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Hämorrhoiden in der Schwangerschaft und nach der Geburt

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft und nach der Geburt

Jeder Mensch hat in seinem Leben früher oder später einmal mit erweiterten Hämorrhoiden zu kämpfen. Jeder zweite über 30 Jahren war oder ist von diesem Leiden betroffen.

Was sind Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden sind das schwammartige, gut durchblutete Gefäßpolster, das am Ausgang des Enddarms sitzt. Es dichtet zusammen mit den Schließmuskeln den After ab. An sich sind sie nichts Schlimmes. Wenn sie allerdings vergrößert sind, tritt ein Problem auf.

Obwohl so viele Menschen davon betroffen sind, ist es leider noch immer ein Tabuthema, über das ungern gesprochen wird. Beschwerden rund um den Darm und die Analregion werden leider immer noch als peinlich oder unangenehm angesehen. Auf der anderen Seite verstehen viele Menschen, dass all das natürlich und unumgänglich ist.

Hämorrhoiden Ansicht im Darm
Hämorrhoiden im Enddarm

Vergrößerte Hämorrhoiden sind knotenförmig hervortretende Erweiterungen der Mastdarmvenen um den After herum. Man kann sie auch als krampfaderähnliche oder knotenförmige Schwellungen des Gefäßpolsters zwischen Enddarm und Schließmuskel beschreiben und in der Medizin sind sie als Plexus hämorrhoidalis bekannt. Sie gehen oft mit einer Entzündung des umliegenden Gewebes einher. Aufgrund der Schwellung werden die Hämorrhoiden nach und nach aus dem After herausgedrückt.

Folgen

Die Folgen von Hämorrhoiden sind meist sehr unangenehm für den Betroffenen. Es können Beschwerden wie ein Brennen und Jucken am After auftreten. Auch kommt oft ein Fremdkörpergefühl, Schmerzen, hellrotes Blut auf dem Stuhl oder Toilettenpapier oder gar Nässen vor.

Besonders beim Stuhlgang und Sitzen können sie sehr schmerzhaft sein.

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

Hämorrhoiden während der Schwangerschaft können verschiedene Gründe haben. Circa 50% aller werdenden Mütter leider darunter. Hierbei steigt das Risiko, wenn Du bereits Kinder hast oder schon etwas älter bist.

Video: Erfahrungrungsbericht über Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

In den Kommentaren des Videos befindet sich u.a. ein interessantes Kommentar, welches ich hier auch posten will.

Video-Kommentar von transistor:

Was ich noch so empfehlen kann: Zum Proktologen gehen. Das gesamte Team freut sich über die Abwechslung (Hämorrhoiden bei jüngeren Frauen + Schwangerschaft + eventuell schon vorhandenes süßes Baby). Der Arzt hat mir das so erklärt: Es gibt 4 Mechanismen:

  1. Beckenboden
  2. Schließmuskel
  3. Hämorrhoiden
  4. Darmgehirn (Kommunikation mit dem echten Bewusstsein)

Die Hämorrhoiden werden dann größer, wenn eins oder mehrere der anderen Mechanismen am Darmausgang gestört ist/sind. Bei Schwangeren kommen hormonelle Veränderungen hinzu, wie du bereits in deinem Video sagtest; trotzdem hilft oft schon einfach nur Stärkung des Beckenbodens.

Ursachen

Wie entstehen Hämorrhoiden in der Schwangerschaft?

Generell sind Hämorrhoiden oft die Folge einer chronischen Verstopfung, von Bewegungsmangel, falscher Ernährung oder Übergewicht.

Außerdem kann es auch sein, dass die Gefäßwände einfach schwach sind. Bei Frauen können sie zusätzlich nach oder während einer oder mehreren Schwangerschaften auftreten.

Das wachsende Kind im Mutterleib erhöht den Druck im Bauchraum und damit auch auf die Gefäße des Hämorrhoidalpolsters. Dadurch fließt das Blut schlechter ab und kann sich stauen. Ebenso steigt der Druck auf den Darm, was bei Schwangeren oft zu Verstopfungen führt.


Hämorrhoiden erkennen

Meist bemerkt man sie schon aufgrund des Schmerzes und der Unannehmlichkeiten beim Stuhlgang ziemlich früh. Wenn man sich allerdings nicht sicher ist, sollte man auf jeden Fall professionelle Hilfe anfragen.

Viele gehen hier zuerst zum Frauenarzt oder Hausarzt, die eine gute Anlaufstelle sind. Meist wirst Du dann aber zu einem Proktologen, dem Arzt für Enddarm-Erkrankungen, geschickt, der aus offensichtlichen Gründen eine bessere Diagnose erstellen kann und auch eine passende Behandlung anbietet.

Methoden

Man erkennt Hämorrhoiden am einfachsten durch Ertasten. Oft kann der Arzt die knotenförmigen Vergrößerungen einfach fühlen und sie so erkennen.

Es gibt auch noch die Analspiegelung, die ein genaues Bild gibt und auch als Proktoskopie bekannt ist.

Eine weitere Methode zur Erkennung von Hämorrhoiden ist die Rektoskospie. Dies ist die Enddarmspiegelung, die ebenso hilfreich ist.

Eine Eigendiagnose kann erstellt werden, wenn die typischen Symptome wie Juckreiz oder Schmerzen auftreten, gegebenenfalls eine leichte Blutung nach dem Stuhlgang festgestellt wird oder ein Gefühl von unvollständiger Darmentleerung herrscht.

Bevor Du allerdings spekulierst, solltest Du auf jeden Fall einen Fachmann zu Rate ziehen. Manche Hämorrhoiden müssen nämlich sogar operativ entfernt werden.

Behandlung

Die Art der Behandlung wird vom Arzt abhängig vom Schweregrad des Leidens entschieden. Der Proktologe, der Arzt für Enddarm-Erkrankungen, stellt erstmal den Schweregrad fest und kann dann aufgrund dessen Wundsalben, Zinkpasten, pflanzliche Salben, wie Hamamelis oder Aloe Vera, Kortisonsalben oder lokale Betäubungsmittel verschreiben.

Bei schweren Graden kann er auch eine „Verödung„, eine Abschnürung, die Gummibandligatur, oder eine Operation anordnen. Man kann sich sicher sein, dass Hämorrhoiden mit der richtigen Behandlung wieder verschwinden und dass sie nur in sehr seltenen Fällen ein Dauerzustand sind.

Unterschiedliche Stufen von Hämorrhoiden

Hämorrhoiden 1. Grades

Der erste Grad ist die mildeste und häufigste Form der Hämorrhoiden. Sie sind noch nicht tastbar und können ausschließlich bei einer Analkanalspiegelung, oder auch Proktoskopie, sichtbar gemacht werden.

Hämorrhoiden 2. Grades

Hämorrhoiden zweiten Grades wölben sich beim Pressen nach außen und ziehen sich danach von alleine wieder in den Analkanal zurück.

Hämorrhoiden 3. Grades

Auch beim dritten Grad treten die Hämorrhoiden beim Pressen aus dem After aus. Man muss sie aber mit dem Finger zurückschieben, da sie sonst ihre Position nicht ändern würden.

Hämorrhoiden 4. Grades

Die schlimmste Form, der vierte Grad, ist dauerhaft außen am After sichtbar. Die Hämorrhoiden lassen sich nicht mehr in den Analkanal zurückschieben. Oft ragt auch etwas Analschleimhaut, die Analprolaps, heraus.

Meist sind der dritte und vierte Grad schon operationsbedürftig und können so entfernt werden.

Hämmorhoiden vorbeugen

Laut Dr. med. Mira Seidel ist die wichtigste Vermeidungstechnik eine ausgewogene Ernährung. Sie sollte viele Ballaststoffen wie Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Getreide enthalten. Neben einer ballaststoffreichen Ernährung ist ein regelmäßiger täglicher Stuhlgang, wobei wenig gepresst wird, notwendig. Ebenso solltest Du natürlich ausreichend trinken und täglich einer körperlichen Tätigkeit nachgehen.

Hämmorhoiden eigenständig behandeln

Hämorrhoiden des ersten Grades kannst Du nach Absprache mit dem Arzt man selbst behandeln. Generell gelten alle Regeln der Vorbeugung.

Außerdem ist es wichtig, darauf zu achten, den Stuhl so weich wie möglich zu halten, um den gesamten Vorgang zu erleichtern. So kannst Du etwa als Behandlung Leinsamen konsumieren und viel Wasser trinken.

Zusätzlich gibt es bespielsweise entzündungshemmende und juckreiz-stillende Sitzbäder, die man mit lauwarmen Wasser machen sollte.

Du kannst auch Zusätze wie Kamille, Arnica, Beinwell, Brennessel oder Eichenrinde in das Wasser geben. Lavendelöl hat außerdem eine heilende Wirkung.

Es gibt auch pflanzliche Hämorrhoiden-Salben oder –Zäpfchen, wie die Calendula- oder Hamamelissalbe. Diese bekommst Du rezeptfrei in der Apotheke.

Eine weitere Methode der Eigenbehandlung ist eine mit Quark oder geriebener rohen Kartoffel bestrichene Kompresse. Du kannst auch ausprobieren, eine Eispackung, wie Tiefkühlerbsen, mit einem Tuch zu umwickeln und aufzulegen.

Achte besonders auf eine gründliche Reinigung des Analbereiches bei jedem Stuhlgang mit lauwarmem Wasser. Feuchte Toilettentücher können durch ihre chemischen Zusätze reizen und so die Situation nur noch verschlimmern.

Vermeide alles, was den Druck im Beckenbereich erhöht. Darunter fällt zum Beispiel schweres Heben oder Pressen. Regelmässiger Beckenbodengymnastik allerdings kann als Vorbeugung und Eigenbehandlung sehr hilfreich sein.

Hämorrhoiden nach der Geburt

In den meisten Fällen bilden sich die Hämorrhoiden nach der Geburt einfach wieder zurück. Eine gezielte Entfernung der Hämorrhoiden, etwa durch eine Operation, ist deshalb im Allgemeinen nicht notwendig.

Oft kann es aber auch sein, dass sie erst nach der Geburt entstehen. Dies kann sein, da durch eine lange Pressphase während der Geburt bestehende Hämorrhoiden nach außen gedrückt werden und sich erstmals nach der Geburt bemerkbar machen oder sich neue bilden.

Je mehr Druck durch Gebärmutter und Kind auf die Blutgefäße ausgeübt wird, um so weiter stellen sie sich ein. Hinzu kann eine schwangerschaftsbedingte Verstopfung, der Obstipation, kommen. Unter Umständen dauert ihre Rückbildung bis zu mehreren Wochen.

Hämorrhoiden nach Dammriss

Ein Dammriss kann eine sehr schmerzhafte Erfahrung sein. Betroffen ist der Bereich zwischen Scheidenrückseite und Darmausgang.

Manchmal stößt das Gewebe bei einer Geburt einfach an seine Grenzen und dieser Bereich reißt trotz ausreichender Vorbereitung, wie eine Damm-Massage, ein. Dies macht Hämorrhoiden umso schmerzhafter und Du solltest besonders vorsichtig mit deinem Körper umgehen, damit dieser in Ruhe heilen kann.

Fazit zu Hämorrhoiden während der Schwangerschaft und nach der Geburt

Alles in allem kann gesagt werden, dass Hämorrhoiden in unserer Gesellschaft leider noch ein sehr großes Tabuthema sind, man sich aber auf keinen Fall dafür schämen sollte. In den meisten Fällen gehen sie von selbst weg, je nach Schweregrad müssen sie aber manchmal operativ entfernt werden. Es gibt viele Tips, dieses Leiden vorzubeugen und auch viele Hausmittel, die helfen können. Generell sollte man aber immer einen Arzt befragen.

Falls Du von Hämorrhoiden in der Schwangerschaft oder nach der Geburt betroffen bist, wünsche ich Dir eine gute Genesung und hoffe, diese Tipps helfen Dir weiter.

 

Bild:

©siam.pukkato / bigstock.com

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Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

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