Geburt, Schwangerschaft

Vorzeitige Plazentaablösung: Symptome + Ursache + Behandlung

Plazentaablösung

Weil ich in meiner zweiten Schwangerschaft seit der 18. SSW immer wieder leichte bis mittelstarke vaginale Blutungen hatte, geisterte ein Schreckgespenst ständig herum: Die vorzeitige Plazentaablösung. Im schlimmsten Fall kann diese Schwangerschaftskomplikation lebensbedrohlich für mein Baby und mich sein. Ich habe mich darum sehr genau damit befasst, wie eine normale Plazentalösung nach der Geburt abläuft, welche Komplikationen es dabei geben kann und wie wahrscheinlich und gefährlich eigentlich eine vorzeitige Ablösung der Plazenta ist.

Was ist eine Plazentaablösung?

Als Plazentaablösung bezeichnet man den Vorgang, bei dem die Blutgefäße zwischen Plazenta (Mutterkuchen) und der Gebärmutterwand reißen und so die Verbindung zwischen Mutter und Kind gelöst wird. Im Normalfall findet die Plazentaablösung in den ersten 30 Minuten nach der Geburt statt.

In seltenen Fällen löst sich die Plazenta allerdings nicht von selbst oder nicht vollständig und es bedarf medizinischer Hilfe.

Ebenfalls ein medizinischer Notfall ist eine vorzeitige Plazentaablösung. Dadurch kann die Versorgung des Babys gefährdet und ein Notkaiserschnitt nötig werden.

Plazentaablösung in der Nachgeburtsphase – Der normale Vorgang

Bis Dein Baby geboren ist, ist die Plazenta und ihre richtige Funktion überlebenswichtig. Denn sie übernimmt die Aufgabe aller kindlichen Organe, während sich dieses im Mutterleib entwickelt. Es versorgt mit Sauerstoff, Nährstoffen, Abwehrstoffen und filtert Giftstoffe.

Plazentaablösung ohne Komplikationen

Nach der Geburt übernimmt das Baby diese Aufgaben selbst – und die Plazenta wird nicht mehr benötigt. Innerhalb der ersten 30 Minuten nach der Geburt kommt die Nachgeburt – es kommt erneut zu Wehen, die Plazenta reißt von der Gebärmutterwand ab und wird zusammen mit den Eihäuten, der Nabelschnur und etwa 250-500 ml Blut ausgeschieden.

Die natürliche Plazentalösung selbst ist dabei völlig schmerzlos, nur die Nachwehen können etwas schmerzen. Im Gegensatz zu den Geburtswehen werden sie aber von vielen Frauen gar nicht richtig wahrgenommen.

Auch das Ausscheiden der Plazenta tut kaum weh, denn das Gewebe ist weich und passt sich dem Geburtskanal an, der eben durch ein viel größeres Baby gedehnt wurde. Danach zieht sich die Gebärmutter durch Nachwehen stark zusammen, sodass die offene Stelle, die die Plazenta hinterlässt, sich verkleinert und die Blutung nachlässt.

Meist nach einigen Minuten wird dann die Nabelschnur durchtrennt, die Plazenta auf Vollständigkeit untersucht und entsorgt.

Unvollständige Plazentaablösung

Der Mutterkuchen wird von der Hebamme stets sorgfältig untersucht. Sollten Teile fehlen, sind diese wahrscheinlich noch in der Gebärmutter verblieben. Das kann das zu schwerwiegenden Komplikationen wie starken Blutungen, Entzündungen und Kindsbettfieber führen. Deshalb ist in einem solchen Fall dringend medizinische Hilfe erforderlich. Meist wird noch im Kreißsaal eine Ausschabung vorgenommen.

Stimulation der Plazentaablösung

Manchmal kommt es auch vor, dass sich die Plazenta während der ersten 30 Minuten nicht von selbst lösen, kann das zu starken Blutungen führen. Deshalb tastet die Hebamme zunächst immer wieder Deinen Bauch ab und zieht vielleicht vorsichtig an der Nabelschnur. So kann sie feststellen, ob sich die Plazenta schon gelöst hat.

Wenn nicht, werden die Mediziner versuchen, die Plazentaablösung zu stimulieren. Dafür kommen verschiedene Methoden in Frage.

Was tun, wenn die Plazenta nicht kommt und fest steckt?

7 Maßnahmen und Mittel, um die Plazenta zu lösen:

  1. Anlegen des Babys an die Brust: Bei jedem Stillvorgang wird das Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet, das Nachwehen anregt. Durch diese Kontraktionen der Gebärmutter kann sich die Plazenta lösen.
  2. Massagen und andere Handgriffe durch die Hebamme: Durch sanften Druck im oberen Bereich der Gebärmutter können ebenfalls Nachwehen angeregt werden.
  3. Entleerung der Blase: Mittels eines Katheters wird die Blase entleert, die unter Umständen dafür verantwortlich ist, dass die Plazenta nicht kommt.
  4. Akkupunktur: Manchmal hilft auch die Behandlung mit Akkupunkturnadeln.
  5. Homöopathie: Auch Globuli können manchmal die Plazentaablösung anregen.
  6. Medikamentöse Unterstützung: Wenn das nicht ausreicht, werden wehenanregende Hormone per Infusion angehängt.
  7. Manuelle Plazentaablösung: Wenn die Plazenta trotzdem in der Gebärmutter verbleibt, wird unter Vollnarkose oder Peridualanästhsie eine manuelle Ablösung der Plazenta versucht. Dabei tastet ein/e Arzt/Ärztin mit der Hand in die Gebärmutterhöhle und versucht, die Plazenta heraus zu holen. Wenn sie zu fest verwachsen ist, muss eine Ausschabung vorgenommen werden.

Vorzeitige Plazentaablösung

Von einer vorzeitigen Plazentaablösung (Abruptio placentae) spricht man, wenn die Plazenta sich von der Gebärmutterwand teilweise oder vollständig löst, bevor das Baby geboren ist. Zwischen Plazenta und Gebärmutter bildet sich ein retroplazentares Hämatom. Das ist sehr selten (weniger als 1% der Schwangeren sind betroffen), kann aber in jeder Phase der Schwangerschaft passieren und lebensbedrohlich für Mutter und Kind sein.

Wenn die Plazenta nicht mehr ausreichend mit dem mütterlichen Blutkreislauf verbunden ist, kann sie das Ungeborene im Bauch nicht mehr richtig versorgen. Je nach Grad der Ablösung kann das zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen oder sogar zu einer Totgeburt (Intrauteriner Fruchttod) führen.

Die vorzeitige Plazentaablösung gehört damit zu den schwerwiegenden Schwangerschaftskomplikationen, bei der schnelles Handeln gefragt ist. Je nach Blutungsstärke kann die Mutter innerlich verbluten. Das Baby kann, wenn die Plazentaablösung rechtzeitig bemerkt wird, durch einen Notkaiserschnitt auf die Welt geholt werden. Verständlicherweise haben daher viele Mütter Angst, dass eine Plazentaablösung unbemerkt stattfinden könnte. Vor allem, wenn eine Schwangerschaft von Blutungen begleitet wird, löst das viele Sorgen aus.

Auch, wenn eine vorzeitige Plazentaablösung sehr selten ist, es gibt keine Vorsorgemaßnahmen oder Sicherheit durch Untersuchungen oder sonstige Maßnahmen. Die Häufigkeit der totalen Plazentaablösung, bei der sofortiges Handeln erforderlich wird, liegt wohl bei 0,002%.

Am häufigsten passiert so eine Plazentaablösung statistisch gesehen zwischen der 24. SSW und 26. SSW.

Symptome einer vorzeitigen Plazentaablösung

Nicht immer wird eine vorzeitige Plazentaablösung von Symptomen begleitet. Allerdings gibt es einige Hinweise, die Du ernst nehmen solltest.

Anzeichen für eine vorzeitige Plazentaablösung:

  • vaginale Blutungen, meist hellrot und periodenstark
  • starke Schmerzen im Unterleib
  • ein bretterharter, druckempfindlicher Uterus (Holzuterus)
  • Schockzustand (Blutdruckabfall, Schwindel, erhöhter Puls) weist auf starke innere Blutung hin

Wichtig zu wissen ist auch, dass nach einem auslösenden Ereignis die Plazentaablösung nicht sofort stattfindet, sondern mit einigen Stunden Zeitverzögerung. Das heißt, dass Du zum Beispiel nach einem Sturz noch Zeit hast, ins Krankenhaus zu gehen, solltest Du Dir Sorgen machen.

Sei Dir außerdem im Klaren, dass Blut aus der Gebärmutter nicht immer und nicht sofort nach außen dringt. Auch eine leichte vaginale Blutung solltest Du deshalb immer abklären lassen, denn innerlich ist sie vielleicht viel stärker, als Du denkst. Die Ärzte können das per Ultraschall sehr schnell feststellen. In vielen Fällen sind Blutungen aber harmlos. Nur etwa 30% der Blutungen in der Schwangerschaft stehen in Zusammenhang mit einer Plazentaablösung.

Ursachen der vorzeitigen Plazentaablösung

  • plötzliche und starke Veränderungen des Innendrucks der Gebärmutter, z.B. durch Gewalteinwirkung, Verkehrsunfall, Stürze oder starke Stöße
  • Auch ein vorzeitiger Blasensprung bewirkt eine plötzliche Druckveränderung
  • sehr starke Blutdruckschwankungen
  • Uterusanomalie
  • Plazentainsuffizienz
  • Schwangerschaftsdiabetes
  • Praeklampsie
  • späte Schwangerschaft
  • Myome und andere Wucherungen in der Gebärmutter
  • Rauchen in der Schwangerschaft
  • Drogenmissbrauch

Risikofaktoren der vorzeitigen Plazentaablösung

Das Risiko einer vorzeitigen Plazentaablösung in einer Folgeschwangerschaft ist um 15% erhöht, wenn es auch in einer vorherigen Schwangerschaft zu dieser Komplikation gekommen ist.

Kommt eine vorzeitige Ablösung der Plazenta bei einer Vorderwandplazenta häufiger vor?

Das Risiko einer Plazentaablösung bei einer Vorderwandplazenta ist übrigens entgegen viel verbreiteter Gerüchte nicht nennenswert erhöht. Grundsätzlich ist die Plazenta durch viele starke Blutgefäße mit dem mütterlichen Uterus verwachsen. Solange Du keine starke Gewalteinwirkung auf die Vorderwandplazenta ausübst, passiert deshalb auch nichts. Allerdings raten viele Ärzte von einer Äußeren Wendung im Fall einer Vorderwandplazenta ab.

Behandlung bei vorzeitiger Plazentaablösung

Hat sich die Plazenta nur geringfügig gelöst, werden die Ärzte zunächst abwarten. In der Regel wird ein Mittel zur Lungenreife des Babys verabreicht. Solange die Versorgung des Babys nicht beeinträchtigt wird, reicht aber eine engmaschige Kontrolle aus.

Oft handelt es sich auch nicht um eine richtige Plazentaablösung, sondern nur um eine sogenannte Randsinusblutung. Diese ebbt bei Schonung bzw. Bettruhe häufig von selbst ab und verheilt dann wieder. Trotzdem ist Vorsicht geboten und wahrscheinlich sollst Du im Krankenhaus einige Tage überwacht werden.

Bei einer vollständigen Plazentaablösung bzw. einer starken Beieinträchtigung der kindlichen Versorgung gilt es, das Baby schnellstmöglich zur Welt zu bringen, sodass es entsprechend versorgt werden kann. Etwa ab der 24. SSW hat ein Frühgeborenes mit intensivmedizinischer Betreuung heute gute Überlebenschancen. Vorher macht es in den meisten Fällen wenig Sinn, etwas zu unternehmen, um das Kind am Leben zu halten.

Auch bei einer starken innerlichen Blutung wird das Baby per Notkaiserschnitt geholt. Denn nur wenn die Mutter vom Baby entbunden ist, können die Ärzte lebensrettende Maßnahmen einleiten, um die Blutung zu stoppen.


Bild:

©Nutlegal - bigstockphoto.com
Quellen:

https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/gyn%C3%A4kologie-und-geburtshilfe/schwangerschaftsanomalien/vorzeitige-plazental%C3%B6sung

https://deximed.de/home/b/schwangerschaft-geburtshilfe/patienteninformationen/komplikationen-in-der-schwangerschaft/vorzeitige-plazentalosung/

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Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

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