Geburt, Schwangerschaft

Wenn die Fruchtblase platzt – Was ist beim Blasensprung zu tun?

fruchtblase geplatzt

Ich kann mich noch sehr gut an den Moment vor über drei Jahren erinnern, als meine Fruchtblase geplatzt ist. Ich war bereits im Beobachtungsraum des Kreißsaals und die Hebamme dachte, bei mir würde es noch lange dauern, bis die Geburt beginnt. Also legte sie mich auf eine Couch, schloss das CTG an und verließ den Raum. Nur wenige Augenblicke später hörten wir auf der Tonspur des Geräts ein lautes Schnalzen und plötzlich war alles nass. Ich sprang auf, die Hebamme kam zurück und ich wurde in den richtigen Kreißsaal gebracht.

Scheinbar bedeutet ein Blasensprung also, dass es ernst wird in Sachen Geburt. Was aber ist zu tun, wenn man nicht gerade wie ich bequem die Hebamme nebenan hat? Muss man mit einer geplatzten Fruchtblase sofort ins Krankenhaus? Wann wird es gefährlich für das Baby?

Was passiert, wenn die Fruchtblase platzt?

Während der gesamten Schwangerschaft ist Dein Baby in der Fruchtblase von Fruchtwasser umgeben und so vor Stößen und Infektionen geschützt. Denn die Fruchtblase ist nach außen hin verschlossen und völlig steril. Zum einzigen Mal im Leben eines Menschen besteht er nur aus menschlichen Zellen. Wenn die Fruchtblase platzt oder einreißt, spricht man von einem Blasensprung, welcher ein Hinweis für die bevorstehende Geburt ist. In diesem Moment fällt auch dieser Schutz vor bakteriellen Infektionen.

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Wann platzt die Fruchtblase?

Bei einer gesunden Schwangeren platzt die Fruchtblase im besten Fall erst wenige Momente bis Stunden vor der Geburt. Denn mit der Geburt ist es ohnehin Zeit, dass die lebenslange Besiedelung des menschlichen Körpers mit hilfreichen Bakterien, die ersten davon aus dem Geburtskanal.

Wie merke ich, dass meine Fruchtblase geplatzt oder gerissen ist?

Der Blasensprung tut nicht weh, denn die Fruchtblase hat keine Nervenenden. In der Regel spürt eine Frau nur, dass die Fruchtblase geplatzt ist, weil warme Flüssigkeit (Fruchtwasser) schwallartig oder tröpfchenweise abgeht.



Wie kann ich einen Blasensprung erkennen?

Weil nicht bei allen gleich ein See um die Füße entsteht, sondern vor allem bei kleineren Rissen nur wenig Flüssigkeit ausgeschieden wird, fragen sich viele Frauen, wie sie einen Blasensprung zuverlässig erkennen können? Das ist manchmal gar nicht so einfach, selbst für Ärzte. Denn während der Schwangerschaft kann es auch vermehrt zu harmlosem vaginalen Ausfluss kommen und in der fortgeschrittenen Schwangerschaft drückt das Baby vielleicht so ungünstig und unverhofft auf die Blase, dass Frau schon mal ein paar Tropfen Urin verliert.

Woran erkenne ich Fruchtwasser?
Fruchtwasser ist farblos, geruchlos und läuft unwillkürlich aus. Du kannst es nicht wie Urin zurückhalten, dafür ist kein Muskel vorgesehen.

Wenn Du Dir nicht sicher bist, ob es sich bei Flüssigkeit im Slip um Urin, Ausfluss oder Fruchtwasser handelt, kannst Du den Unterschied anhand eine PH-Teststreifens ausmachen.

Der normale pH-Wert der Scheide liegt zwischen 4,0 und 4,5 (Ausfluss). Urin hat einen pH-Wert von 5,0 bis 6,0. Der pH-Wert von Fruchtwasser liegt bei 7,0 bis 7,5. Testen kannst Du entweder mit ganz normalen, handelsüblichen PH-Teststreifen oder speziellen Slipeinlagen, die Dir sofort anzeigen, ob Du Fruchtwasser verlierst. Die normalen Teststreifen bekommst Du auch in der Apotheke um die Ecke. Allerdings musst Du dafür jedes Mal die Farbe des Streifens abgleichen.

Was soll ich tun, wenn meine Fruchtblase platzt?

Erst einmal ist eine geplatzte Fruchtblase kein Grund zur Panik. Selbst wenn Dein Baby durch den Blasensprung in Gefahr sein sollte, so besteht diese erst nach mehreren Stunden, nicht unmittelbar in dem Moment, in dem es passiert.

Wenn die Fruchtblase zuhause platzt, solltest Du Dich sicherheitshalber hinlegen und Hilfe rufen. Denn durch die liegende Position wird verhindert, dass der Kopf des Babys die Versorgung durch die Nabelschnur abklemmt, wenn er ins Becken rutscht.

Durch so einen Nabelschnurvorfall könnte Dein ungeborenes Kind im schlimmsten Fall einen Sauerstoffmangel erleiden. Ein Nabelschnurvorfall passiert übrigens nur, wenn das Köpfchen Deines Babys noch nicht fest im Becken liegt. Auch wenn diese Fälle sehr selten sind, geh lieber auf Nummer sicher. Außerdem solltest Du ab diesem Zeitpunkt nur noch liegend transportiert werden, entweder im Krankenwagen oder mit zurückgelegtem Autositz.

Wenn die Fruchtblase unterwegs vorzeitig platzt, also ohne gleichzeitige Wehentätigkeit, dann entsteht meist nur ein Riss und das Wasser geht sehr langsam ab. Du hast also genug Zeit, Dich zurückzuziehen und Deinen Partner, Familie oder Hebamme zu informieren.

Überprüfe das Fruchtwasser, das abgeht. Wenn es sich um klare, farblose Flüssigkeit handelt, gibt es in aller Regel keinen Grund zur Sorge. Wenn das Wasser allerdings grünlich oder fast schwarz gefärbt ist oder Blut beigemengt hat, dann solltest Du einen Krankenwagen rufen und das beim Telefonat so mitteilen.

Denn grün oder schwarz weißt auf Mekonium (Stuhl) im Fruchtwasser hin. Das sondern Babys nur in Ausnahmefällen vor der Geburt ab, nämlich wenn sie Stress haben. Der Grund für diesen Stress sollte so schnell wie möglich medizinisch untersucht werden, unter Umständen ist ein Kaiserschnitt unausweichlich.

Blut im Fruchtwasser kann in kleinen Mengen ganz normal sein, in größeren Mengen aber gefährlich. Das heißt, wenn die Flüssigkeit etwas rosa ist, handelt es sich nur um geplatzte Blutgefäße am Gebärmutterhals.

Wenn allerdings mit dem Blasensprung eine richtige Blutung in Stärke einer Menstruationsblutung einsetzt, kann das bedeuten, dass sich die Plazenta bereits ablöst und das Kind im Folgenden nicht mehr versorgt wird. Auch diese Komplikation ist extrem selten, doch im Ernstfall solltest Du schnell handeln.

Achtung beim vorzeitigen Blasensprung

Was ist ein vorzeitiger Blasensprung?

Info

Von einem vorzeitigen Blasensprung spricht man, wenn die Eihülle vor Eintritt der Wehen eröffnet wird. Das betrifft etwa 20% der Schwangeren. Ein vorzeitiger Blasensprung ist nicht immer problematisch, bei vielen Frauen ist die Schwangerschaft weit genug fortgeschritten, um im Anschluss komplikationslos entbinden zu können. Denn mit einem Blasensprung beginnt in der Regel der Geburtsvorgang, d.h. kurz danach setzen auch geburtsrelevante Wehen ein. Allerdings sollte ein vorzeitiger Blasensprung als Schwangerschaftskomplikation immer untersucht und dokumentiert werden.

>> Wenn Du wissen willst, wie sich Wehen anfühlen, kannst Du das hier nachlesen.

Ein vorzeitiger Blasensprung kann für Dich und Dein Baby unter Umständen gefährlich werden und sollte medizinisch überwacht werden. Denn bei einer Infektion mit Streptokokken kann auch die Gesundheit der Mutter auf dem Spiel stehen. Wenn eine solche Infektion nachgewiesen wurde und eine Sepsis (Blutvergiftung) der Mutter droht, leiten Ärzte häufig die Geburt ein, um von Mutter und Kind zu retten.

Ursachen: Warum platzt die Fruchtblase und wie kommt es zum vorzeitigen Blasensprung?

Oft passiert ein vorzeitiger Blasensprung, nachdem sich der Schleimpfropf bereits gelöst hat. Dieser hat bis dahin den Muttermund fest verschlossen und erlaubt nun eventuell Krankheitserregern, aufzusteigen und die Fruchtblase zu erreichen. Als Folge einer Infektion mit Streptokokken oder Chlamydien kann die Eihülle aufgeweicht werden und ein Riss entstehen.

Auch erhöhter Druck kann die Eihülle zum Reißen bringen. Das ist z.B. bei Mehrlingsschwangerschaften häufig und auch vorzeitige Wehen können zum Platzen der Fruchtblase führen.

Außerdem kann eine Fruchtwasserpunktion im Rahmen der Pränataldiagnostik die Fruchtblase beschädigen und zum Reißen bringen.

Weitere Risikofaktoren sind frühere Ausschabungen, Schwangerschaftsabbrüche, vorzeitige Blasensprünge in früheren Schwangerschaften, Rauchen, Alkohol, Übergewicht, Mangelernährung.

Wirklich vorbeugen kann man nicht.

Was tun und wie geht es bei einem vorzeitigen Blasensprung weiter?

Wie gefährlich ein vorzeitiger Blasensprung ist, hängt vor allem vom Zeitpunkt ab. Denn je früher, desto gefährlicher für das ungeborene Kind.

  • Bis zur 20. SSW sind die Überlebenschancen für Dein Baby ohne Fruchtwasser gering. Viele Ärzte raten dann zur Abtreibung.
  • 20.-28. SSW: unter absoluter Bettruhe und Medikamenteneinnahme wird versucht, dem Baby Zeit für die weitere Entwicklung zu geben. Trotzdem treten häufig Infektionen und Fehlgeburten auf. In manchen Fällen verschließt sich ein Riss spontan wieder und der Körper füllt das Fruchtwasser wieder auf.
  • Ab der 28. SSW wird individuell entschieden, ob das Baby ausgetragen wird oder mit Medikamenten eine Infektion zu verhindern versucht und die Wehen gehemmt werden sollen.
  • Ab SSW 32 raten die Ärzte meist zur Einleitung der Geburt oder zum Kaiserschnitt.
  • Nach der 34. SSW wird häufig erst einmal abgewartet. Die Gesundheit von Mutter und Kind, sowie eine mögliche bakterielle Infektion, werden engmaschig kontrolliert und der Geburtsbeginn abgewartet.
Weitere Begrifflichkeiten zum Blasensprung
  • rechtzeitiger Blasensprung: Die Austreibungsphase hat bereits begonnen und der Muttermund ist vollständig geöffnet, wenn die Eihülle reißt.
  • frühzeitiger Blasensprung: Die Fruchtblase reißt, bevor der Muttermund völlig geöffnet ist und die Austreibungsphase beginnt.
  • hoher Blasensprung: Die Fruchtblase reißt weit oben und das Fruchtwasser geht deshalb nur tröpfchenweise ab.
  • Fruchtblasensprengung: Die Hebamme eröffnet die Fruchtblase, um die Geburt zu beschleunigen.
  • verspäteter Blasensprung: Das Baby wird in der intakten Fruchtblase geboren und diese wird erst von Ärzten oder Hebamme geöffnet.

Zu Problemen führt in der Regel nur ein vorzeitiger Blasensprung. Alle anderen Fällen einer geplatzten Fruchtblase sind für den Geburtsverlauf unproblematisch.

Fazit: Meist ungefährlich, aber beobachten!

Ein Blasensprung ist also in den allermeisten Fällen überhaupt kein Problem. Du solltest Dich sicherheitshalber hinlegen, Hilfe holen und die Farbe Deines Fruchtwassers überprüfen. Problematisch wird es allerdings, wenn die Fruchtblase recht früh in der Schwangerschaft geplatzt ist. Dann brauchst Du in jedem Fall ärztliche Hilfe.


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Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

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