Schwangerschaft

Was ist das HELLP Syndrom? – Symptome, Therapie & Vorbeugung

Was ist das HELLP Syndrom

HELLP-Syndrom – Was ist das?


Das HELLP-Syndrom kommt in unter 1 % aller Schwangerschaften vor. Es ist eine seltene, aber schwere Multisystemerkrankung mit gefährlichen Warnzeichen im Spätstadium einer Schwangerschaft.

Im letzten Drittel der Schwangerschaft (33.-34. Schwangerschaftswoche) tritt es sehr plötzlich auf und muss umgehend behandelt werden. Mutter und Kind sind in Gefahr. Drohende Risiken sind Früh- und Fehlgeburten, Nierenversagen und Hirnblutung.

HELLP setzt sich aus Begriffen aus dem Englischen zusammen und beschreibt die körperlichen Reaktionen von (H) Hemolysis, (EL) Elevated liver enzymes, (LP) Low platelets:

  • (H) Hämolyse: Zerfall roter Blutkörperchen
  • (EL) Erhöhte Werte der Leberenzyme
  • (LP) Abfallen der Blutgerinnung durch Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten)

Das Syndrom gehört in die Gruppe der hypertensiven Schwangerschafts-Erkrankungen. Das bedeutet, es ist mit einem erhöhten Blutdruck (Hypertonie) verbunden. Charakteristisch bei den hypertensiven Erkrankungen während der Schwangerschaft ist die Proteinausscheidung im Urin (Proteinurie). Das kann, muss aber nicht in allen Fällen auftreten.

An welchen Symptomen und Anzeichen erkenne ich HELLP-Syndrom?

Es handelt sich um eine Sonderform der sogenannten Präeklampsie und zählt übergeordnet zu den Gestosen. Umgangssprachlich werden alle Formen der Gestosen häufig unter „Schwangerschaftsvergiftung“ zusammengefasst.

https://magazin.rubbelbatz.de/schwangerschaft/was-ist-eine-schwangerschaftsvergiftung/

Die Symptomatik des HELLP-Syndroms schließt Anzeichen der Präeklampsie und Eklampsie ein und zusätzlich reagiert der Körper akut mit den oben genannten Symptomen.

Treten folgende Symptome gesammelt oder teilweise auf, ist rasches Handeln angesagt:

Achtung bei diesen körperlichen Anzeichen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Plötzlicher Anstieg des Blutdrucks auf 160/90 mmHg
  • Proteinausscheidung im Urin (Proteinurie) mehr als 300mg im 24 Stunden-Harn
  • Starke Oberbauchschmerzen, rechtsseitig (epigastrischer Schmerz)
  • Schmerzen in Rücken oder Schultern
  • Schmerzen hinter dem Brustbein
  • Schwellungen, Wassereinlagerungen (Ödeme)
  • Starke Kopfschmerzen
  • Bewusstseins- und Sehstörungen
  • Erhöhte Reflexbereitschaft (Hyperreflexie)
  • Tonisch-klonische Krampfanfälle und Zuckungen
  • Blutgerinnung nimmt ab (Thrombozytopenie)
  • Zerfall roter Blutkörperchen (Hämolyse)
  • Veränderung der Leberwerte

Charakteristisch ist ein rapider Verlauf innerhalb weniger Stunden. Es besteht die Gefahr einer Hirnblutung und eines Hirnödems. Deutliche Sehstörungen können auf vorhandene Mikroblutungen im Gehirn hinweisen. Durch die krankhafte Veränderung der Leber kommen die typischen Schmerzen im Oberbauch zustande.

Unter Umständen kann das Syndrom schwer erkennbar sein, da nicht alle Schwangeren alle Symptome vollständig aufweisen oder die Symptomatik abweichen kann. Man spricht in dem Fall von einem partiellen HELLP-Syndrom. Laut klinischen Studien tritt das HELLP-Syndrom in 5 – 20 % gefährdeter Patientinnen auch bei fehlendem Blutdruckanstieg und fehlender Proteinurie auf.

Wichtig:
 Selbst ein partielles HELLP-Syndrom ist keine Garantie für einen langsamen Verlauf. Die Erkrankung kann unvorhersehbar sein und bedarf in jedem Fall einer ärztlichen und labortechnischen Überwachung.

Lässt sich HELLP schnell und einfach feststellen?

Ein Bluttest gibt Auskunft, ob das HELLP-Syndrom vorliegt. Da nicht in allen Fällen eine Eiweißausscheidung im Urin gegeben ist, ist der Urin-Schnelltest eingeschränkt zur Diagnostik geeignet.


Welche Ursachen hat das HELLP-Syndrom?

Studien gehen davon aus, dass es durch eine Unterversorgung der Plazenta zustande kommt (Plazentainsuffizienz). Das kann durch das Zusammentreffen entzündlicher, erblicher und immunologischer Faktoren eintreten. Die Bedeutung immunologischer Kriterien und vorhandener Gerinnungsstörungen wird zunehmend diskutiert.

Risikofaktoren

Das Risiko, an HELLP zu erkranken ist höher bei Schwangeren, die bereits an Bluthochdruck leiden, Blutgerinnungsstörungen haben, Nierenerkrankungen, an Übergewicht leiden und über 40 Jahre alt sind, wenn Diabetes und Autoimmunerkrankungen vorliegen.

Bei Mehrlingsschwangerschaften, künstlicher Befruchtung, einer vorherigen Schwangerschaft mit HELLP-Syndrom oder familiärer Vorbelastung ist ein erhöhtes Risiko gegeben.

Wie gefährlich ist HELLP für Mutter und Kind?

Folgen und Auswirkungen auf das Kind

Durch die Unterversorgung der Plazenta kann es zu Wachstums- und Entwicklugsstörungen beim Kind kommen, wenn das Syndrom unbehandelt bleibt. Nach der Entbindung weist das Kind ein geringes Geburtsgewicht auf.

Folgen für die Mutter bei der Entbindung

In vielen Fällen ist bei HELLP ein Kaiserschnitt notwendig.

Wichtig zu wissen:

Die Entbindung beendet nicht automatisch das HELLP-Syndrom. In 30 % aller Fälle tritt nach der Geburt erneut akute Symptomatik auf. Die permanente Überwachung und längerer stationärer Aufenthalt ist unbedingt notwendig.

Welche Spätfolgen treten nach der Geburt auf? Bleiben Folgeschäden bei Mutter oder Kind?

Bleibende Schäden durch HELLP sind äußerst selten. Ein Leberriss kann durch irreversible Leberveränderung eintreten. Durch die Akutsituation, den schnellen Verlauf der Erkrankung, die Gefahrensituation und den Kaiserschnitt kann bei Frauen eine besondere psychische Belastung auftreten (PTBS – Posttraumatische Belastungsstörung).

Der psychische Aspekt wird oftmals vernachlässigt, da das Leben von Mutter und Kind im Vordergrund steht. Traumata sind ein ernstzunehmendes Thema und sollten durch ausreichende soziale Unterstützung gelindert oder bei Bedarf psychotherapeutisch behandelt werden.

Kann ich trotz HELLP stillen?

Gegen das Stillen spricht grundsätzlich nichts. Es gibt jedoch aufgrund bestimmter Medikamente und Laborwerte Kontraindikationen, die gegen das Stillen sprechen, weil eine Übertragung der Stoffe auf das Kind stattfinden kann.

Ein Still-Wunsch muss von Fall zu Fall ärztlich abgesprochen werden und ist immer individuell zu entscheiden.

Welche Folgen hat HELLP für eine erneute Schwangerschaft?

Tritt das Syndrom einmal während der Schwangerschaft auf, ist das Risiko einer Wiederholung bei der nächsten Schwangerschaft gegeben, aber gering (unter 3 %). Hier kann gezielt und erfolgreich durch frühe Tests und Medikamente vorgebeugt werden.

Wie sieht eine Therapie beim HELLP Syndrom aus?

Ab der 34. Schwangerschaftswoche oder bei Lebensgefahr für Mutter und Kind wird die umgehende Entbindung eingeleitet, meist mittels Kaiserschnitt. Eine rasche Entfernung der Plazenta aus dem Körper der Mutter ist angezeigt. Diese unmittelbare Entbindung verhindert, dass sich die Plazenta von selbst ablöst und eine Fehlgeburt bewirkt. Der Blutdruck wird medikamentös gesenkt und Mittel zur Behandlung der Krämpfe verabreicht. Eine intensivmedizinische Überwachung und Laborkontrollen in engen Intervallen verhindern Folge-Komplikationen.

Bis dato ist noch keine ursächliche Therapie möglich, beim HELLP-Syndrom wird symptomatisch behandelt. Behandlungen von Eklampsie und Präeklampsie schließen Medikamente wie Acetylsalicylsäure, Heparin, Magnesium und Nifedipin ein. Die Gabe von Glukokortikoiden, Diuretika, Dopamin, Beta-Blockern und Plasma wird nach Maßgabe diskutiert.

Arzt, Geburtshelfer und Anästhesist arbeiten eng zusammen. Eine Bluttransfusion und Dialyse ist jeweils bei einer akut lebensbedrohlichen Situation angezeigt.

Wie kann ich HELLP vorbeugen?

Liegt im frühen Stadium der Schwangerschaft oder davor bereits Bluthochdruck vor, kann durch die Gabe blutdrucksenkender Mittel und anderer Medikamente das Eintreten des Syndroms mitunter verhindert werden.

Die Erkennung und Vorsorge durch medikamentöse Behandlung einer solchen Risikoschwangerschaft kann entscheidend sein, eine Früh- oder Fehlgeburt zu verhindern: Klinische Studien haben gezeigt, dass durch die rechtzeitige Gabe von Heparin und Aspirin vor der 17. Schwangerschaftswoche eine Lebendgeburtrate von 100% erreicht werden kann.

 

Bild:

© RioPatuca Images / Fotolia

Quellen:

(1) Bohlmann et al. (2011). Thromboembolische Erkrankungen in Schwangerschaft und Wochenbett. Prävention und Therapie. Gynäkologe 2011;44:533-537.
https://link.springer.com/article/10.1007/s00129-010-2737-8

(2) Kiesewetter et al. (2015). Kiesewetter et al. Treatment of high risk pregnancies. Phlebologie 2015; 44:7-12.
https://docplayer.net/63713339-Treatment-of-high-risk-pregnancies.html

(3) Kiesewetter et al. (2017). Tromboembolische Erkrankungen und Schwangerschaft. VasoMed;2017;28:17-18.
https://www.der-niedergelassene-arzt.de/fileadmin/user_upload/zeitschriften/vasomed/Artikel_PDF/2017/01-2017/Kiesewetter.pdf

(4) Schott et al. (2011). Postpartale Eklampsie und fulminantes HELLP-Syndrom. Anaesthesist. 2011 Apr;60(4):343-51.
https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00101-010-1837-0

(5) Tallarek et al. (2012). Präeklampsie und HELLP-Syndrom als geburtshilfliche Notfälle. Med Klin Intensivmed Notfmed 2012;107:96-100.
https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00063-011-0038-1


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Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

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