Geburt, Schwangerschaft

Was passiert mit der Plazenta nach der Geburt? – 9 Möglichkeiten

Plazenta Nach Der Geburt unter Baum vergraben

Die Plazenta versorgt Dein ungeborenes Baby mit allem, was es zum Leben und Gedeihen im Mutterleib braucht. Dein Kind ist also unmittelbar vom richtigen Wachsen und Funktionieren dieses Organs abhängig. Wenige Minuten nach der Geburt des Babys kommt dann auch die Plazenta als sogenannte Nachgeburt zum Vorschein. Sie wird vom weiblichen Körper abgestoßen und fortan nicht mehr benötigt. Doch was passiert eigentlich mit der Plazenta nach der Geburt? Welche Möglichkeiten hast Du, mit diesem einst so wichtigen Stück Gewebe umzugehen?

Was wird mit der Plazenta nach der Geburt gemacht?

Die Nachgeburtsphase

Normalerweise wird die Plazenta innerhalb von 10-20 Minuten nach Deinem Kind geboren. In Deinem Körper werden noch einmal Hormone (Prostaglandine und Oxytocin) ausgeschüttet, die erneute Kontraktionen verursachen. Diese sind allerdings viel schwächer als die Geburtswehen, manche Frauen nehmen sie gar nicht richtig wahr. Die Hebamme wird dann durch Abtasten des Bauches feststellen, ob sich die Plazenta schon von der Gebärmutterwand gelöst hat.

Durch leichtes Pressen kommt die Plazenta dann samt Eihäuten und Nabeschnurrest zum Vorschein. Die Geburt der Plazenta ist meist schmerzfrei, denn das Gewebe ist weich und viel kleiner als das Baby, das eben den Geburtskanal passiert und gedehnt hat. Sie wiegt etwa 500 Gramm und ist 15-20 cm groß im Durchmesser.

Hat sich die Plazenta nach der Geburt nicht gelöst, zum Beispiel durch eine Placenta Accreta, oder sind Reste zurückgeblieben, wird im Krankenhaus eine Ausschabung vorgenommen. Ansonsten drohen starke Blutungen, Kindsbettfieber, eine Entzündung oder Rückbildungsstörungen.

Plazenta wird entsorgt

In den meisten Fällen wird die Plazenta, nachdem die Hebamme sie auf Vollständigkeit untersucht hat, zusammen mit den Eihäuten und der Nabelschnur entsorgt. Dazu wird sie als Sondermüll zusammen mit anderem organischen Krankenhausmüll gesammelt und verbrannt.

Plazenta vergraben

Wenn Du möchtest, darfst Du Deine eigene Plazenta aber mit nach Hause nehmen. In Deutschland hast Du darauf ein Recht, weil es Gewebe aus Deinem Körper bzw. von Deinem Baby ist.

In Österreich zum Beispiel ist das nicht so einfach möglich, dort muss die Plazenta im Krankenhaus bleiben – es sei denn, Du hattest eine Hausgeburt.

Ein in den verschiedensten Kulturen ist es verbreiteter Brauch, die Plazenta dann zu Hause zu vergraben. Manche tun dies an der Türschwelle oder einer anderen wichtigen Stelle auf dem Grundstück. Häufig wählen Eltern auch einen besonderen Baum aus, unter dem sie die Plazenta vergraben – oder sie pflanzen dann einen neuen Baum, einen Lebensbaum für ihr Kind.

Wer häufig umzieht, sollte dann vielleicht ein Bäumchen wählen, das nicht besonders groß ist und auch im Topf überleben kann. So kann der Lebensbaum immer mit umziehen.

Lotusgeburt: Die Plazenta bleibt am Kind

Immer wieder gibt es auch Eltern, die die Plazenta am Kind belassen wollen, bis die Nabelschnur – und mit ihr die Plazenta – sich von selbst löst. Das nennt man eine Lotusgeburt, angeblich benannt nach einer Amerikanerin, die dieses Vorgehen als eine der ersten publik machte. Anhänger der Lotusgeburt glauben, dass das Baby auf verschiedenen körperlichen und psychischen Ebenen davon profitiert, nicht künstlich abgenabelt zu werden.

Um Infektionen und unangenehmen Gerüchen vorzubeugen, muss die Plazenta dann entsprechend mit Salz und Kräutern oder ätherischen Ölen behandelt werden. Meist wird sie in einem speziellen Gefäß oder einer Plazentatasche aufbewahrt.

Plazenta trocknen

Wenn die Plazenta dann nach einer Lotusgeburt von selbst abgefallen ist, trocknen manche Eltern sie weiter, um sie als Andenken aufzubewahren. Natürlich kannst Du auch ohne Lotusgeburt die Plazenta entsprechend behandeln und trocknen.

Plazenta-Globuli

Eine sicherere Variante ist die Herstellung von Plazenta-Globuli in verschiedenen Potenzen. Durch die verwendeten Lösungen und Prozesse werden Keime und Erreger abgetötet. Außerdem kannst Du eine Urlösung herstellen lassen, durch die Du viele Male nachbestellen kannst. Angeblich profitieren von Plazenta-Globuli auch das Babys, Geschwisterkinder und der Vater des Babys.

Plazenta-Pillen

Aus einer getrockneten Plazenta lassen sich theoretisch auch Plazenta-Pillen herstellen. Das kannst Du entweder in Eigenregie tun – es gibt entsprechende, meist englischsprachige Anleitungen im Internet – oder jemanden beauftragen. Plazenta-Pillen sind allerdings bei Medizinern sehr in Verruf, denn durch das Trocknen werden Krankheitserreger nicht unbedingt abgetötet. Vor einiger Zeit gab es in den USA einen Fall, bei dem sich eine Mutter durch die Plazenta mit B-Streptokokken infiziert und dann ihr Neugeborenes angesteckt hat.

Plazenta essen

Eine weitere Möglichkeit, Teile der Plazenta wieder aufzunehmen hat ein Vorbild in der Tierwelt: Fast alle Säugetiere fressen die Nachgeburt innerhalb kürzester Zeit auf, wahrscheinlich um durch den Geruch von verwesendem Fleisch keine Fressfeinde anzulocken und um Energie zu erhalten. Ob das auch für den Menschen gesund ist, bezweifeln vor allem Schulmediziner.

Die angeblichen Vorteile davon, sich die Plazenta in verschiedenen Formen, also als Pille, Globuli, Smoothie oder in verschiedensten Rezeptkreationen wieder zuzuführen, konnten bisher nicht wissenschaftlich bewiesen werden.

Unter anderem erhoffen sich Frauen, die die Plazenta essen, eine schnellere Rückbildung, einen schnelleren Milcheinschuss, eine Stärkung des Immunsystems, ein Auffüllen der Eisenspeicher und vieles mehr.

Plazenta-Kosmetik

Auch im Sinne der weiblichen Schönheit wird die Plazenta gegessen oder als Kosmetik verarbeitet. Plazenta-Kosmetik wurde bis Ende des letzten Jahrhunderts verkauft, ist heute allerdings nicht mehr üblich. Eine positive Wirkung wurde auch hier nie bewiesen.

Plazenta-Kunst

Die Blutgefäße auf der Oberfläche der Plazenta sehen ein wenig aus, wie die Äste eines Baumes – jede einzigartig und auf ihre Weise wunderschön. Deshalb bietet es sich an, von diesem natürlichen Gebilde einen Abdruck zu machen, bevor es entsorgt oder verwertet wird. Dazu kann man entweder mit dem noch frischen Blut einen Abdruck auf ein Papier machen, oder die Plazenta vorher abwaschen und dann mit Fingerfarbe oder ähnlichem bestreichen.

Was hast Du mit Deiner Plazenta vor? Schreib mir unbedingt in die Kommentare, was Du von den Ideen hältst und welche für Dich in Frage kommen würden!


Bild:

©Tinnakorn - bigstockphoto.com

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Plazenta Nach Geburt 

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Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

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