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Schwangerschaftsdermatose: Wie gefährlich ist Juckreiz in der Schwangerschaft?

Juckreiz in der Schwangerschaft

Bei mir fing er ziemlich früh in der Schwangerschaft an, auch weil ich schon immer eine sehr trockene Haut habe: Juckreiz in der Schwangerschaft. Für mich war klar, dass das ein bekanntes Merkmal für eine Schwangerschaft sein kann und vor vor allem mit den Hormonen zu tun hat, denn schließlich bildet der schwangere Körper jetzt vermehrt hCG. Hätte ich geahnt, dass das unangenehme Jucken auch viel schlimmere Ursachen haben kann, hätte ich wahrscheinlich sofort mit meinem Arzt darüber gesprochen, um sicher zu gehen. Woher das Jucken in der Schwangerschaft kommt und mit welchen teilweise unkonventionellen Methoden ich damit fertig wurde, erkläre ich euch in diesem Artikel.

Ursachen für Juckreiz in der Schwangerschaft

1. Harmlose Formen der Schwangerschaftsdermatose

Dermatose bedeutet Hautkrankheit (griech. derma = Haut). Eine Schwangerschaftsdermatose ist damit nichts anderes als ein Überbegriff für Hautkrankheiten, die speziell in der Schwangerschaft auftreten – und danach in der Regel wieder verschwinden. Speziell unterscheidet man zwischen harmlosem Schwangerschaftsjuckreiz und behandlungsbedürftigen bzw. gefährlichen Ursachen.

Die häufigsten Hautkrankheiten in der Schwangerschaft sind unspezifische Hautveränderungen, die nur symptomatisch behandelt werden, also nur eine Linderung des Juckreizes erreicht werden soll. Dazu gehören:

  • Die atopische Schwangerschaftsdermatose: Dabei treten Hautrötungen und starkes Jucken an Gesicht, Hals, Dekolleté, Ellenbeugen und / oder Kniekehlen auf – der Übergang zu trockener Haut ist fließend. Bei etwa 30% der Betroffenen bilden sich kleine Pusteln überall am Körper. Diese Art der Dermatose hat zu tun mit erblicher Veranlagung für trockene Haut, Neurodermitis oder allergischer Neigung. Wenn schon vor der Schwangerschaft ein atopisches Exzem vorlag, kann sich dieses verschlimmern.
  • Die polymorphe Schwangerschaftsdermatose, auch Pruritic urticarial papules and plaques of pregnancy (PUPPP) genannt, kann mit Pusteln, Rötungen oder Bläschen verbunden sein. Es beginnt oft im Bereich des Unterbauches und breitet sich dann aus, es bilden sich plattenartige Hautveränderungen (Plaques), die stark jucken und nach ein paar Tagen langsam abklingen. Dann bilden sich an anderen Stellen neue. Die genaue Ursache ist unbekannt und auch wenn es unangenehm ist, ist diese Art der Schwangerschaftsdermatose nicht gefährlich. Sie beginnt entweder in der 2. Hälfte der Schwangerschaft oder wenige Wochen vor der Geburt. Nach der Schwangerschaft ist sie wieder vorbei.
  • Schwangerschaftsakne: In der Schwangerschaft wirken die Hormone sich auch auf die Haut aus. Dadurch kann sie entweder trocken werden – oder die Talgdrüsen der Haut können gestört werden. Dann bildet sich eine Form der Akne, die als Schwangerschaftsakne bekannt ist. Sie ist ungefährlich und verschwindet mit Absinken der Hormone nach der Geburt.

Was kann ich gegen juckende Haut in der Schwangerschaft tun?

In meinem Fall handelte es sich also um eine atopische Schwangerschaftsdermatose. Ich kannte das Jucken schon von so manchen Wintertagen oder anderen Lebensphasen. Ich konnte also schon einiges an Erfahrung mit der Linderung des Juckreizes sammeln. Außerdem habe ich in verschiedenen Foren und im Freundeskreis recherchiert, was noch helfen kann.

Tipps gegen juckende, trockene Haut während der Schwangerschaft:

  • mit Urea-haltige Feuchtigkeitscreme die Haut eincremen
  • Ölen mit Schwangerschaftsöl
  • Kletorell Creme (natürliche Salbe auf Klettwurz-Basis)
  • Bürsten mit einer Massagebürste, leichtes Kraulen oder Kratzen durch den Partner
  • mit Essigwasser abreiben (Apfelessig 1:1 mit Wasser mischen)
  • kühlen / eiskalt duschen
  • ausgewogen und säurearm ernähren, Vermeiden fetter Speisen
  • luftige Baumwollkleidung
  • viel trinken
  • kalte Quarkwickel
  • nicht zu heiß duschen / baden, um die Haut nicht auszutrocknen
  • rückfettendes Duschgel oder medizinische Waschlotion, z.B. von Seni Care
  • Urtica Comp. Globuli
  • Antihistaminikum (Mittel mit dem Wirkstoff Cromoglicinsäure sind nach den ersten drei Schwangerschaftsmonaten in der Regel problemlos)
  • Schwangerschaftstee trinken, um Giftstoffe auszuschwemmen, Himbeerblättertee absetzen
  • psychischen und physischen Stress verringern
  • mit kaltem Schwarztee oder Olivenöl einreiben
  • Kortison gelangt, wenn äußerlich angewendet, nicht in der Blutbahn und hat daher keine Auswirkungen auf das Baby

2. Gefährliche Schwangerschaftsdermatosen und andere krankhafte Ursachen

Leider ist starker Juckreiz in der Schwangerschaft nicht immer so ungefährlich und kann im schlimmsten Fall sogar dazu führen, dass Dein Baby Schaden nimmt. Das bedeutet nicht, dass Du wegen jeder keinsten Pustel auf der Haut sofort zum Arzt musst. Aber Du solltest vor allem sehr starken Juckreiz in der Schwangerschaft ernst nehmen und im Zweifelsfall immer mit Deinem Hautarzt oder Gynäkologen darüber sprechen(!). Denn dahinter kann sich auch eine der folgenden Erkrankungen verstecken:



Intrahepatische Schwangerschaftscholestase

Dieintrahepatische Schwangerschaftscholestase, auch cholestatische Hepathose genannt. Das ist eine relativ seltene Lebererkrankung, die sich auch durch starken Juckreiz bemerkbar macht. Dieser beginnt meist erst im letzten Drittel der Schwangerschaft, zunächst an den Innenflächen von Händen und Fußsohlen und breitet sich dann über den ganzen Körper aus.

Da die Leber die Giftstoffe und Gallensäuren nicht mehr zureichend ausscheidet, verbleiben sie im Organismus und verursachen den starken Juckreiz. Meist sind kleine Hautveränderungen, starke Rötungen, oder Pusteln erkennbar. Der Juckreiz wird aber oft so stark, dass Frauen sich blutig kratzen und nicht mehr richtig schlafen können.

Zusätzliche mögliche Symptome sind Übelkeit, Müdigkeit, hell-weißlicher Stuhl und eine Gelbfärbung von Augen und / oder Haut. Diese Symptome treten aber nicht bei jeder Cholestase auf – der Juckreiz schon. Nachts ist das Jucken schlimmer, weshalb viele betroffene schwangere Frauen nachts nicht schlafen können und dann tagsüber den Schlaf nachzuholen versuchen.

Die Ursache für diese Lebererkrankung ist nicht eindeutig geklärt, das Risiko wird aber genetisch vererbt, daher gibt es in Chile etwa 15 Mal so viele Fälle wie in Europa. Hier betrifft die Schwangerschaftscholestase weniger als 1% der Schwangeren.

Von der Umwelt und vom Lebensstil hängt es dann vermutlich ab, ob sie auch tatsächlich ausbricht während einer Schwangerschaft. Auch Gallensteine erhöhen das Risiko.

Eine Schwangerschaftscholestase erhöht das Frühgeburtsrisiko und kann für das Baby lebensgefährlich sein.

Deshalb muss sie bei starkem Juckreiz in der Schwangerschaft durch Bestimmung von Serumgallensäuren und Leberwerten ausgeschlossen werden.

Im Zweifel solltest Du auf eine Blutuntersuchung bestehen oder einen anderen Arzt aufsuchen. Eventuell kann sogar eine Wiederholung sinnvoll sein, denn in manchen Fällen tritt der Juckreiz noch vor den erhöhten Blutwerten auf.

Die Behandlung einer Cholestase erfolgt mit Ursodeoxycholsäure. Manchmal müssen Schwangere dafür ins Krankenhaus, wo sie mit Medikamenten erst einmal wieder ordentlich schlafen können und sich dann langsam erholen.

Die Geburt wird im Falle einer Schwangerschaftscholestase meist in der 36.-38. SSW eingeleitet, da das Risiko für das Baby mit fortschreitender schwangerschaft steigt. Nach der Geburt ist dann der ganze Spuk vorbei. Allerdings sollte anhand von Blutwerten und einer Gallenstein-Untersuchung etwa sechs Wochen nach der Geburt überprüft werden, ob die Diagnose richtig war. Frauen mit überstandener Cholestase sollten besser fortan hormonfrei verhüten.

Pemphigoid gestationis

Das Pemphigoid gestationis, auch Herpes gestationis / Gestationsherpes genannt: Entgegen der veralteten Bezeichnung hat diese Schwangerschaftsdermatose nichts mit den verbreiteten Herpesviren zu tun. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der sich nesselartige, juckende Bläschen auf der Haut bilden. Das Immunsystem der Schwangeren greift bestimmte Hautpartien an, sodass diese sich entzünden.

Gestationsherpes heilt in der Regel nach der Entbindung von selbst wieder ab, das Jucken kann aber behandelt werden. In schlimmen Fällen führt diese Hautkrankheit zu einem verzögerten Wachstum beim Ungeborenen.

Schwangerschaftsdiabetes

Juckreiz in der Schwangerschaft kann auch durch Schwangerschaftsdiabetes verursacht werden. Diese Erkrankung sollte auf jeden Fall festgestellt werden und Du musst strikte Diät für den Rest der Schwangerschaft halten und Dich regelmäßig untersuchen lassen.

Milben und Pilzerkrankungen

Die Haut in der Schwangerschaft sehr empfindlich. Manchmal ist die natürliche Hautbarriere und ihre Abwehrfunktion gestört und sie ist dadurch anfällig für Milben und Pilzerkrankungen (Soor und Krätze). Beides lässt sich mit Cremes sehr einfach behandeln. In unbehandelter Form wird es in der Regel immer schlimmer und kann sich nach der Geburt auf Dein Baby übertragen.

Allergien

Auch das Immunsystem wird von Hormonen gesteuert und spielt deshalb in der Schwangerschaft manchmal verrückt. Bei Juckreiz in der Schwangerschaft kann es sich also auch um allergische Reaktionen handeln – selbst wenn bisher keine Allergie vorlag. In diesem Fall hilft der Verzicht auf die allergenen Stoffe oder ein Antihistaminikum (s.o.)

Schwangerschaftsvergiftung

Bei einer Schwangerschaftsvergiftung tritt Juckreiz ebenfalls als Symptom auf. Diese Erkrankung ist sehr gefährlich und dringend behandlungsbedürftig.

Kalziummangel

Ein einfacher Kalziummangel kann auch zu Juckreiz in der Schwangerschaft führen. Versuch in dem Fall einfach mal Kalzium als Nahrungsergänzungsmittel.


Bildnachweis:

©Narong Jongsirikul – stock.adobe.com

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