Schwangerschaft

Überraschend hohe Lebensdauer: Wie lange überleben Spermien?

Lebensdauer von Sperma

Kannst Du von Spermien auf dem Bettlaken schwanger werden? Wie lange überleben Spermien außerhalb des männlichen Körpers? Hier erfährst Du die Wahrheit und Du wirst mit Sicherheit sehr überrascht sein.

Woraus besteht Sperma?

Wer sich mit der Lebensdauer von Spermien beschäftigt, dem nützt ein solides Basiswissen zum besseren Verständnis. Die Frage ist zunächst, woraus Sperma überhaupt besteht.

Sperma-Sekret beinhaltet zwei Komponenten:

  • Die Spermien: Sie stammen aus dem Hoden und reifen im Nebenhoden. Sie sind rund 0,005 cm lang und bestehen aus Kopf, Mittelstück und Schwanz.
  • Das Drüsensekret: Es kommt aus der Prostata, den Samenbläschen und der Cowper-Drüse

Das spätere Geschlecht eines Babys hängt von den Geschlechtschromosomen des Spermiums ab. Besteht es nur aus zwei X-Chromosomen, ist es weiblich. Bei einem X- und einem Y-Chromosomen ist es männlich.

Die Samenflüssigkeit des Mannes besitzt einen pH-Wert zwischen 7,2 und 7,8. Die Scheide hat einen pH-Wert von 3,5 bis 5,5.

Die Bedeutung des pH-Wertes

Auf der pH-Skala gibt es Werte zwischen 0 und 14. 0 bedeutet stark sauer und 14 stark alkalisch bzw. basisch. Der gesamte Bereich wird folgendermaßen aufgeteilt:

  • < 7 = sauer
  • 7 = neutral (zum Beispiel reines Wasser)
  • > 7 = alkalisch

Spermien können sich nur in alkalischem Milieu bewegen. Somit dient die Samenflüssigkeit dazu, dass die Scheideregion in den alkalischen Bereich rutscht. Das Drüsensekret des Mannes ist sozusagen das Vehikel, mit dem die Spermien zur Gebärmutter und zur Eizelle gelangen.

Ist das Spermium in der Lage in die Eizelle einzudringen, dann verschmelzen Ei und Samen zu einem diploiden Chromosomensatz. Die Befruchtung findet statt, die Frau ist schwanger.

Die Spermienzahl im Ejakulat

Der Mann kann bis zu 100 Millionen Spermien pro Tag produzieren, und zwar bis ins hohe Alter. Das entspricht 1100 Spermien pro Sekunde, die in den Hodenkanälchen der Testikel entstehen.

Was sich im ersten Moment so positiv anhört, wird von einem Abwärtstrend getrübt. Internationale Studien ergaben, dass bei Männern der westlichen Industrienationen Nordamerika, Europa, Australien und Neuseeland die Spermienzahl rückläufig ist.

Zwischen 1973 und 2011 ergaben Auswertungen zur Spermienzahl folgende Ergebnisse:

  • Die Spermienkonzentration sank um 52,4 %
  • Die Gesamtzahl der Spermien pro Samenerguss sank um 59,3 %
  • Die durchschnittliche Spermienzahl pro Mann beträgt noch 47 Millionen Spermien je Ejakulat

Dieser Negativtrend scheint sich langsam zu stabilisieren. Er betrifft Männer in Gebieten wie Südamerika, Afrika und Asien nicht oder kaum. ABER: Die Studien beziehen sich rein auf die Anzahl der Spermien, nicht auf deren Qualität.

Falls Du Dir jetzt Sorgen um den Fortbestand der Menschheit machst, dann kannst Du beruhigt ausatmen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt den Referenzwert zur Unfruchtbarkeit mit 39 Millionen Spermien pro Ejakulat oder 15 Millionen Spermien pro Milliliter Ejakulat an.


Gründe für geringere Spermienproduktion

Die Wissenschaft rätselt, welche Auslöser für die Abnahme der Spermienzahl infrage kommen. Es gibt verschiedene Vermutungen, allerdings bisher keine eindeutigen Studienresultate.

Ursache für zu wenig Spermien können sein:

  • Hodentumoren
  • Umwelteinflüsse
  • Chemikalien
  • Endokrine Disruptoren, also hormonaktive Substanzen, die den Hormonhaushalt verändern. Diese stammen unter anderem aus Pestiziden, Kunststoff, Lösungsmitteln etc.
  • Acetylsalicylsäure (ASS) in Medikamenten zur Schmerzlinderung, Fiebersenkung und Entzündungshemmung
  • Veränderter Hormonstoffwechsel durch Übergewicht
  • Missbrauch von Hormonen zum Muskelaufbau
  • Elektrostrahlung zum Beispiel durch Handys in der Hosentasche
  • Rennsattel beim Radfahren
  • Rauchen

Einzig beim Tabakrauchen haben wissenschaftliche Studien eindeutig bewiesen, dass es sich nachteilig auf die Anzahl der Spermien auswirkt.

Die Qualität der Spermien

Es gibt keinen Nachweis, dass sich neben der Zahl der Spermien in den letzten Jahren auch die Qualität verschlechtert hat. Allerdings ist es tatsächlich so, dass das Alter des Mannes in Zusammenhang mit der Beschaffenheit und dem Umfang seiner Spermien steht.

Die Sperma-Menge ist bei Männern mit Anfang 20 Jahren um ein Drittel höher als bei Männern mit Mitte 40. Gleichzeitig steigt mit den Lebensjahren auch die Anzahl der deformierten Keimzellen. Bei Frauen sinkt die Fruchtbarkeit schneller und in größerem Umfang, aber ein Rückgang der Fertilität wird auch beim Mann mit steigendem Alter festgestellt. Wie sich die Qualität der Spermien verbessern lässt, erfährst Du am Ende des Artikels.

Die Lebensdauer von Spermien

Wenn Du wissen möchtest, wie lange Spermien überleben, dann hängt die Antwort von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen ist es wichtig, wo sich die Spermien befinden, zum anderen, wie ihre Qualität ist.

Die Lebensdauer im Körper

Spermien, die in den weiblichen Körper eindringen – das geschieht im Normalfall beim Geschlechtsverkehr – können dort zwischen 30 Minuten und fünf Tagen überleben. Das ist eine enorme Zeitspanne. Warum sterben manche Spermien bereits nach einer halben Stunde und andere bleiben bis zu fünf Tagen agil?

Die Lebenserwartung der Spermien hängt massiv davon ab, wo sie sich aufhalten. Sie brauchen Flüssigkeit, in der sie sich bewegen können. Je schneller die Umgebung dazu führt, dass die Samenflüssigkeit verdunstet, desto schneller sterben die Keimzellen ab. Ansonsten hängt die Lebenspanne auch wieder vom pH-Wert ab. Wie Du bereits erfahren hast, bevorzugen Spermien ein alkalisches Milieu. Die Scheide der Frau ändert tatsächlich den pH-Wert je nachdem ob sie sich gerade in den fruchtbare oder unfruchtbare Tage befindet.

Lebenserwartung in unfruchtbaren Zyklusphasen

An den unfruchtbaren Tagen der Frau führen mehrere Faktoren zum schnelleren Absterben der Spermien. Zum einen liegt der pH-Wert der Scheide dann meist zwischen 3,5 und 5,5, was einer sauren Umgebung entspricht. Diese Tatsache ist vorteilhaft für den weiblichen Körper, weil sich dadurch Keime im Bereich der Vagina nur eingeschränkt vermehren. Sperma mag aber kein saures Klima, sie sterben darin rascher. In dieser Zyklusphase ist das auch kein Problem, weil die Frau sowieso nicht schwanger werden kann.

Der feste Schleimpfropf, die in dieser Phase am Gebärmutterhals sitzt, ist ebenfalls eine kaum überbrückbare Barriere für die Spermien. Die unfruchtbaren Tage sind eine echte Herausforderung für männliche Samen und lassen sie rascher und in größerer Zahl absterben.

Spermien an fruchtbaren Tagen

Ist die Frau fruchtbar, dann verändert sich das Milieu der Scheide. Der sogenannte Zervixschleim, ist jetzt flüssiger und transparenter. Aufgrund der Konsistenz und des Aussehens ähnelt der Schleim dann Eiweiß. Der Östrogenspiegel steigt an und die Scheide ist insgesamt feuchter. Dabei verschiebt sich der pH-Wert von sauer in Richtung alkalisch. In diesem Umfeld fühlen sich die Spermien wohl und können bis zu fünf Tage unbekümmert schwimmen.

Damit eine Schwangerschaft zustande kommt, ist es wichtig, dass die Spermien möglichst lange überleben. Im Grunde ist das Scheidenmilieu nicht gerade einladend. Die männlichen Samenzellen müssen mehrere Hindernisse wie das weibliche Immunsystem, der Zervixschleim und Säure überwinden. Der beschwerliche Weg vom Penis über die Gebärmutter lässt nur rund 500 bis 800 Spermien pro Samenerguss bis zu den Eileitern gelangen.

Der Grund für die vielen Hürden auf dem Weg zur reifen Eizelle ist, dass Keimzellen, die nicht voll funktionsfähig sind, ausgefiltert werden sollen. Dadurch verringert sich die Gefahr ein behindertes Kind zu zeugen. Die schnellsten Spermien gelangen bereits nach rund 30 Minuten zu den Eileitern. Schlussendlich kommt in der Regel nur ein einziger Sieger ans Ziel und befruchtet die Eizelle. Ausnahmen führen zu Mehrlingsschwangerschaften.

Haltbarkeit von Sperma außerhalb des Körpers

Wer sich ein Kind wünscht, der macht sich meistens nur darüber Gedanken, wie Spermien möglichst lange leben und wie sie optimal ans Ziel kommen. Dagegen haben viele Frauen und Paare auch keinen Kinderwunsch. Hier spielen Ängste beispielsweise durch Ejakulat an Händen, im Wasser oder auf dem Bettlaken schwanger zu werden. Wie lange halten sich Samenzellen außerhalb des Körpers?

Auf der Haut

Ob und wie Spermien auf der Haut überleben, hängt von der Körperregion ab. Prinzipiell ist es so, dass sie sich nicht auf der Hautoberfläche bewegen können. Hast Du beispielsweise Ejakulat auf dem Bauch oder Rücken, dann können sich die Samenzellen nicht von dort auf dem Weg zur Scheide machen. Anders ist es dagegen, wenn Spermien über die Finger in den Scheideneingang gelangen. Von dort können sie durchaus bis zur Eizelle schwimmen.

Es stellt sich die Frage, wie lange die Keimzellen zuvor bereits an den Händen hafteten. Zwar können Spermien bis zu 24 Stunden an der Luft überleben, allerdings nur dann, wenn Temperatur, pH-Wert und Feuchtigkeitsgrad optimal sind. Normalerweise trocknet die Samenflüssigkeit auf der Haut schnell aus und die Spermien sterben gleichzeitig ab. Sind die Samenzellen einmal eingetrocknet, dann können Sie nicht wieder reaktiviert werden.

Auf Bettlaken und Kleidung

Gelangt Ejakulat auf saugfähiges Material, dann trocknet die Flüssigkeit in wenigen Sekunden ein. Auch hier sterben die Samenzellen wieder ruckzuck ab, weil die Umgebung nicht mehr feucht ist. Eine Schwangerschaft durch Berührung mit Spannbetttüchern, Handtüchern oder Kleidungsstücken ist sehr unwahrscheinlich.

Im Wasser

Wasser ist nicht gleich Wasser. Zwar hat reines H2O den Vorteil, dass es nicht sauer, sondern pH-neutral ist, allerdings ist das auch schon alles, was Spermien daran mögen. Hast Du bedenken, dass die Samenzellen in der Badewanne aktiv und quirlig bleiben, dann sei unbesorgt. Die hohen Temperaturen, die dort normalerweise herrschen, sind den fleißigen Schwimmern nicht zuträglich.

Auch geistern immer wieder Gerüchte von Schwangerschaften durch Schwimmbadbesuch durch die mehr oder weniger seriöse Medienlandschaft. Ist das Wasser gechlort, dann sterben Spermien ebenfalls schnell ab. Außerdem wissen die Keimzellen in den ungeheuren Mengen an Wasser nicht, wo die Scheide ist. Sie haben kein eingebautes Radar, um an ihr Ziel zu gelangen. Zusätzlich schützt Badebekleidung vor dem Eindringen. Also insgesamt brauchst Du keine Bedenken vor einer Schwangerschaft in der Badeanstalt oder in der Wanne zu haben. Einzige Ausnahme – Du hast dort ungeschützten Geschlechtsverkehr.

Im Kondom

Wird das Kondom direkt nach der Ejakulation verknotet und damit beinahe luftdicht verschlossen, können Spermien darin mehrere Stunden überleben. Das geschieht unter anderem dadurch, dass die Samenflüssigkeit nicht austrocknet. Sollte das Präservativ mit einer samenabtötenden Substanz, einem sogenannten Spermizid überzogen sein, dann sterben die Samenzellen direkt ab.

Die Spermien im Lusttropfen

Der Lusttropfen ist ein sogenanntes Präejakulat. Er tritt kurz vor dem eigentlichen Samenerguss aus. Die Flüssigkeit dient dazu die Harnröhre zu reinigen. Zudem verändert er das Milieu in der Harnröhre von sauer auf basisch, wodurch die nachkommenden Spermien höhere Überlebenschancen haben. Es wird vermutet, dass er auch den pH-Wert der Scheide samenfreundlicher macht.

Im eigentlichen Lusttropfen sind keine Spermien enthalten. Achtung: in einigen Studien wurden dennoch Samen im Lusttropfen festgestellt, die vermutlich aus vorangegangenen Samenergüssen stammen. Alternativ besteht auch die Option, dass die Ejakulation bereits durch Stimulation gestartet wurde und sich bereits mit dem Lusttropfen vermischt hat. Es besteht also die Möglichkeit durch den Lusttropfen schwanger zu werden.

Geschlechterunterschiede der Spermien

Tatsächlich ist es so, dass sich weibliche und männliche Samenzellen in ihren Eigenschaften unterscheiden.

  • Die weiblichen Spermien mit einem X-Chromosom sind größer, stärker, aber langsamer
  • Die männlichen Y-Spermien sind kleiner, schwächlicher, aber schneller

Männliche Spermien sterben in der Regel schneller ab. Aufgrund dieser Fakten gibt es verschiedene Theorien, wie das Geschlecht des Babys beeinflusst werden kann. So soll ein heißes Bad vor dem Sex den männlichen Samenzellen mehr zu schaffen machen, als den weiblichen.

Wenn Du Dir also ein Mädchen wünschst, dann schick Deinen Partner vor dem Geschlechtsverkehr in die warme Wanne. Für die Zeugung eines Jungen empfiehlt sich – laut des Spezialisten Dr. Landrum B. Shettles – die Zeugung von hinten. Dann ist der Weg zur Eizelle kurz und die schnellen, männlichen Spermien gelangen mit höherer Wahrscheinlichkeit als Sieger ins Ziel.

Menge und Qualität der Spermien verbessern

Damit die Chance auf eine Schwangerschaft erhöht wird, kannst Du versuchen die Anzahl und Beschaffenheit der Samenzellen zu verbessern. Hierfür werden folgende Maßnahmen empfohlen:

  • Gesunde Ernährung mit viel Vitamin C, D und E sowie Folsäure, Zink, Selen, L-Carnitin und Coenzym Q10. Es gibt spezielle Multi-Vitaminpräparate dafür.
  • 1 – 2 Mal pro Woche Geschlechtsverkehr. Bei mehr Ejakulationen pro Woche, nimmt die Spermienkonzentration ab. Bei weniger Samenergüssen baut das männliche Immunsystem Samenzellen ab.
  • Keine Drogen, Zigaretten, Alkohol und wenig Kaffee
  • Kein Übergewicht
  • Regelmäßige Bewegung, allerdings kein Radfahren mit Rennsattel
  • Wenig Stress
  • Keine zu engen Hosen
  • Keine zu hohen Temperaturen in Sauna, Badewanne und Co.

Die Lebensdauer von Spermien hängt stark von verschiedenen Umweltfaktoren ab. Nutze dieses Wissen dabei, Deinen Wunsch nach einem Baby zu realisieren.


Bild: 

© vchal – bigstockphoto.com

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Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

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