielen dabei auch Erlebnisse aus der Kindheit oder Ängste der eigenen Mutter eine Rolle.

Wenn Dich das Thema stark belastet und Du eigentlich einen Kinderwunsch hättest, solltest Du Dich in psychologische Behandlung begeben. Bei einer sekundären, also durch ein Trauma im unmittelbaren Zusammenhang mit einer Schwangerschaft ausgelösten Tokophobie, ist eine Behandlung ebenso unterstützend. Allerdings ist es einfacher, diese Angst vor einer Schwangerschaft auch im Kreise der Familie zu besprechen und aufzulösen. Manchmal hilft da auch einfach die Zeit.

Schwangerschaft sicher vermeiden

Wenn Du Dir sicher bist, dass Du keine Kinder möchtest und darum ständige Angst hast, schwanger zu sein, macht es vielleicht Sinn, Deine Verhütungsmethode zu überdenken. Solange Du Dich im fruchtbaren Alter, also vor den Wechseljahren, befindest, kannst Du in jedem Zyklus schwanger werden.

Die einzige Möglichkeit, das zu verhindern, ist der vollständige Verzicht auf Geschlechtsverkehr während der fruchtbaren Tage (vlg. NFP-Verhütung) oder eine Sterilisation.

https://magazin.rubbelbatz.de/schwangerschaft/verhuetung/symptothermale-methode-erfahrungen/

Weiterhin gelten die gängigen hormonellen Verhütungsmethoden als sehr sicher, haben allerdings auch einige unerwünschte Nebenwirkungen, über die Du Dir vorher ausreichend Gedanken machen solltest. So kann die Einnahme der Pille Deine Stimmung und Gesundheit negativ beeinflussen.


Quellen:

  • K. Hofberg, I. F. Brockington: Tokophobia: an unreasoning dread of childbirth. A series of 26 cases. In: British Journal Psychiatry. (2000), S. 83–85.
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Schwangerschaftsphobie

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