Kleinkind

Kita-Kritik: Warum Kitas keine natürliche Umgebung für die Entwicklung des Kindes sind

Kita Kritik von Matthias Falkus

Fast alle Kinder in Deutschland zwischen drei und sechs Jahren gehen heutzutage in den Kindergarten. Bei den zweijährigen Kindern beträgt die Betreuungsquote mittlerweile auch schon sechzig Prozent und selbst bei den Einjährigen wird bereits jedes dritte Kind in einer Einrichtung von ihm fremden Personen versorgt.

Kindergarten & „Frühkindliche Bildung“

Die Betreuung von Kindern im Vorschulalter ist in den letzten zwanzig Jahren in Deutschland massiv ausgebaut worden. Der Werbeslogan, der diese Entwicklung ermöglicht hat, lautet „frühkindliche Bildung.“

Kindergarten und frühkindliche Bildung: Der eine Begriff suggeriert Natürlichkeit der Betreuungseinrichtung, der andere Notwendigkeit, soll das eigene Kind im Bildungswettbewerb bestehen können.

Doch sowohl an der Natürlichkeit von Kindergärten, als auch an der Notwendigkeit von frühkindlicher Bildung dürfen erhebliche Zweifel angebracht werden.

Die Enstehung des Kindergartens

Die ersten Betreuungseinrichtungen für Kinder unter sechs Jahren entstanden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Als Massenphänomen für die Mehrheit der Vorschulkinder sind Kindergärten erst seit wenigen Jahrzehnten relevant.

Im 19. Jahrhundert kam es durch ein hohes Bevölkerungswachstum zu Massenarmut, dem sogenannten Pauperismus. Dadurch waren auch Mütter von Kleinkindern zunehmend gezwungen, außer Haus Lohnarbeit zu leisten. Die Kinder im Vorschulalter wurden nicht selten zu Hause den ganzen Tag über eingesperrt oder auf der Straße sich selbst überlassen.

Um die Verwahrlosung wenigstens einiger Kinder zu verhindern, wurden die ersten Kindergärten gegründet. Kindergärten entstanden also als Reaktion darauf, dass Mütter aufgrund von Armut zur Lohnarbeit gezwungen waren und ihre Kinder nicht mehr beaufsichtigen konnten.

Der Arbeitsmarkt braucht die Eltern – Je früher, desto besser

Und genau diese Entwicklung wiederholt sich heute mit den noch kleineren Kindern. Auch die Kinder-Krippen für unter Dreijährige werden ausgebaut, weil ihre Eltern für den Arbeitsmarkt benötigt werden. Deshalb ist es auch der Arbeitgeberverband, der mit auffallender Regelmäßigkeit den Ausbau der Krippenbetreuung fordert. Dass dem Arbeitgeberverband die Bildung von Kleinkindern am Herzen liegen würde, darf man wohl getrost dem Reich der Mythen zuordnen.

Die ursprüngliche, natürliche Umgebung, wie Kinder aufwuchsen

Dabei ist es doch ganz offensichtlich, dass Kindergärten keineswegs die ursprüngliche und deshalb natürliche Entwicklungsumgebung für Kinder sind. Man muss sich nur die Entstehungsgeschichte der Menschheit vor Augen halten. Über 99 Prozent der Menschheitsgeschichte lebten Menschen in Kleingruppen von etwa dreißig Personen, die meisten von ihnen Blutsverwandte oder angeheiratete Verwandte.

In diesen Gruppen kümmerten sich alle Mitglieder um die kleineren Kinder, alle Erwachsenen und auch die älteren Kinder. Die kleineren Kinder konnten sich die von ihnen bevorzugten Betreuer aus einer relativ großen Auswahl praktisch selbst aussuchen. Es gab überhaupt nur eine handvoll Kinder im Vorschulalter, die meisten Stammesmitglieder waren ältere Kinder und Erwachsene.

Schon wegen dieser Altersstruktur hatten die kleineren Kinder einen Sonderstatus. Am allabendlichen Lagerfeuer bildeten ihre Kapriolen das Unterhaltungsprogramm – in Ermangelung von Fernseher, Computer und Smartphone. Die Kleinen genossen Narrenfreiheit und nur wenige Kinder hatten das gleiche Alter, was die Konkurrenz unter ihnen begrenzte. Der Unterschied zu der sozialen Situation in Kindergärten könnte größer kaum sein.

Die erzwungene Unnatürlichkeit des Kindergartens

In Kindergärten werden Massen von gleich alten Kindern, die die gleichen Bedürfnisse haben und das auch noch meist zur gleichen Zeit, von einer Minderheit von Erwachsenen betreut. Niemand ist miteinander verwandt. Die Gemeinschaft löst sich jeden Nachmittag wieder auf.

Am Wochenende und in den Schließzeiten existiert sie gar nicht. Spätestens nach drei bis vier Jahren verlassen die Kinder den Kindergarten für immer.

Ältere Kinder, die in den ursprünglichen Gruppen während der letzten zwei Millionen Jahre der Menschheitsgeschichte auch wegen ihrer Vorbildfunktion für die kleineren Kinder eine herausragende Rolle bei deren Betreuung spielten, fehlen in Kindergärten gleich ganz.

Unsere heutigen Kindergärten haben nichts mehr damit zu tun, wie Kinder ursprünglich aufgewachsen sind. Der Begriff „Kindergarten“ ist deshalb zwar wohlklingend, weil er einen natürlichen Zustand suggeriert, aber irreführend.

Kindergärten sind nicht selten regelrechte Konkurrenzarenen, in denen mit harten Bandagen um die knappen Ressourcen Spielpartner, Spielzeug und Aufmerksamkeit der Betreuer, gekämpft wird. Hauen, Tränen und Ausgrenzungen eingeschlossen.

Wegen der meist räumlichen Enge können sich die Kampfhähne auch kaum aus dem Weg gehen. Dabei können Eltern davon ausgehen, dass sie nur einen Bruchteil des Streits, der in Kindergärten an der Tagesordnung ist, überhaupt mitbekommen, denn die Erzieherinnen sind natürlich darauf bedacht, einen harmonischen Schein zu wahren.

„Frühkindliche Bildung“ soll Kinder in die Krippen locken

Mit dem Begriff „Frühkindliche Bildung“ soll wiederum signalisiert werden, dass Kinder, die nicht so früh wie möglich Betreuungseinrichtungen besuchen, Bildungsdefizite erleiden und dadurch nahezu automatisch im Bildungswettbewerb benachteiligt würden.

Mit diesem Begriff soll Eltern jeder Zweifel genommen werden, dass der Besuch einer Kita vielleicht nicht das Richtige für ihr Kind sein könnte. Umgekehrt wird Eltern, die genügend Zeit, Gelegenheit und Interesse daran hätten, ihr Kind selbst zu betreuen, ein schlechtes Gewissen eingeredet.

Ein durch „frühkindliche Bildung“ angeblich entstehender Zuwachs an Konkurrenz- und Leistungsfähigkeit ist nur eine kaum zu begründende Behauptung.

„Antrainierte Bildung“ ist für Kleinkinder nicht angebracht

„Bildung“ ist ein Begriff, der aus dem Universitätsbereich stammt, und selbst da gibt es keine eindeutige Definition dafür. Aber das Wort klingt einfach gut. Welche Mutter und welcher Vater würden nicht wollen, dass ihr Kind „gebildet“ wird?

Doch der Begriff ist für das, was in Kindergärten geschieht und mehr noch für die Krippe, vollkommen unpassend. Gerade Kinder im Vorschulalter müssen nämlich gar nicht gebildet werden, sie benötigen keinen Unterricht wie in der Schule, um Schreiben, Lesen und Rechnen zu lernen.

Kinder im Vorschulalter müssen basale Entwicklungsaufgaben meistern: Sprechen lernen, Koordination von Wahrnehmung und Motorik, Sozialverhalten. Um das zu leisten, benötigen sie eine geeignete Entwicklungsumgebung, in sozialer und materieller Hinsicht.

In sozialer Hinsicht sind das wohlwollende Erwachsene (besser noch ältere Kinder, aber die fehlen ja, wie gesagt, in Kitas komplett), die sich auf Wunsch der Kinder mit ihnen beschäftigen und nicht nur dann, wenn gerade ein Termin für die „Arbeit“ am Sprachlerntagebuch eingeplant ist. Und wenn die Kinder lieber unter sich bleiben wollen, dann müssen sie dazu auch die Möglichkeit haben.

Die uralte pädagogische Zauberformel für Erziehende lautet deshalb: Ansprechbar sein, ohne sich aufzudrängen.

So können Kinder Selbständigkeit entwickeln, das hehre Ziel jeder Erziehung. Die Kinder müssen selbst entscheiden können, ob sie Hilfe in Anspruch nehmen oder lieber versuchen wollen, alleine zurecht zu kommen. Die Erziehenden sollten als Ansprech- und Interaktionspartner zur Verfügung stehen, sich auf Wunsch der Kinder aber auch im Hintergrund halten können. Doch der Alltag in Kindergärten sieht meist komplett anders aus.

Autorität und Gehorsam statt freier Entwicklung bei Kleinkinder

In der Regel bestimmen die Erwachsenen, wo es lang geht und meist haben sie auch das letzte Wort. Besonderes Pech haben die Kinder, die von den berüchtigten autoritären Erziehern und Erzieherinnen (meiner Einschätzung nach etwa zwanzig Prozent der Fachkräfte) betreut werden.

Eltern können nicht wissen, wie autoritär es in vielen Kindergärten zugeht, wenn sie den Tag über nicht anwesend sind, denn solange sich Eltern in Hörweite befinden (wofür jeder gestandene Erzieher einen sechsten Sinn entwickelt hat), haben die autoritären Erzieher und Erzieherinnen Kreide gefressen.

Autoritäre Hierarchie unter Kindergarten-Mitarbeiter

Nicht selten herrscht auch zwischen den Leitungskräften und ihren Mitarbeiterinnen eine ausgesprochen angespannte, autoritäre Arbeitsatmosphäre.

Ich bin als Quereinsteiger in diesen Beruf gelangt und hatte zuvor, auch als Student, schon viel Arbeitserfahrung in allen möglichen Branchen sammeln können. In keiner anderen Branche habe ich einen derart autoritären Befehlston von Leitungskräften gegenüber ihren Mitarbeitern erlebt, wie in fünf von sieben Kitas, in denen ich gearbeitet habe.

Nach außen hin wird allerdings alles getan, um diese oft bedrückende Arbeitsatmosphäre in Kitas zu verschleiern. Meiner Ansicht nach ist dieser autoritäre Umgang mit den Mitarbeiterinnen einer der Hauptgründe, für die hohe Fluktuation im Kindergartenbereich. Dabei ist doch gerade der ständige Wechsel von Betreuungspersonen für die Qualität der Betreuung in pädagogischen Einrichtungen reinstes Gift, vor allem für die ganz kleinen Kinder.

Seltsamerweise wird die hohe Fluktuation in Kindergärten in der pädagogischen Literatur aber fast gar nicht thematisiert. Dadurch können natürlich auch deren Ursachen nicht behoben werden. Probleme, die man gar nicht erst benennt, haben bekanntlich die unangenehme Tendenz, sich zu verfestigen.

Freie Entscheidungskraft muss der Unterordnung weichen

Außer bei der Wahl ihres Spielzeugs in den Freispielphasen (wenn es gerade nicht von anderen benutzt wird), können Kinder in Kindergärten kaum eigene Entscheidungen treffen. Ob ein Gesprächskreis ansteht oder ein Ausflug oder irgendeine sonstige Gemeinschaftsaktivität: Meistens müssen die Kinder daran teilnehmen, ob sie wollen oder nicht. Aber Gemeinschaft lässt sich nun einmal nicht erzwingen.

Wer regelmäßig an ungeliebten Gesprächskreisen teilnehmen muss, der entwickelt automatisch eine Aversion dagegen. Wer immer wieder schon in Kitas in allen möglichen Situation damit konfrontiert wird, sich übermächtigen Erwachsenen fügen zu müssen, der wird wahrscheinlich auch mit den entsprechenden negativen Erwartungen seine Schullaufbahn beginnen, bei der noch mehr Unterordnung gefordert ist.

Ich konnte bei meiner eigenen Tätigkeit in Kitas immer wieder beobachten, wie es gerade autoritäre Erzieher und Erzieherinnen durch ihren repressiven Erziehungsstil schafften, Kindern noch vor dem Schuleintritt jede freudige Erwartung an ihre neue Lernumgebung zu vergällen.

Dass der in Kitas vielfach praktizierte autoritäre Erziehungsstil eine wesentliche Ursache für aufmüpfige und aggressive Grundschüler sein könnte, kommt natürlich keinem der autoritär Erziehenden in den Sinn. Stattdessen wird gern behauptet, man wäre noch viel zu nachsichtig gewesen.

Kinder in Kindergärten können in der Regel noch nicht einmal frei wählen, ob sie draußen oder drinnen spielen wollen – falls die Kita überhaupt einen Garten besitzt, um diese alternativen Spielmöglichkeiten anzubieten. Welch ein Unterschied zum Aufwachsen in traditionellen Gesellschaften, in denen Kinder jederzeit selbst ihren Aufenthaltsort, zumindest in der Nähe der Lagerstätten, bestimmen können.

Sowohl hinsichtlich der sozialen Umstände, als auch hinsichtlich der räumlichen Gegebenheiten haben Kindergärten nichts mehr mit der Art des Aufwachsens zu tun, an die sich Menschenkinder in den letzten zwei Millionen Jahren angepasst haben. Kindergärten sind stattdessen in vielerlei Hinsicht als unnatürlich zu bezeichnen.

Problem-Ignoranz unter Pädagogen

Doch die Kindergartenpädagogik ignoriert das geflissentlich, denn sie ist nach wie vor „evolutionsblind“. Kein Pädagogik-Professor und keine Pädagogik-Professorin an den Universitäten und Hochschulen kümmert es, wie Menschenkinder während der Evolution der Menschheit aufgewachsen sind.

Für Pädagogik-Professoren sind Menschen einfach irgendwie „da“. Sie kommen angeblich als „tabula rasa“ zur Welt, als unbeschriebenes Blatt, und können dann beliebig geformt werden.

Als Maßstab dienen in der Pädagogik nicht die ursprünglichen Bedingungen, in denen Kinder aufwuchsen, sondern die Vorstellungen von Pädagogen, was für Kinder gut sein könnte.

Kein Wunder, denn in der Evolution fand Fremdbetreuung nur in den seltensten Fällen statt, und Pädagogik besteht ja vor allem aus der Organisation von Fremdbetreuung.

Wenn Pädagogik auch noch unsere evolutionäre Entstehungsgeschichte berücksichtigen würde, müssten Pädagogen erheblich um- und neudenken. Neues Denken: Das scheint dieser Berufsgruppe einfach nicht im Blut zu liegen!

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse werden kaum berücksichtigt

Die Evolutionsblindheit der Pädagogik erinnert wohl nicht zufällig an religiöse Vorstellungen, nach denen die ersten Menschen und das gesamte Universum vor sechstausend Jahren von einem übernatürlichen Wesen erschaffen wurden. Weder das Universum, noch das Leben, noch die Menschheit hätten demnach irgendeine Veränderung, irgendeine Evolution durchlaufen. Doch während nach den zahlreichen gegenteiligen Erkenntnissen aus den Naturwissenschaften, vor allem der Geologie, der Evolutionsbiologie und der Kosmologie, in den letzten zweihundert Jahren wohl niemand mehr an diese simple Entstehungsgeschichte des Universums glaubt, ist die Pädagogik in der vormodernen Zeit stecken geblieben.

Damit werden auch die aktuellen Erkenntnisse aus der Evolutions- und Bindungslehre ignoriert, denn sie passen nicht so ohne weiteres in das Konzept der Fremdbetreuung von Kleinkindern.

Die Erkenntnisse aus der Bindungslehre besagen, dass gerade kleine Kinder unbedingt verlässliche Betreuungspersonen benötigen. Zu den größten Problemen in der Krippenbetreuung gehört aber, wie bereits erwähnt, die hohe Fluktuation, also das ständige Wechseln der Betreuungspersonen.

Falsche Priorität: Systematisches Wachstum statt qualitativer Fokussierung

Weil aber der quantitative Ausbau der Betreuungskapazität von Krippenkindern Priorität hat, werden Einbußen bei der Qualität hingenommen.

Der Ausbau der Krippenbetreuung kommt einem Konjunkturprogramm für das Betreuungssystem gleich, von dem Buchverlage für pädagogische Literatur, Universitäten durch die Einrichtung neuer Studiengänge, Wirtschaftsunternehmen durch Erhöhung des Arbeitskräfteangebots, die Kita-Träger durch mehr Umsatz und die Kita-Erzieher durch die Erhöhung des Arbeitsplatzangebots bestens profitieren.

Für all diesen Profit müssen die Bedürfnisse der Kleinsten zurückstecken, was es allerdings zu verschleiern gilt, um den Betrieb am Laufen zu halten. Dafür dient der Begriff „frühkindliche Bildung“.

Fatale Folgen durch Stress bei Kindern verursacht durch Fremdbetreuung

Dabei kann man bereits seit Ende der 1990er Jahren objektiv messen, wie viel Stress die Betreuung in großen Gruppen von fremden Personen gerade für die ganz kleinen Kinder bedeutet, und zwar mittels des Cortisolspiegels im Speichel. Der sieht bei den Kleinen in Kinderkrippen aus wie bei hoch gestressten Managern.

In den ersten beiden Lebensjahren kann chronischer Stress sogar zu dauerhaften Genveränderungen führen, die die Entstehung von Depressionen, Suizidgefahr, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettsucht und Krebs begünstigen können. Eine Gruppe von Kinderärzten hat deshalb auf dem Bielefelder Kongress von 2012 Empfehlungen formuliert, die die Gesundheitsgefahr durch zu frühe Fremdbetreuung minimieren kann.

Diese 3 Empfehlungen zur Stressreduzierung lauten:

  1. Keine Gruppenbetreuung für Kleinkinder unter 2 Jahren
  2. Für Kinder zwischen 2 und 3 Jahren maximal Halbtags-Betreuung
  3. Erst ab 3 Jahren sollten Kinder längere Zeit fremdbetreut werden, aber auch nur, wenn sie selbst dafür bereit sind (!)

Mehr dazu kann man in diesem PDF nachlesen.

Ob Kinder wirklich dafür bereit sind, merken ihre Eltern daran, ob sie dauerhaft gerne oder zumindest überwiegend gerne in den Kindergarten gehen. Ist das nicht der Fall, sollten Eltern nicht ihren Kindern die Schuld dafür anlasten, denn wie oben ausgeführt, sind Kindergärten keine natürlichen Entwicklungsumgebungen für Kinder.

Was sich unbedingt am Kita-Betrieb ändern muss

Auch wenn vielleicht ein anderer Eindruck entstanden sein mag: Ich bin keineswegs generell gegen Kindergärten. Es gibt durchaus schöne Einrichtungen, in denen engagierte Fachkräfte arbeiten und die Kinder sich wohlfühlen. So soll es sein: Das Wohlbefinden der Kinder muss der Maßstab sein.

Doch all die hochtrabenden Begriffe, wie „Bildungsprogramm“ oder die sogenannten pädagogischen Ansätze sind mehr Schall und Rauch als Substanz. Eltern merken, ob ihr Kind gerne in die Kita geht.

Wenn das Kind sich weigert und nicht gerne in die Kita geht, liegt die Schuld dafür in der Regel beim Engagement der Fachkräfte oder einer autoritären Arbeits- und Erziehungsatmosphäre. Eltern wird in der Regel ein harmonisches Gesamtbild der Einrichtung präsentiert, das sich aber gründlich ändern kann, sobald sie die Kita morgens wieder verlassen haben. Maßstab ist aber allein das Wohlbefinden des Kindes, nicht die pädagogische Propaganda.

Welchen Stress die Konkurrenz unter großen Gruppen Gleichaltriger auslösen kann, zeigt ein aktueller tragischer Fall von Schülermobbing, über den Anfang Februar 2019 in den Medien berichtet wurde: Eine elfjährige Schülerin hat sich in Berlin-Reinickendorf das Leben genommen und der vermutete Grund dafür war Mobbing durch ihre Mitschülerinnen. Das zeigt ganz allgemein, wie stark der Konkurrenzdruck in homogenen Gruppen werden kann.

Eine große Anzahl an gleichaltrigen Kindern und Jugendlichen erhöht enorm die Konkurrenz unter ihnen und das gleiche gilt für Kindergruppen in Kindergärten. Auf den ersten Blick könnte man meinen, die hohe Anzahl von gleich alten Kindern wäre ein Vorteil, weil dadurch eine große Auswahl an Spielpartnern entstünde. Doch das genaue Gegenteil ist meist der Fall:

Die meisten Kinder spielen nur mit wenigen anderen Kindern gerne, oft nur mit einem oder zwei anderen. Wenn die dann aber schon mit anderen Kindern spielen, sind Streit und Ausgrenzung vorprogrammiert.

Deshalb hier nochmal meine wesentlichen Kritikpunkte zum heutigen Kita-Betrieb zusammengefasst:

  1. Kindergärten sind entstanden, weil durch die wirtschaftliche Entwicklung eine Betreuung durch die eigenen Eltern nicht mehr möglich war.
  2. Vorrang hatte die wirtschaftliche Entwicklung, nicht das Wohl von Kindern.

Warum sollte sich daran bei der Entstehung der Krippenbetreuung etwas geändert haben?

Fremdbetreuung von Vorschulkindern ist ein konjunkturunabhängiges Business, mit dem viel Geld umgesetzt wird.

Notwendige Vorraussetzung ist natürlich, dass Eltern ihre Kinder bereitwillig fremden Personen anvertrauen. Um das Vertrauen der Eltern zu sichern, behaupten Kita-Erzieherinnen und Leiterinnen gerne, man bräuchte eine pädagogische Ausbildung, um Kinder erziehen zu können. Das verunsichert viele Eltern, die ja in der Regel keine pädagogische Ausbildung haben.

Aus meiner langjährigen Berufserfahrung als Kita-Erzieher kann ich versichern: Man benötigt keine pädagogische Ausbildung, um Kinder erziehen zu können.

Man benötigt stattdessen für die Erziehung von Kindern drei Eigenschaften, die man durch keine Ausbildung vermittelt bekommt:

  1. Empathie
  2. Sympathie
  3. Gesunder Menschenverstand

Warum das so ist, erfährt man in meinem Buch: Die Kita-Katastrophe.

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Die Kita-Katastrophe: Was in Kindergärten wirklich vor sich geht, wenn die Eltern nicht dabei sind
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* Zuletzt aktualisiert am 18. June 2019 um 02:29 . Alle hier angezeigten Preise können sich inzwischen geändert haben. Alle Angaben ohne Gewähr.

Über Matthias Falkus

Kita-Kritik: Warum Kitas keine natürliche Umgebung für die Entwicklung des Kindes sind

Für den Autor war der ursprüngliche Grund im Kindergarten zu arbeiten, mehr über die Entstehung der individuellen Sprachfähigkeit bei Kindern zu erfahren und zu sehen, ob man daraus Rückschlüsse auf die evolutionäre Entstehung der Sprachfähigkeit beim Menschen ziehen kann. Im Laufe seine Kita-Tätigkeit ist dem Autor dann aufgefallen, dass die evolutionäre Entstehungsgeschichte des Menschen in der Pädagogik keine Rolle spielt. Außerdem brachte er kaum die Darstellungen über den Kita-Alltag in der pädagogischen Literatur mit der Realität in Übereinstimmung.
Die größte Überraschung bei seiner Arbeit als Kita-Erzieher war für ihn der rauhe Umgangston, den einige Erzieherinnen und Erzieher gegenüber den Kindern, sowie einige Leitungskräfte gegenüber ihren Mitarbeitern anschlugen. Die autoritäre Arbeits- und Erziehungsatmosphäre, die in einigen Kita herrscht, hält er für die größte Beeinträchtigung bei der Betreuungsqualität.

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Matthias Falkus, studierte Informatik, Medienwissenschaften (Diplom) und Philosophie, bevor er die staatliche Anerkennung zum Erzieher erwarb und in insgesamt sieben verschiedenen Kitas arbeitete. Gleichzeitig ist er Autor des Buches "Die Kita-Katastrophe".
Webseite: matthias-falkus.de

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