Schwangerschaft

Darf man sich in der Schwangerschaft die Haare färben?


Zuletzt aktualisiert am

In meiner Schwangerschaft wurde ich zum ersten Mal mit etwas sehr unangenehmen konfrontiert: Graue Haare. Denn die Hormonveränderungen während der Schwangerschaft können sich auch auf das Haarwachstum und die Haarpigmentierung auswirken. Damit kam automatisch auch die Frage auf, ob Haare färben in der Schwangerschaft meinem Baby schaden kann, oder ob ich die grauen Haare einfach überfärben darf.

Nachdem ich mich genauer darüber informiert hatte, entschied ich mich dagegen. Ich wartete stattdessen, bis mein Sohn bereits 18 Monate alt war und weniger stillte. Denn nicht nur in der Schwangerschaft, auch in der Stillzeit ist das Haare färben umstritten.

Zwar ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es völlig unproblematisch ist, jedoch gibt es bisher keine eindeutige, durch Studien unterstützte Antwort auf die Frage, ob sich Schwangere die Haare färben dürfen oder ob es gesundheitliche Gefahren dabei gibt.

Darf man sich die Haare färben, wenn man schwanger ist?

Hinweise auf gesundheitliche Risiken durch Haarfärbemittel, die während der Schwangerschaft und Stillzeit verwendet werden, liegen derzeit nicht vor.

Diese recht zweideutige Antwort gibt das Bundesinstitut für Risikobewertung zu der Frage. Das heißt, dass zwar aktuell keine Belege existieren, Risiken aber auch nicht generell ausgeschlossen werden können.

Die absolut sichere Variante für Dein Baby wäre darum, auf das Haare färben in der Schwangerschaft vollkommen zu verzichten. Denn es gibt durchaus Hinweise dafür, dass Haare färben unabhängig von einer Schwangerschaft gesundheitliche Risiken mit sich bringt.

Chemikalien gelangen in Blutkreislauf des Babys

In jedem industriell hergestellten Haarfärbemittel befinden sich Chemikalien in mehr oder minder aggressiver Form. Wasserstoffperoxid oder Ammoniak sind nur zwei der gängigen Grundbestandteile von Haarfarben beim Friseur oder aus der Drogerie. Aromatische Amine, die den starken Chemikaliengeruch übertönen sollen, können allergische Reaktionen hervorrufen. Einige dieser Stoffe stehen sogar im Verdacht, krebserregend oder erbgutverändernd zu sein. Sie sind in Europa in den meisten Fällen mittlerweile verboten, können in kleinen Mengen allerdings noch enthalten sein.

Während die Haare selbst keine Giftstoffe in den Körper transportieren können, kommt die Haarfarbe spätestens beim Auswaschen in Kontakt mit der (Kopf)Haut der Schwangeren. Je nach Einwirkzeit können schädliche Stoffe so in den Blutkreislauf der Mutter übergehen – und damit auch zum Baby gelangen.

Forscher an der Universität Heidelberg konnten Chemikalien aus Haarfärbemitteln in der Muttermilch und im Fettgewebe von Säuglingen nachweisen, wenn auch in sehr kleinen Mengen.

Schaden die Chemikalien dem Baby?

Für vorgeburtliche Schädigungen durch diese Chemikalien gab es in der Heidelberger Studie keine Hinweise. Vermutlich sind also die Mengen an Chemikalien, die eine Schwangere beim Haare färben aufnimmt, für das Baby unbedenklich. Es gibt keine Untersuchung, die einen direkten negativen Effekt auf ein ungeborenes Baby nachweisen kann.

Genauere Studien an Schwangeren gibt es nicht, denn glücklicherweise sind Studien an Schwangeren, die dem Baby schaden könnten, verboten. Das heißt, man muss in diesem Fall auf Tierversuche oder auf Untersuchungen von Schwangeren zurückgreifen, die ohnehin ihre Haare färben. Das wurde in verschiedenen Untersuchungen in der Vergangenheit auch getan, allerdings sind solche Ergebnisse weniger aussagekräftig als gezielt angelegte Studien.

Ebenfalls für das Haare Färben in der Schwangerschaft spricht, dass schwangere Friseurinnen auch weiterhin Haare färben und Dauerwellen legen dürfen.

Sind Haarfarben krebserregend?

Um abschätzen zu können, ob Wirkstoffe in Deinem Blut eventuell Deinem Baby schaden, solltest Du auch die Forschungslage bezüglich der Frage kennen, ob Haarfarben Dir schaden können.

Denn 2001 wurde eine Studie veröffentlicht, die nahelegt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen häufigem Haare färben und Blasen- bzw. Brustkrebs gibt. Die EU reagierte auf diese Erkenntnisse zwei Jahre später mit Auflagen für Hersteller und einem Verbot von bestimmten Inhaltsstoffen (mittlerweile mehr als 200) in Haarfärbemitteln.

In den USA weisen auch akutelle Forschungsergebnisse weiterhin darauf hin, dass häufiger Kontakt zu Haarfärbemitteln zu einem erhöhten Brustkrebs-Risiko führt. Auch Untersuchungen aus Schweden und der Türkei kommen zu dem Ergebnis, dass Friseure und Frauen, die sich häufig die Haare färben, eine erhöhte Konzentration des als krebserregend eingestuften Stoffes o-Toluidin im Blut haben.

Bei einer Haarfarben-Test der ÖKO-Test fielen 2012 alle 23 getesteten Haarfarben durch, weil sie starke Kontaktallergene enthalten. Du solltest nicht vergessen, dass in der Schwangerschaft das Immunsystem ohnehin verrückt spielen kann und dadurch eine Allergie umso schneller ausgelöst werden kann. Diese hält dann womöglich ein Leben lang an. Hinzu kommt, dass Du als Schwangere nicht alle anti-allergenen Mittel bedenkenlos einnehmen kannst.

Insgesamt gibt es also widersprüchliche Erkenntnisse, in jedem Fall aber Hinweise darauf, dass Haare färben an sich nicht gesund ist. Gewisse Stoffe gehen anscheinend über die Kopfhaut auf den Organismus der Mutter und dann zum Baby über.

Vorsichtsmaßnahmen beim Haare färben während der Schwangerschaft

Wenn Du aber trotzdem auf das Färben Deiner Haare während der Schwangerschaft nicht verzichten willst oder kannst, kann ich Dir aktuell keinen wissenschaftlich stichfesten Beweis liefern, dass das Deinem Baby schadet. Womöglich ist es also völlig ungefährlich.

Sicherheitshalber würde ich Dir aber raten, folgende Punkte beim Färben der Haare zu beachten:

  • nur ammoniakfreie Haarfarben benutzen
  • nicht zu nah am Ansatz färben oder nur Strähnchen, die nicht die Kopfhaut erreichen
  • Handschuhe anziehen beim selbst färben
  • Raum während des Färbens gut durchlüften oder draußen färben
  • nicht während der ersten 16 SSW färben (Organdifferenzierung, d.h. die Organe werden angelegt und das Baby ist in dieser Zeit anfälliger für Fehlbildungen)
  • auf Dauerwelle verzichten: Flüssigkeit zur Stabilisierung wird direkt auf die Kopfhaut aufgetragen

Alternativen zum Haare färben, wenn man schwanger ist

Noch sicherer wäre es, wenn Du während der Schwangerschaft und Stillzeit auf Alternativen zurückgreifst. Dazu zählen:

  • reine Henna-Produkte
  • Naturhaarsträhnen einarbeiten lassen
  • Farbshampoos mit natürlichen Inhaltsstoffen (Kamille, Walnuss, Rote-Beete)
  • Spülungen mit selbstgemachtem Farb-Sud (Kamille, Walnuss)
  • Farbschaum
Achtung bei Naturhaarfarben! Untersuchungen der ÖKO-Test haben 2016 ergeben, dass ein erheblicher Anteil von Haarfarben, die als “natürlich” beworben werden, Chemikalien enthalten.

 

Quellen

Auf Pinterest merken: 

Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Affiliate Links (Werbelinks). Wenn du auf so einen Verweislink klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich von deinem Einkauf eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht und es entstehen für dich keine Nachteile.




Vorheriger BeitragNächster Beitrag
Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.