Geburt

Nachgeburt: Was passiert in der dritten Geburtsphase?

Nachgeburt

Als Nachgeburt wird bei Tieren, wie auch beim Menschen all jenes Gewebe bezeichnet, was nach der eigentlichen Geburt des Kindes noch geboren wird: Plazenta, Nabelschnur und Eihäute. Auch der Vorgang der Abstoßung des Gewebes selbst wird Nachgeburt genannt.

Was ist die Nachgeburt?

Als Nachgeburt bezeichnet man den Vorgang und das Gewebe, das nach der Geburt noch vom weiblichen Körper abgestoßen wird.

Zur Nachgeburt gehört:

  • die Plazenta (Mutterkuchen), die das Baby während der Zeit im Mutterleib versorgt hat,
  • die Nabelschnur, die Baby und Plazenta verbindet,
  • und die Eihäute, also die Reste der Fruchtblase und äußeren Schichten, in der das Baby samt Fruchtwasser sich befunden haben.
Plazenta nach der Geburt
Die Plazenta als ausgeschiedene Nachgeburt

Wie fühlt sich die Nachgeburt an?

Während die Geburt an sich von den meisten Frauen als schmerzhaft und anstrengend empfunden wird, geht die Nachgeburt wie von selbst. Meist innerhalb der ersten 30 Minuten nach der Geburt des Babys verspürst Du noch einmal sehr leichte Wehen und die Hebamme wird Dich wahrscheinlich anweisen, noch einmal leicht zu pressen.

Weil das Gewebe, das bei der Nachgeburt abgestoßen wird, klein, weich und nachgiebig ist im Vergleich zu einem Baby, ist die Nachgeburt nicht schmerzhaft.

Die Plazenta wiegt nur etwa 500 Gramm und ist etwa so groß wie ein Teller (Durchmesser 15-20 cm). Sie besteht zur Hälfte aus kindlichen und zur anderen Hälfte aus mütterlichen Zellen.

Viele Frauen spüren die Nachgeburt deshalb überhaupt nicht, sondern hören nur ein leichtes Plätschern oder Platschen. Denn es kommt dabei gleichzeitig zu einer Nachgeburtsblutung, bei der Frauen durchschnittlich 250-500 ml Blut verlieren.

Normalerweise löst sich die Plazenta zuerst in der Mitte und dann vollständig. Seltener fängt sie am unteren Rand an, sich zu lösen. Diese Art der Ablösung verursacht eine stärkere Blutung als eine Ablösung von der Mitte her.

Probleme mit der Nachgeburt

Plazenta löst sich nicht nach Geburt – Was tun?

Die Hebamme wird die Nachgeburt in einem entsprechenden Gefäß auffangen und auf Vollständigkeit überprüfen. Denn wenn die Plazenta nicht vollständig von der Gebärmutterwand abgerissen ist, können zurückgebliebene Reste für Komplikationen sorgen. Sie werden darum sicherheitshalber in einer Ausschabung entfernt. Andernfalls droht das Kindbettfieber oder eine Entzündung er Gebärmutter.

Außerdem kann es zu stärkeren Blutungen nach der Geburt kommen, denn wenn Teile der Plazenta dort verbleiben, kann sich die Gebärmutter nicht richtig zusammen ziehen und die Wundfläche, wo der Großteil der Plazenta abgerissen ist, bleibt unverkleinert.

Vor einer Ausschabung wird normalerweise per Ultraschall überprüft, ob sich noch Reste der Plazenta im Uterus befinden. Danach wird eine Kurznarkose verabreicht.

Nachgeburt kommt nicht raus

Wenn sich die Plazenta nicht innerhalb der ersten 30 Minuten von selbst löst, wird die Hebamme versuchen, mit entsprechenden Handgriffen nachzuhelfen. In der Regel reichen aber die vom Körper ausgeschütteten Hormone (Prostaglandine) aus, um eine starke Kontraktion der Gebärmutter zu verursachen, bei der sich die Nachgeburt löst.

Auch das unmittelbare Kuscheln mit dem Neugeborenen und vor allem das Stillen schütten im weiblichen Körper das Hormon Oxytocin aus, das ebenfalls Nachwehen auslöst.

Auch Aufstehen oder Aufsetzen, also ein Positionswechsel, kann die Nachgeburtsphase unterstützen und zu erneuten Wehen führen.


Was passiert nach der Entbindung mit der Nachgeburt?

Medizinisch erfüllt die Nachgeburt keinen Zweck mehr. Im Krankenhaus wird sie in der Regel mit anderem organischen Sondermüll entsorgt und schließlich verbrannt. In Deutschland darfst Du sie auch mit nach Hause nehmen.

In der Nachgeburtsphase werden auch eventuelle Dammverletzungen genäht.

Nach einem Kaiserschnitt wird die Plazenta in der Regel gleich mit ausgeschabt.

6 Interessante und überraschende Fakten zur Nachgeburt

  • In manchen Kulturkreisen oder Familien ist es üblich, die Nachgeburt im Garten zu vergraben. Manchmal wird auch ein Baum darauf gepflanzt.
  • Es gibt Mütter und Eltern, die die Nachgeburt essen. Theoretisch ist das natürlich möglich, denn es handelt sich um organisches Gewebe, im Prinzip wie Innereien. Vorbilder dazu gibt es überall im Tierreich, denn dort ist es bei Säugetieren üblich, dass die Mütter die Nachgeburt auffressen. Ob das bei Menschen nun natürlich oder sogar gefährlich ist, wird immer noch diskutiert. Jedenfalls gibt es im Internet für das Nachgeburt Essen Rezepte und Tipps. Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass das Essen der Plazenta zu keinem Nutzen bezüglich der Eisenwerte führt.
  • Eltern, die Teile der Nachgeburt aufnehmen, sie aber nicht direkt essen möchten, lassen sie oft zu Pillen oder Plazenta-Globuli verarbeiten.
  • Bei einer Lotusgeburt bleibt die Plazenta am Baby, bis die Nabelschnur von selbst abfällt. Danach wird sie entsorgt oder weiter getrocknet und als Andenken aufbewahrt.
  • Bis in die 1980er wurden kosmetische Produkte aus Plazenta hergestellt und verkauft. Das ist heute nicht mehr üblich.
  • Aus der Nabelschnur kann wertvolles Nabelschnurblut entnommen und aufbewahrt oder gespendet werden. Darin befinden sich menschliche Stammzellen die bei der Therapie von Krebserkrankungen helfen können. Diese Entnahme muss vorab vorbereitet werden und unmittelbar nach der Nachgeburt erfolgen.

Bild:

©Jordan Lye / bigstockphoto.com

©Sopotniccy - bigstockphoto.com

Auf Pinterest merken: 

Nachgeburt 

Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Affiliate Links (Werbelinks). Wenn du auf so einen Verweislink klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich von deinem Einkauf eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht und es entstehen für dich keine Nachteile.




Vorheriger BeitragNächster Beitrag
Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.