Kinderwunsch

Wie erfolgreich ist die künstliche Befruchtung mit ICSI?

Wie erfolgreich ist die künstliche Befruchtung mit ICSI?

Als ich vor fast 10 Jahren entschied, die Pille abzusetzen und auf natürliche Verhütung zu setzen, bat ich meinen Mann darum ein Spermiogram durchführen zu lassen. Für den Fall, dass mit seinen Spermien etwas nicht in Ordnung war, wollte ich frühzeitig gewappnet sein. Denn ich wusste, dass ich eines Tages Kinder haben wollte. Und ich wusste auch, dass, wenn ich nicht so schnell schwanger werden würde, der Weg vom unerfüllten Kinderwunsch zur eventuell nötigen künstlichen Befruchtung ein sehr weiter und beschwerlicher ist.

Was die moderne Medizin mittlerweile für Möglichkeiten bietet, ist wirklich faszinierend. So gibt es mit der ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) sogar gute Chancen auf ein gemeinsames Kind, sogar wenn das Ejakulat des Partners gar keine Spermien enthält.

Was genau sich hinter dieser Behandlungsmethode für künstliche Befruchtung verbirgt und wie sie sich von der normalen IVF (In-Vitro-Fertilisation) unterscheidet, erklärt Dir dieser Artikel.

Was ist eine ICSI?

Die ICSI ist eine Weiterentwicklung der herkömmlichen Methode zur künstlichen Befruchtung. Für beide Methoden werden Gameten (Eizellen und Sperma) von jedem Partner entnommen. Der Unterschied zwischen den beiden Verfahren liegt in der Art der Befruchtung.

Unterschied zwischen ICSI und IVF

Bei der normalen In-Vitro-Fertilisation (IVF) werden, kurz gesagt, reife Eizellen und befruchtungsfähiges Sperma in eine Petrischale gelegt und auf eine Befruchtung gehofft. Das Sperma befruchtet das Ei „natürlich“, d.h. die Eizelle lässt nach bisher ungeklärten Kriterien manche Spermien abprallen, während sie mit einem anderen verschmilzt.

Damit dieser Prozess auch im Reagenzglas klappt, ist eine große Menge von aktiven, normalen Spermien erforderlich. Bei manchen Männern ist die Anzahl der verfügbaren und geeigneten Spermien sehr begrenzt oder es können andere Faktoren die Befruchtung verhindern und eine konventionelle IVF führt nicht zum Erfolg. ICSI gibt diesen Paaren eine echte Chance.



Bei der Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) wird ein Laborverfahren angewandt, bei dem ein einzelnes Spermium mit einer feinen Glasnadel aufgenommen und direkt in das Ei injiziert wird. Dieser Vorgang wird im Labor von erfahrenen Embryologen mit Spezialgeräten durchgeführt. Es werden nur sehr wenige Spermien benötigt und die Fähigkeit der Spermien, in das Ei einzudringen, ist nicht mehr wichtig, da dies durch die ICSI-Technik übernommen wird.

ICSI führt nicht automatisch zu einer garantierten Befruchtung, da die normalen zellulären Vorgänge der Befruchtung immer noch folgen müssen, wenn das Sperma in das Ei eingeführt wurde. Die Befruchtungsrate und Wahrscheinlichkeit einer Einnistung ist genauso so hoch wie bei der IVF auch.

Behandlung: Für wen eignet sich eine ICSI?

Für Paare, die schon ihre 12 Übungszyklen hinter sich haben, ist der Besuch in einer Kinderwunschklinik ratsam. Dort wird ein Beratungsgespräch angesetzt und ausgiebige Untersuchungen beider Partner gemacht. Die Kinderwunschklinik (auch KiWu-Klinik) wird einen daraufhin einen Behandlungsplan samt Kostenaufstellung entwerfen, der in der Regel von der Krankenkasse genehmigt werden muss, bevor die Behandlung starten kann.

Eine Befruchtung mit ICSI folgte ursprünglich, wenn die IVF auch nach mehreren Behandlungszyklen nicht zum Erfolg führte. Doch mittlerweile wird die ICSI in Deutschland häufiger eingesetzt, als die ursprüngliche Variante, die IVF, nämlich in etwa 3/4 der Fälle.

So empfehlen viele Anbieter von Fruchtbarkeitsbehandlungen die ICSI auch in folgenden Fällen:

  • wenn keine klare Ursache für die Unfruchtbarkeit erkennbar ist
  • wenn eine Befruchtung durch eine Immunreaktion der Frau gegen Spermien erschwert wird
  • wenn nur eine kleine Anzahl von Eizellen zur Verfügung steht
  • wenn vitrifizierte Eizellen oder eingefrorene Spermien verwendet werden
  • wenn die Embryonen einer PID (Präimplantionsdiagnostik) unterzogen werden sollen
  • wenn Spermien durch einen chirurgischen Eingriff entnommen werden
  • wenn eine gependete Eizelle verwendet wird
  • wenn bestimmte Erkrankungen wie Hodenkrebs vorliegen
  • wenn die Anzahl der männlichen Spermien sehr niedrig ist
  • wenn die Spermien eine geringe Mobilität besitzen
  • wenn die Spermien eine abnormale Morphologie haben
  • wenn eine Vasektomie oder Azoospermie vorliegt
  • wenn die Frau bereits im fortgeschrittenen Alter ist

Ablauf: Was passiert bei einer Intrazytoplasmatische Spermieninjektion?

Der Ablauf der ICSI verläuft grundsätzlich genau wie die IVF-Methode. Der einzige Unterschied liegt in der Befruchtung der Eizelle, die bei der ICSI „per Hand“ vorgenommen wird.

Vor diesem Eingriff müssen sich beide Partner darauf vorbereiten:

    • Hormonbehandlung der Frau: Mit bestimmten Hormonen wird um den 20. Zyklustag herum der Zyklus unterbrochen. Nach etwa zwei Wochen folgt eine Hormongabe, durch die in den Eierstöcken vermehrt Eibläschen heranreifen. Ihr Wachstum wird durch weitere Hormongaben gefördert. Nach etwa einer Woche sind bis zu 15 Eibläschen herangereift und durch die Gabe des Schwangerschaftshormons HCG wird der Eisprung simuliert. Bevor dieser allerdings stattfindet, werden durch Punktion die Eizellen aus den Bläschen entnommen und im Labor behandelt.
      Eine künstliche Befruchtung ist also nicht nur mit einer psychischen Belastung für das Paar, sondern auch mit einem hormonellen Durcheinander für die Frau verbunden.
    • Untersuchung des Mannes: Beim potentiellen Vater wird zunächst in einem Spermigram erneut die Qualität und Menge der Spermien untersucht. Das gewonnene Sperma wird dann, wenn es soweit brauchbar ist, im Labor weiter behandelt und pro Eizelle wird ein geeignetes Spermium ausgewählt.
      Sollte sich herausstellen, dass beim Mann eine sogenannte Azoospermie vorliegt, dass sein Ejakulat also gar keine befruchtungsfähigen Spermien enthält, werden Samenzellen durch Punktion der Hoden oder Samenleiter entnommen.
      Viele Kliniken führen außerdem eine Blutuntersuchung beim Mann durch, um eventuelle Erbrkrankheiten auszuschließen, die bei einer künstlichen Befruchtung an das Baby weitergegeben werden könnten.
    • Befruchtung der Eizellen: Was nun folgt, stellt den großen Unterschied zur normalen IVF dar: Nun wird das Spermium durch eine feine Kanüle aufgenommen und mit einem Mikromanipulator in das Zytoplasma der Eizelle injiziert. Eine mangelnde Spermienqualität als Hauptursache der männlichen Unfruchtbarkeit spielt in diesem Verfahren also keinerlei Rolle mehr. Die Eizelle wird sozusagen zwangsbefruchtet.

  • Kontrolle und Rückgabe: In den nächsten drei Tagen wird beobachtet, ob die Eizelle befruchtet wurde und ein Embryowachstum einsetzt. Wenn nötig, wird eine Präimplantionsdiagnostik durchgeführt. Dann werden 2-3 Eizellen mit demselben Verfahren wie bei der IVF in die Gebärmutter der Frau zurückgegeben: Sie werden mit einem flexiblen Schlauch direkt eingeführt.

Erfolgsquote: Wie hoch sind die Chancen auf eine Schwangerschaft bei einer ICSI?

Für Paare, bei denen die Unfruchtbarkeit von der Frau ausgeht, bietet die ICSI keine höheren Erfolgschancen als die normale künstliche Befruchtung durch IVF.

Wenn allerdings die Spermienqualität des Mannes als Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch ausgemacht werden konnte, verbessern sich die Chancen auf einen Erfolg durch ICSI auch für Paare, die mit den herkömmlichen Methoden der Insemination und IVF kein Kind bekommen können.

Statistische Wahrscheinlichkeit auf einen Erfolg

Laut Anbietern liegt die Erfolgsrate bei 20-30% pro Zyklus.

Für den Verlauf der Schwangerschaft und die Entwicklung des Embryos macht es vermutlich keinen Unterschied, ob diese durch ICSI oder IVF entstanden sind.

Kosten: Wie teuer ist eine Behandlung mit Intrazytoplasmatische Spermieninjektion?

Während in den USA eine künstliche Befruchtung mit der ICSI-Methode nur 1000-1500 Dollar kostet, musst Du in Deutschland mit etwa 5000€ pro Behandlung rechnen. Wenn man nun davon ausgeht, dass es einige Zyklen braucht, bis eine Schwangerschaft einsetzt, kann das schnell sehr kostspielig werden.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bei den ersten drei Behandlungszyklen 50% der Kosten, wenn das Paar verheiratet ist. Die privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten mitunter ganz. Allerdings muss dazu der Partner, der die Unfruchtbarkeit „zu verschulden“ hat, dort versichert sein.

Weil sowohl für die Behandlung des Mannes, als auch für die Frau Kosten anfallen, kann es darum sein, vorkommen, dass die Frau die Behandlungskosten komplett selbst tragen muss, wenn sie privat versichert, ihr unfruchtbarer Mann aber gesetzlich versichert ist. Unverheiratete Paare tragen die Kosten grundsätzlich selbst.

Gibt es Risiken und Kritik bei der  ICSI?

Die ICSI wird seit 1999 erfolgreich angewandt, das heißt, sie ist relativ sicher. Ein paar Risiken bestehen allerdings. So ist die Wahrscheinlichkeit einer Eileiterschwangerschaft erhöht, obwohl das Ei den Eileiter gar nicht durchläuft.

Außerdem kommt es in seltenen Fällen zu Komplikationen durch die Hormonbehandlung der Frau, zum Beispiel Blutgerinsel oder Nierenproblemen.

Ein weiteres „Risiko“ der künstlichen Befruchtung ist in diesem Fall wahrscheinlich Ansichtssache: Es besteht die realistische Möglichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft. Denn pro Behandlungszyklus werden 2-3 befruchtete Eizellen in die Gebärmutter eingesetzt. Auf diese Weise wird die Chance auf eine Schwangerschaft erhöht, denn häufig gehen eine oder mehrere Eizellen wieder ab, ohne sich einzunisten. Wie viele Eizellen injiziert werden, hängt auch vom Alter der Frau ab.

Aus ethischen Gründen steht die künstliche Befruchtung immer wieder in der Kritik. Für die ICSI-Methode kommen zusätzlich evolutionsbiologische Bedenken hinzu. Denn die Mechanismen, mit denen ein ganz bestimmtes Spermium zur Befruchtung zugelassen wird, sind immer noch unbekannt. Die Vermutung liegt aber nahe, dass dabei eine Art natürliche Selektion stattfindet, dass also nur das Spermium mit der höchsten Überlebenschance Einlass erhält. Eine solche Selektion findet bei der IVF womöglich statt, bei der ICSI aber nicht. Die Auswahl wird von Menschenhand getroffen, ohne die genauen Faktoren zu kennen.

Studien aus den 2000ern scheinen diese Befürchtung zu bestätigen. So gibt es Hinweise, dass eine Befruchtung durch ICSI zu einer Häufung von angeborenen Fehlbildungen führt. Allerdings glauben die meisten Forscher, dass dies nicht auf die Methode selbst zurückzuführen ist, sondern auf die Konstitution der Eltern. Paare, die auf ICIS zurückgreifen, sind häufig älter und weniger gesund als Paare, bei denen es mit dem Wunschkind auf natürlichem Wege klappt. Außerdem würden Babys auch in dem Falle entstehen, in dem die Natur aus genetischen Gründen eine Fortpflanzung zwischen den Partnern ausschließt.

Andererseits zeigt eine Studie von 2015, dass Kinder im Alter von 5-6 Jahren sich in ihrer kognitiven Entwicklung nicht unterscheiden, egal, ob sie natürlich oder mit ICSI entstanden sind. Die Sachlage bleibt also widersprüchlich.

Im Endeffekt sind für die meisten Paare solche Risiken aber unerheblich, denn niemand entscheidet sich für diesen Weg, wenn er eine andere Option hat.

Worüber dagegen die wenigsten Paare in Kinderwunschkliniken aufgeklärt werden, ist die psychische Belastung für die Eltern. Diese kann während der Behandlungszyklen extrem sein und die Partnerschaft und Gesundheit stark belasten. Sonstige Stressfaktoren und Belastungen solltest Du deshalb vorab klären und minimieren, wenn Du Dich für eine ICSI entscheidest.

Quellen: 

Titelbild: @Nitiphol – stock.adobe.com

https://www.fertility-ivf.eu/wp-content/uploads/2015/11/icsi__piis0015028207040952.pdf
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16317625
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16599322
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16400786


Merken auf Pinterest: 

Wie erfolgreich ist die künstliche Befruchtung mit ICSI?

Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Affiliate Links (Werbelinks). Wenn du auf so einen Verweislink klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich von deinem Einkauf eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht und es entstehen für dich keine Nachteile.




Vorheriger BeitragNächster Beitrag
Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.