Kinderwunsch

Warum Folsäure bei Kinderwunsch so wichtig ist


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Ich selbst habe nach meinem ersten Termin beim Frauenarzt in der 6. Schwangerschaftswoche angefangen, Folsäure und andere Nahrungsergänzungsmittel und Schwangerschaftsvitamine zu nehmen. Um schwere Fehlbildungen am zentralen Nervensystem meines Babys zu verhindern, war das viel zu spät. Zum Glück hat sich mein Sohn trotzdem richtig und gut entwickelt. Damals wusste ich nicht, wie wichtig es ist, Folsäure auch schon vor einer Schwangerschaft einzunehmen. Heute würde ich das anders machen und schon beim Kinderwunsch anfangen, Folsäure zu substituieren. Wann genau Du damit anfangen solltest und welche Präparate empfehlenswert sind, erfährst Du in diesem ausführlichen Artikel.

Warum ist Folsäure bei Kinderwunsch so wichtig?

Neuralrohrdefekte

Für jede richtige Zellteilung benötigt der Körper Folsäure. Wenn aus einer einzigen befruchteten Zelle ein ganzes Baby entsteht, teilen sich Zellen unzählige Male – und es wird wahnsinnig viel Folsäure benötigt. Wenn nicht genügend zur Verfügung steht, kann das zu schweren Fehlbildungen beim Embryo schon während der ersten Wochen führen.

Am bekanntesten ist sind dabei die sogenannten Neuralrohr-Defekte. In Deutschland kommen pro Jahr etwa 800 Kinder mit einer solchen Fehlbildung zur Welt, am häufigsten mit dem sogenannten „offenen Rücken“ (spina bifida).

Das Neuralrohr entsteht bereits in den ersten 3 Schwangerschaftswochen und entwickelt sich dann weiter zum zentralen und peripheren Nervensystem. Bereits in der 4. Schwangerschaftswoche ist diese Entwicklung abgeschlossen, bei einem gesunden Embryo schließt sich nun das Neuralrohr. Passiert das nicht, weil ein Folsäuremangel besteht, bleibt eine offene Stelle. Je nach Ort dieser Öffnung ein offener Rücken oder sogar ein offenes Gehirn.

Zu einem Zeitpunkt, an dem viele Frauen erst feststellen, dass sie schwanger sind – und anfangen, Folsäure einzunehmen – ist es also dafür bereits zu spät. Deshalb wird von allen Institutionen und Verbänden die prohpylaktische Einnahme von Folsäure auch schon vor der Schwangerschaft empfohlen, auch für Frauen, die ungeplant schwanger werden könnten.

Auf diese Weise sind die Folsäure-Speicher einer Frau schon zum Eintritt der Schwangerschaft aufgefüllt und ein Mangel fast ausgeschlossen. Laut British Medical Journal wird das Risiko für solche Fehlbildungen durch Folsäure-Einnahme um 70% gesenkt.

Immer wieder wird auch diskutiert, ob eine generelle Anreicherung von Lebensmitteln mit Folsäure in Deutschland Sinn macht. In den USA zum Beispiel konnten Neuralrohr-Fehlbildungen bei Neugeborenen um etwa 50% reduziert werden, seitdem Folsäure dem Weizenmehl zugesetzt wird.

Wie viel und ab wann Folsäure bei Kinderwunsch

Eine Studie der Technischen Universität München belegt, dass viele Frauen (85%) Folsäure während des ersten Schwangerschaftsdrittels supplementieren, jedoch viel zu wenige (nur 30%) in der Kinderwunschzeit. Hier lautet die Empfehlung, 400 µg des B-Vitamins über Nahrungsergänzungsmittel und gleichzeitig täglich 400 µg über die Nahrung aufzunehmen. Damit sollte eine Frau mindestens vier Wochen vor Eintritt der Schwangerschaft beginnen zum Beispiel Folio Forte Phase 1 (von Kinderwunsch bis zur 12. SSW) zu nehmen, besser 3-4 Monate vorher.

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Folsäure zu einer erhöhten Fruchtbarkeit führen würde. Dem ist nicht so.

Folsäure in der Schwangerschaft und Stillzeit

Auch während der Schwangerschaft solltest Du Folsäure weiter nehmen, mindestens während der ersten 12 Schwangerschaftswochen. Denn weiterhin kann ein Folsäure-Mangel zu einem Herzfehler, Harnwegsdefekten oder einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalten führen.

Deshalb solltest Du in der Schwangerschaft weiterhin 400 µg über entsprechende Präparate wie zum Beispiel Folio Forte Phase 2 (ab der 13. SSW bis Ende der Stillzeit) sowie  600 µg über die Nahrung aufnehmen. Auch das Risiko eines Abgangs ist geringer, wenn ein Folsäuremangel ausgeschossen ist.

Welche Vitamine Du in der Schwangerschaft einnehmen solltest, fasst dieser Artikel zusammen. 

Auch in der Stillzeit benötigt der Körper weiterhin mehr Folsäure, die Du durch entsprechende Ernährung oder Präparate zuführen solltest.

Was ist Folsäure?

Folsäure im Körper

Mit Folsäure bezeichnet man ein B-Vitamin (Vitamin B9 / Vitamin 11), das der Körper selbst nicht produzieren kann und das Du darum über die Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel aufnehmen musst. Vitamin B9 wird für alle Zellneubildungs- bzw. Zellteilungsprozesse im Körper benötigt. Auch für viele andere Stoffwechselvorgänge und die Synthese von DNA bzw. RNA ist Folsäure von zentraler Bedeutung.

Wenn ein neues Leben in Deinem Bauch entsteht, teilen sich die Zellen in rasanter Geschwindigkeit, deshalb ist auch der Bedarf an Folsäure in der Schwangerschaft stark erhöht.

Der Körper kann Folsäure vorübergehend speichern, Hauptspeicherorgan ist die Leber. Allerdings entleeren sich diese Speicher schnell wieder. Ein leeres Folsäure-Depot braucht bei einer Einnahme von 400 Mikrogramm pro Tag etwa 2-3 Monate um sich zu regenerieren. Um den Speicher innerhalb weniger Wochen aufzufüllen, braucht man etwa 800 Mikrogramm pro Tag.

Folsäuremangel und Überdosierung

Einen Folsäuremangel bemerkst Du unter anderem durch verminderte Leistungsfähigkeit, Konzentrationsschwäche, depressive Verstimmungen, Blutarmut, entzündeter Schleimhaut, Reizbarkeit blassen Lippen, Augenlidern oder Zahnfleisch, Schlafstörungen, Herzklopfen, Ohrensausen, Schwindelgefühle, einem gestörten Geschmackssinn, Gewichtsverlust und Durchfällen

Folsäure ist wasserlöslich und kann deshalb kaum überdosiert werden. Trotzdem gibt es Empfehlungen für Maximalmengen. Außerdem haben Studien nachgewiesen, dass bei einer höheren Menge als der empfohlenen Tagesdosis kein erhöhter gesundheitlicher Nutzen entsteht.

Folat – Folsäure in seiner natürlichen Form

Folat, so die Bezeichnung für Folsäure aus der Nahrung, kommt besonders in grünem Blattgemüse wie Spinat, Grünkohl, Rosenkohl , Brokkoli, und Salat vor, aber auch in Eiern, tierischer Leber, Weizenkeimen, Spargel, Nüssen, Aroniabeeren,  oder Vollkornprodukten.

Allerdings ist es gar nicht so einfach, über die Ernährung genügend Folat aufzunehmen, denn es ist wasserlöslich und wird durch Hitze oder Licht zerstört. Das führt dazu, dass es relativ schnell aus dem grünen Blattgemüse verschwindet.

Nahrungsergänzungsmittel mit Folsäure

Nur rund 10-20% der Deutschen haben auch ohne Nahrungsergänzung ausreichend Folsäure im Körper. Die synthetisch hergestellte Folsäure hat eine sehr viel höhere Bioverfügbarkeit, d.h. sie kann vom Körper besser aufgenommen und zur Zellteilung verwendet werden.

Der Unterschied zwischen Folat und Folsäure

Streng genommen gibt es einen Unterschied zwischen pflanzlichem Vitamin B9 in seiner natürlichen Form (Folat) und der synthetischen Folsäure. Umgangssprachlich spricht man in beiden Fällen von Folsäure, für den Körper macht es allerdings einen wichtigen Unterschied. Denn nicht beide Stoffe kann der Körper gleich gut aufnehmen und verwerten.

Sowohl Folat als auch Folsäure werden im Verdauungstrakt mithilfe von Enzymen in die wirksame Form Tetrahydrofolat umgewandelt. Dazu benötigt der Körper Enzyme, die durch verschiedene Erkrankungen (Sprue, Zöliakie) oder Medikamente beeinflusst werden oder genetisch bedingt nicht richtig funktionieren können.

Auch Vitamin B12 ist für diesen Vorgang unverzichtbar. Deshalb kann es auch vorkommen, dass Du trotz ausreichender Folat- bzw. Folsäurezufuhr einen Mangel hast.

Eine Lösung kann dann sein, Vitamin B12 zu supplementieren oder Folat in der bioverfügbaren Version als Metafolin oder Quatrefolic einzunehmen.

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* Zuletzt aktualisiert am 21. September 2018 um 11:44 . Alle hier angezeigten Preise können sich inzwischen geändert haben. Alle Angaben ohne Gewähr.

 

Achtung!
Im Internet kursieren einige Quellen, die die Sache genau anders herum darstellen, nämlich dass das natürliche Folat eine höhere Bio-Verfügbarkeit hätte. Dem liegt ein Missverständnis zugrunde, denn weder das natürliche Folat, noch die synthetische Folsäure kann vom Körper absorbiert werden, sie müssen beide im Darm umgewandelt werden.

Um auszudrücken, wie gut der entsprechende Stoff vom Körper absorbiert werden kann, spricht man von der sogenannten Bioverfügbarkeit. Je mehr aufgenommen wird, desto höher die Bioverfügbarkeit. Die synthetische Form Folsäure hat eine viel höhere Bioverfügbarkeit als das natürlich vorkommende Folat, nämlich ungefähr doppelt so hoch.

Quellen: 

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=39797

Bundesinstitut für Risikobewertung: https://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_folat_und_folsaeure-8899.html

Bildquelle: @gpointstudio – stock.adobe.com

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