Geburt, Schwangerschaft

Plazenta essen: Diese 7 Vorteile erhoffen sich Mütter davon

Plazenta Essen

Rund um die Plazenta gibt es viele, teils merkwürdige Bräuche und Vorschläge, was man nach der Geburt damit tun kann. In Deutschland steht es jedem frei, die Plazenta auch aus dem Krankenhaus mitzunehmen und nach eigenem Gutdünken damit zu verfahren – in anderen Ländern ist das nicht unbedingt so einfach. Der Gedanke, dass manche Mütter oder Eltern die Plazenta essen und wie sie diese zubereiten, lässt andere erschaudern. Immerhin handelt es sich dabei um menschliches Gewebe.

Funktion der Plazenta

Was genau macht die Plazenta in der Schwangerschaft?

Die Plazenta ist das einzige Organ, das der Mensch selbst immer wieder nachbilden kann. Sie entsteht im Laufe der ersten Schwangerschaftswochen und wächst dann zusammen mit dem Baby. Kurz nach der eigentlichen Geburt stößt der Körper die Plazenta ab und sie kommt als Nachgeburt zum Vorschein.

Plazenta nach der Geburt
So sieht die Plazenta nach der Geburt aus.

Über die Nabelschnur ist das Baby im Bauch bzw. unmittelbar nach der Geburt mit der Plazenta verbunden. Im Mutterleib versorgt die Plazenta, die über Blutgefäße auch mit dem mütterlichen Organismus verbunden ist, das Ungeborene mit allem Überlebenswichtigen: Sauerstoff, Nährstoffe, Antikörper. Gleichzeitig hält sie schädliche Stoffe wie Krankheitserreger, Toxine, Schwermetalle oder zu viele Stresshormone vom Baby fern. Manche dieser Stoffe speichert sie stattdessen und sie werden dann nach der Geburt abgestoßen.

Die Plazenta ist rund 15 bis 20 Zentimeter im Durchmesser, und wiegt ungefähr 500 Gramm. Sie besteht aus einer Mischung aus mütterlichen und kindlichen Zellen, weshalb manche Kritiker auch so weit gehen, das Plazenta essen als Kannibalismus zu bezeichnen.

Warum essen Menschen die Plazenta?

Es gibt berühmte Vorbilder. Tom Cruise hatte es vor, so hieß es. Er wolle die Plazenta seiner damaligen Frau Katie Holmes nach der Geburt des gemeinsamen Kindes essen. Kim Kardashian hat aus ihrer eigenen Plazenta Pillen herstellen lassen, um diese zu schlucken und diese Tatsache auch medienwirksam vermarktet. Doch warum machen Menschen das eigentlich, die Plazenta essen?

Der medizinische Fachbegriff für das Verspeisen der Plazenta lautet Plazentophagie. In der Tierwelt scheint es ganz natürlich, dass die Mutter den Mutterkuchen – ein vielleicht appetitlicheres Wort – nach der Geburt auffrisst. Warum Tiere das tun, Menschen aber nicht, ist nicht klar. Allerdings liegen zwei Vermutungen nahe:

  1. Tiere haben aus dem Auffressen ihrer Plazenta einen Vorteil, den wir nicht haben. Zum Beispiel zusätzliche Nahrung (Menschen in der westlichen Welt leiden nicht an Nahrungsknappheit). Oder sie vermeiden, durch den Fleischgeruch der Plazenta Fressfeinde anzulocken.
  2. Menschen hätten ebenfalls einen Vorteil aus dem Essen des Mutterkuchens, tun dies aber aus kulturellen Gründen nicht mehr.

Wenn Menschen daran glauben, dass das Essen der Plazenta auch für uns Menschen einen gesundheitlichen Vorteil bietet, macht es absolut Sinn, das auch zu tun.

Angebliche Vorteile der Plazentamahlzeit

Viele Anhänger dieses Trends glauben, es hätte folgende Vorteile, den Mutterkuchen zu essen:

  1. Plazenta sei ein Superfood und voller Nährstoffe wie Eisen oder B-Vitaminen
  2. Beschleunigung der Rückbildung
  3. Anregung der Milchbildung (laut einer zweifelhaften Studie von 1954)
  4. würde postpartalen Depressionen entgegenwirken
  5. könne das Immunsystem stärken
  6. diene der Schmerzlinderung
  7. Normalisierung des Hormonhaushalts

So konnte man bis in die 1980er Jahre auch Cremes und Kosmetikprodukte kaufen, die Stoffe aus der Plazenta enthielten. Heute gibt es diese Produkte nicht mehr auf dem Markt.

Auch wenn es schon in der chinesischen Medizin üblich war, kleine Teile der Plazenta zu nutzen, ist das Essen der Nachgeburt bisher recht wenig wissenschaftlich untersucht. Es gibt einige Untersuchungen, die positive Effekte in der Tierwelt belegen.

Eine sehr klein angelegte Studie an der Universität von Nevada weist darauf hin, dass die Stoffe aus der Plazenta zwar vom weiblichen Organismus des Menschen aufgenommen werden, aber zu keinen nachweisbaren Effekten führen.

Mögliche medizinische Nachteile

Einige Mediziner dagegen warnen ausdrücklich, dass das Essen der Plazenta gefährlich für Mutter und sogar für das Baby sein könnte.

  • Die vermutete Nährstoffdichte mit Eisen, Selen und Zink ist nicht unbedingt richtig.
  • Dafür finden sich in der Plazenta häufig viele Schwermetalle und andere toxische Stoffe, die sich dort im Verlauf der Schwangerschaft ansammeln. Es macht biologisch Sinn, diese in der Plazenta zu speichern, ohne sie zum Kind vorzulassen – denn dieses Gewebe wird nach der Schwangerschaft abgestoßen und der Körper kann die schädlichen Stoffe los werden. Diese Schadstoffe würden durch das Stillen dann wiederum an den Säugling abgegeben – und können seine Entwicklung nachhaltig schädigen.
  • Vor allem durch rohe Plazenta, Plazenta-Pillen oder Plazenta-Pulver besteht ein Infektionsrisiko, zum Beispiel mit B-Streptokokken, die dann auch das Baby anstecken können.

Wie isst man den Mutterkuchen?

Manche Empfehlungen lauten, unmittelbar nach der Geburt ein Stück aus der Plazenta zu essen. Berichten zufolge schmeckt sie nach Eisen, ähnlich einem blutigen Steak. Für Mütter schmeckt die eigene Plazenta im rohen Zustand angeblich sehr gut.

Daneben gibt es einige Plazenta Rezepte, die man im Internet rasch findet, zum Beispiel

  • Smoothies oder Caspaccio für den rohen Verzehr
  • Plazenta-Lasagne oder Bolognese für die Verwendung wie Hackfleisch
  • Plazenta Gulasch

Als Alternative zu den Plazenta Rezepten kann man auch Plazenta-Globuli, Tropfen, Pulver oder Pillen herstellen lassen. Manche Frauen trocken die Plazenta sogar selbst und verarbeiten sie dann entsprechend weiter.

Am Ende hat Tom Cruise, als es so weit war, die Plazenta übrigens nicht gegessen.


Bild:

©vasiliybudarin - bigstockphoto.com
©Sopotniccy - bigstockphoto.com

Auf Pinterest merken: 

Plazenta Essen 

Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Affiliate Links (Werbelinks). Wenn du auf so einen Verweislink klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich von deinem Einkauf eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht und es entstehen für dich keine Nachteile.




Vorheriger BeitragNächster Beitrag
Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.