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Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft: Hilfe, ich hab so viel Wasser in den Beinen

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Eines Abends, in meiner 23. Schwangerschaftswoche, war es so weit: Ich schaute an meinen Beinen hinunter und meine Füße und Knöchel waren viel dicker als sonst. Ein Schicksal, dass ich mit einem Großteil der Schwangeren teile. Denn gegen Ende der Schwangerschaft trifft es etwa 80% aller Frauen. Doch woher kommen eigentlich solche Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft? Und ist Wasser in den Beinen gefährlich, wenn man schwanger ist?

Ich bin der Sache mal nachgegangen.

Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft: Ursachen und Hintergründe

Vor allem in den Beinen, Armen und an den Knöcheln bilden sich bei vielen Schwangeren vermehrt Wassereinlagerungen – auch Ödeme genannt. In manchen Fällen sind diese so stark, dass auch im Gesicht, insbesondere um die Augen herum, Wasser eingelagert wird und es zu Schmerzen kommt. Die Haut spannt, Schuhe drücken, Ringe passen nicht mehr und zu allem Überfluss sieht das Ganze auch noch unschön aus.

Bei vielen fallen die geschwollenen Hände oder Füße erst am Abend auf, wenn sie lange nicht mehr gelegen und sich ausgeruht haben. Die Schwerkraft sorgt dann dafür, dass vor allem in den Extremitäten die Flüssigkeit weniger gut abtransportiert werden kann. Auch hohe Temperaturen führen bei vielen zu vermehrten Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft und verursachen stark unangenehme Schwangerschaftsbeschwerden.

Woher kommt das Wasser in den Beinen und Händen während der Schwangerschaft?

Auslöser für die vermehrte Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe sind die Schwangerschaftshormone, allen voran Progesteron. Sie führen dazu, dass sich die Blutgefäße erweitern und durchlässiger werden. Zusätzlich muss Dein Herz nun mehr Blut als sonst durch Deinen Körper pumpen, was ebenfalls zu einem verlangsamten Blutfluss führen kann. Zum Ende der Schwangerschaft kann auch das Gewicht der Gebärmutter auf die Venen, die das Blut zum Herzen zurück transportieren, drücken und den Rückfluss verlangsamen. All das kann dazu führen, dass sich Flüssigkeit im Gewebe anreichert.

Biologisch macht dieser Vorgang natürlich schon Sinn, denn so ist gewährleistet, dass immer genug Flüssigkeit für einen gesunden Schwangerschaftsverlauf zur Verfügung steht. Ein Mechanismus also, der aus Zeiten stammt, in denen Frauen nicht in allen Fällen täglich Zugang zu ausreichend Trinkwasser hatten. Leider ist das auch heute noch nicht in allen Ländern selbstverständlich.

Sind die Ödeme gefährlich?

Im Normalfall sind geschwollene Beine und Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft völlig ungefährlich. Nach der Geburt verschwinden sie recht schnell wieder. Aus diesem Grund kann es auch sein, dass Du im Wochenbett vermehrt zur Toilette musst oder schwitzt. Ob Du etwas dagegen unternehmen möchtest, ist also in erster Linie eine Frage des Wohlbefindens.

Wenn Du sehr starke Wassereinlagerungen hast und zusätzlich weitere Symptome wie Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Schwindel oder Sehstörungen hast, solltest Du diese Symptome allerdings ernst nehmen. Denn dann kann Wasser in den Beinen auch ein Anzeichen für eine Gestose oder Schwangerschaftsvergiftung (Praeklampsie) sein. Wenn Du ein Blutdruckmessgerät zu Hause hast, kannst Du auch selbst überprüfen, ob Dein Blutdruck über 140/90 mmHg liegt. Das wäre ein weiteres Anzeichen für eine Schwangerschaftsvergiftung, genauso wie Übelkeit und Erbrechen.

Bei einem Verdacht auf Praeklampsie solltest Du umgehend einen Arzt aufsuchen, denn diese Schwangerschaftskomplikation kann für Dich und damit auch für Dein Baby wirklich gefährlich sein.

Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft: Was kann ich dagegen tun?

Hausmittel und Tipps wie Schwangere Wasser in den Beinen vermeiden

  • Beine Hochlegen: Dadurch unterstützt Du den Blut- und Flüssigkeitsrückfluss aus den Beinen, der im Sitzen und Stehen durch die Schwerkraft erschwert wird. Diese Maßnahme beugt auch Krampfadern oder Besenreißern vor.
  • Beine nicht verschränken: Beim Sitzen solltest Du darauf verzichten, ein Bein über das andere zu legen, denn das blockiert den Blutfluss in den Beinen und begünstigt so Wassereinlagerungen und Krampfadern.
  • Passende Kleidung: Alles, was einschneidet, schränkt auch den Blutfluss ein. Dazu gehören zu enge Schuhe, Hosen, BHs, aber auch Ringe oder Haargummis ums Handgelenk.
  • Bewegung: Bewegung fördert die Durchblutung und verhindert so zu viel Wassereinlagerungen. Wenn Du Sport machst, achte darauf, dass dieser Deinem Trainingsstand entspricht und für Schwangere geeignet ist. Schwimmen oder Walken zum Beispiel eignen sich gut.
  • Ausreichend trinken: Versuche, jeden Tag mindestens zwei Liter Wasser oder ungesüßte Tees zu trinken. Je weniger Flüssigkeit Du aufnimmst, desto mehr wird Dein Körper „auf Reserve“ einlagern.
  • Gesund essen: Wie ohnehin in der Schwangerschaft empfohlen, versuche, ausreichend Obst, Gemüse und Ballaststoffe in Deine Ernährung zu integrieren.
  • Wechselduschen: Abwechselndes Abduschen mit warmem und kaltem Wasser regt die Durchblutung an. Keine Sorge, das kalte Wasser muss nicht über Deinen Kopf – die Beine reichen völlig aus.
  • Flache Schuhe: Nicht nur, um Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft zu vermeiden, solltest Du auf High Heels und hohe Absätze in der Schwangerschaft verzichten. Sie erhöhen auch die Unfallgefahr, denn Deine Gelenke sind durch die Schwangerschaftshormone locker als sonst und der Schwerpunkt Deines Körpers verschiebt sich allmählich.

Vorhandene Ödeme behandeln

  • Venengymnastik: Durch gezielte Übungen regst Du die Durchblutung und damit den Abtransport überschüssiger Flüssigkeit an. Unter Venengymnastik versteht man alle Bewegungen der Fußknöchel, also z.B. Füße kreisen oder den Fuß abwechselnd strecken und anziehen.
  • Fußbäder: Fußbäder mit Salz entziehen dem Gewebe Wasser. Außerdem regen sie die Durchblutung an.
  • Stützstrümpfe: Vor allem in Situationen, in denen Du längere Zeit am Stück sitzen musst, können medizinische Thrombose-Strümpfe verhindern, dass Wassereinlagerungen noch stärker werden. Bei längeren Flügen solltest Du sie in der Schwangerschaft auf jeden Fall tragen.
  • Massagen: Durch Massagen, deren Bewegungen vor allem von unten nach oben führen, kann der Rückfluss von Blut bzw. Gewebsflüssigkeit angeregt werden. Das kannst Du entweder selbst tun, Deinen Partner bitten oder professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. In vielen Städten gibt es mittlerweile Masseure, die auf Schwangerschaftsmassagen spezialisiert sind.
  • Kühlende Wadenwickel
  • Mit erhöhten Beinen schlafen: Während der Nachtruhe hat Dein Körper die besten Chancen, die Ödeme in den Griff zu bekommen. Du kannst ihn dabei unterstützen, indem Du so schläfst, dass Deine Beine höher sind, als Dein Körper. Das geht mit bestimmten Lattenrosten, aber auch einfach, indem Du ein Kissen oder eine mehrfach gefaltete Decke nimmst. Wenn Dir die Position nachts unbequem wird, ändere sie.
  • Schüssler-Salze: Bei manchen Frauen helfen die Salze Nr. 5, 8, 10 oder 11, um Wassereinlagerungen zu verringern.
  • Homöopathie: Besonders Apis mellifica D12 wird bei Wassereinlagerungen empfohlen.
  • Akupunktur: Viele Hebammen bieten diese Zusatzleistung im Rahmen der Hebammenvorsorge an.
  • Bettruhe: Im Extremfall hilft nur noch liegen. So verbessern sich Wassereinlagerungen von selbst innerhalb kurzer Zeit.
Salz, Reis und Kartoffeln
Empfehlungen, bei Wassereinlagerungen auf Salz zu verzichten und tageweise durch Reis und Kartoffeln als einzige Nahrungsquelle zu „entschlacken“ gelten mittlerweile als veraltet. Beides könnte in bestimmten Situationen für Schwangere sogar gefährlich werden.

Keine Entwässerungsmittel

Auch wenn es vielleicht logisch erscheinen mag, medizinische oder natürliche Mittel zur Entwässerung darfst Du in der Schwangerschaft auf keinen Fall einsetzen. Also auch nicht zu viel Brennesseltee. Diese Mittel können nicht nur die Wassereinlagerungen im Bindegewebe reduzieren, sondern auch das Blutvolumen im Körper. Das ist aber keinesfalls erwünscht, denn das zusätzliche Blut wird dringend für die Versorgung Deines Babys benötigt!


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Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

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