Geburt, Schwangerschaft

Lotus-Geburt: Wie ist das, wenn die Plazenta am Baby bleibt?

Lotusgeburt

Im Regelfall wird die Nabelschnur einige Minuten nach der Geburt durchtrennt und so das Baby von der Plazenta abgenabelt. Bei einer Lotusgeburt dagegen verbleibt die Plazenta am Baby, bis sich die Nabelschnur von selbst löst. Warum Eltern so etwas machen und was dabei zu beachten ist, erklärt Dir dieser Artikel.

Was ist eine Lotusgeburt?

Bei einer Lotusgeburt wird das Baby nicht von der Plazenta, auch Nachgeburt genannt, abgenabelt, sondern bleibt mit ihr verbunden, bis die Nabelschnur von selbst abfällt. Das dauert in der Regel zwischen 3 und 10 Tagen.

Die Plazenta wird gewaschen, abgetrocknet und dann mit Salz und Kräutern bzw. ätherischen Ölen eingerieben, um den natürlichen Trocknungsprozess zu unterstützen. Denn Salz entzieht dem Gewebe Wasser und konserviert. Auf diese Weise können sich keine unangenehmen Fäulnis-Gerüche bilden oder Bakterien auf der Plazenta vermehren.

In den Tagen nach der Geburt wird die Plazenta dann in einem Handtuch, Baumwolltuch oder einem speziell dafür angefertigten Behältnis aufbewahrt. Das macht zum Einen das Herumtragen einfacher, zum anderen „versteckt“ man das nicht gerade ansehnliche Versorgungsorgan.

Im Internet findest Du ohne großen Aufwand Nähanleitungen oder fertige Plazentataschen zum Kauf.

Die Lotusgeburt ist vor allem in alternativen und esotherischen Kreisen sehr beliebt – also bei Menschen, die der Schulmedizin teilweise skeptisch gegenüber stehen und sich für die Geburt und das Leben ihrer Kinder einen möglichst natürlichen Verlauf wünschen.

Der Name „Lotusgeburt“ geht angeblich auf die Amerikanerin Claire Lotus Bay zurück, die in den 1970ern als eine der ersten Frauen eine solche Art der natürlichen Abnabelung durchgeführt hat – und nicht auf die wunderschöne gleichnamige Blume.

 

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Welche Vorteile hat eine Lotusgeburt?

Befürworter dieser Methode meinen, dass dem Baby dadurch ein sanfterer Start ins Leben ermöglicht wird. Deshalb bezeichnet man die Lotusgeburt auch als „sanfte Abnabelung“. Das Neugeborene bleibt über die Nabelschnur länger mit einem Bestandteil des mütterlichen Organismus verbunden, auch wenn kein Blut mehr pulsiert. Dadurch seien auch die Babys entspannter.

Positive Effekte einer Lotusgeburt:

  • Risiko für Neugeborenengelbsucht sinkt
  • Nabel verheilt schneller und komplikationsloser
  • Risiko für Infektion der Nabelwunde sinkt
  • bessere Gewichtszunahme beim Baby
  • höherer IQ
  • stärkeres Immunsystem
  • verbesserte Feinmotorik

Auch für Mütter habe die Lotusgeburt psychische Vorteile, denn die Übergangsphase zwischen Schwangerschaft, Geburt und Alltag mit Baby wird auf diese Weise verlängert.

 

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Ganz praktisch gesprochen, schützt die immer noch verbundene Plazenta das Baby, indem es einen vorsichtigen Umgang unumgänglich macht. Es wird mit Sicherheit bei Verwandten weniger „herumgereicht“ und die Tatsache, dass die Geburt erst wenige Tage vergangen ist, ist für jeden offensichtlich.

Gibt es wissenschaftlich belegte Vorteile?

Späteres Abnabeln, also erst nach Auspulsieren der Nabelschnur, gilt mittlerweile als erwiesenermaßen von Vorteil für das Baby. So bekommt es nach der Geburt mehr Blut, das heißt auch mehr Sauerstoff und Eisen.

Allerdings ist dieser Vorgang nach einigen Minuten abgeschlossen und die Nabelschnur verklebt dann. Es findet kein stofflicher Austausch mehr zwischen Plazenta und Baby statt.

Aus medizinischer Sicht gibt es also keinen Grund, warum die Plazenta danach noch am Baby verbleiben sollte. Entsprechende Studien wurden nicht durchgeführt.

Hat die Lotusgeburt Nachteile?

Aus medizinischer Sicht gibt es also keinen bekannten Vorteil einer sanften Abnabelung, aber durchaus mögliche Nachteile. So gibt es natürlich Mediziner, die vor dieser Art von Umgang mit dem toten Gewebe der Plazenta warnen und eine Lotusgeburt für gefährlich halten. Denn wenn die Plazenta nicht gut gepflegt wird, können sich Bakterien ansiedeln und die Gesundheit des Babys gefährden. Blut und totes, organisches Material bieten den perfekten Nährboden für Bakterien und Ungeziefer.

Es ist daher nicht selbstverständlich, dass ein Krankenhaus oder Hebamme Dir die Lotusgeburt möglich machen. Wenn Du Dich dafür entschieden hast, solltest Du deshalb vorab mit Ärzten oder Deiner Hebamme sprechen.

Eine Entnahme von Nabelschnurblut ist bei einer Lotusgeburt nicht möglich.

Insgesamt erscheinen die gesundheitlichen Risiken einer Lotusgeburt aber gering und überschaubar.

Nach der Geburt ist es dann nicht immer ganz einfach, jeglichen Zug auf die Nabelschnur zu vermeiden. Vor allem nachts vergessen erfahrene Mütter schnell, dass die Plazenta noch am Baby hängt – zum Beispiel, wenn sie dieses von einer Seite auf die anderen heben wollen, um es zu stillen.

 

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Auch im Alltag kann die Rücksichtnahme auf Nabelschnur und Plazenta zum Problem werden. Immerhin erfordert dies besondere Techniken zum Anziehen und Befördern des Babys. Beim Kinderarzt oder bei Verwandten wirst Du für dieses Vorgehen sicherlich verständnislose Blicke oder Kommentare sammeln.


Was passiert mit der Plazenta?

Nach spätestens zwei Wochen fällt die Plazenta dann also von selbst ab. Was dann? Viele Anhänger der Lotusgeburt vergraben die Plazenta danach im Garten. Manche pflanzen einen Baum darauf, der dann dem Baby gewidmet ist. Andere bewahren die getrocknete Plazenta auch noch länger auf, indem sie sie entweder komplett konservieren oder erst einmal einfrieren. In ganz seltenen Fällen wollen Eltern die Plazenta essen.

In unserem Nachbarland Österreich ist es übrigens nicht erlaubt, die Plazenta als totes Gewebe aus dem Krankenhaus mitzunehmen. Eine Lotusgeburt ist dort nur als Hausgeburt möglich.


Bild:

©zlikovec - bigstockphoto.com

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Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

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