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Wie kann man das Kinderzimmer sicher machen? Gefahrenquellen finden und eliminieren

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Natürlich hatte ich mir vor der Geburt Gedanken über die Sicherheit im Haushalt gemacht. Wir hatten Türstopper und Steckdosenschutz besorgt und fühlten uns auf das Gröbste vorbereitet. Damals waren mir allerdings zwei Dinge nicht klar: Für kleine Babys muss man das Kinderzimmer überhaupt nicht sicher machen, denn sie bewegen sich noch nicht eigenständig. Und: Es gibt viel mehr Gefahrenquellen als nur Steckdosen und Türen. Kabelsalat auf dem Boden, Stolperfallen im Dunkeln, oder ein Sturz aus dem Familienbett zum Beispiel. Vor allem bei einem sehr aktiven Kleinkind wie unserem war es wichtig, unsere Wohnung von Anfang an sicher zu gestalten, damit unser Sohn sich frei in den eigenen vier Wänden bewegen kann, ohne dass wir Eltern ihn stets überwachen müssen. Worauf also musst Du bei der Einrichtung sowie im Alltag achten, damit Dein Kind in der Wohnung und im eigenen Zimmer sicher spielen und schlafen kann?

Sicherheit im Kinderzimmer ist das A und O: Von Beginn an bis zum Schluss

Die meisten Eltern richten das Kinderzimmer bereits vor der Geburt ein. Klar, nun haben sie noch Zeit und Nerven, um sich mit Möbelfragen oder der gewünschten Wandfarbe zu beschäftigen. Ist das Kind erst einmal da, bleiben dafür nur noch wenig Kapazitäten. Das mag zwar die richtige Vorgehensweise sein, doch viele Eltern machen dabei genau zwei Fehler:

  1. Einerseits achten sie nur auf gestalterische Aspekte, nicht oder zu wenig aber auf die Sicherheit im Kinderzimmer.
  2. Andererseits denken sie ausschließlich an die ersten Monate. Doch das Kind wächst heran, sein Bewegungsradius wächst und mit diesem auch seine Neugierde. Plötzlich steckt der Finger doch in der Steckdose, was bei einem Säugling noch unmöglich war.

Wenn Du ein Kinderzimmer einrichten möchtest, in dem Dein Kind später wirklich unbeaufsichtigt spielen kann, macht es also Sinn, das Konzept für das Kinderzimmer von Vornherein sorgfältig zu planen und dabei die Sicherheitsfragen nicht nur für die ersten Monate, sondern für alle folgenden Lebensjahre des Kindes zu planen. Ansonsten musst Du in regelmäßigen Abständen erneut prüfen, ob Du etwas vergessen hast und es plötzlich Sicherheitslücken im Kinderzimmer gibt, weil der oder die Kleine nun laufen oder klettern kann.

Vergisst Du das im Trubel zwischen Kindergarten, vielleicht einer neuen Schwangerschaft, der Arbeit oder dem Haushalt, kann das schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Die Sicherheit im Kinderzimmer sollte nicht auf die leichte Schulter genommen und von Vornherein mit eingeplant werden. Aber worauf genau musst Du dabei achten?

Wie wichtig ist Kindersicherheit im Kinderzimmer für welches Alter?

Kindersicherheit spielt natürlich nicht nur im Kinderzimmer eine tragende Rolle, sondern in der gesamten Wohnung sowie im Garten. Krabbelt Dein Kind beispielsweise gerne in der Nacht zu den Eltern ins Bett, muss auch der Weg vom Kinder- in das Elternschlafzimmer möglichst gefahrenfrei gestaltet werden.

Spätestens, wenn sich das Kind selbstständig fortbewegen kann, musst Du also auch die anderen Wohnräume neben dem Kinder- und Spielzimmer auf ihre Kindersicherheit überprüfen. Wann die Sicherheitsmaßnahmen in welchem Bereich besonders wichtig sind, hängt demnach zu großen Teilen vom jeweiligen Alter des Kindes ab.

Wie kann man das Kinderzimmer sicher machen für Babys?

Säuglinge schlafen im Idealfall nicht im eigenen Zimmer. Die meisten Eltern lassen mittlerweile das Kind wie wir im Familienbett oder neben dem eigenen Bett im Beistellbett schlafen. Die Gründe liegen auf der Hand: Wenn das Kind mehrmals pro Nacht wach wird und gestillt oder gewickelt werden muss, ist das anstrengend genug. Jedes Mal das Zimmer zu wechseln, würde die Sache nicht stressfreier gestalten. Und natürlich ist es aus psychologischer Sicht für das Baby wertvoll, der Mutter möglichst nah zu sein. Das sorgt langfristig also für den erholsameren Schlaf für alle Beteiligten.

Denn Sicherheit bedeutet in diesem Alter vor allem die elterliche Nähe.

Worauf Du in dieser Phase besonders achten musst, ist die Sicherheit des Kindes im Schlaf. Einerseits darf es in der Nacht nicht aus dem Bett zu fallen drohen. Andererseits sollte das Baby wenn möglich auf dem Rücken schlafen. Denn in dieser Position kann es am besten atmen. Studien zum plötzlichen Kindstod geben Hinweise, dass die Rückenlage und eine ausreichende Durchlüftung des Babybettes dem plötzlichen Kindstod vorbeugen kann. Außerdem dürfen keine losen Textilien wie Decken, Kissen oder ein „Schnuckeltuch“ im Babybett liegen. Diese könnten die Atemwege des Kindes überdecken und zum Ersticken führen.

Tagsüber ist Dein Baby in Deiner unmittelbaren Nähe, also direkt am Körper in einem Tragetuch oder einer Babytrage oder auf Deinem Arm am besten aufgehoben. Wenn es schläft, liegt es am sichersten in einem Stubenwagen oder einer Wiege. Einerseits hast Du es so stets im Blick und es kann nicht herausfallen oder anderen Gefahrenquellen nahekommen. Andererseits fühlt es sich in einem eher engen – aber natürlich nicht zu engen – Schlafplatz sicher und geborgen. Auch eine optische Begrenzung wie ein Kurzhimmel kann das Sicherheitsgefühl des Kindes in diesem Alter verstärken.

Wie kann man das Kinderzimmer sicher gestalten für Babys im Krabbelalter?

Im Krabbelalter beziehungsweise sobald sich das Kind eigenständig fortbewegen kann, beispielsweise durch Robben oder Rollen, erweitert sich der Radius des Babys und damit müssen auch umfassendere Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Spätestens jetzt solltest Du zur Sicherheit in allen Räumen die Gefahrenquellen eliminieren. Das Thema Kindersicherheit gewinnt jetzt zunehmend an Bedeutung.

Mobile Babys krabbeln überall hin und stecken sich alles in den Mund.

Kindersicheres Zimmer für Kleinkinder ab ca. 2 Jahren

Ab etwa dem zweiten Lebensjahr schlafen viele Kinder in ihrem eigenen Zimmer. Sie bewegen sich also nicht mehr nur tagsüber, sondern auch in der Nacht eigenständig innerhalb ihres Kinderzimmers – ebenso wie außerhalb. Wie bereits erwähnt, schleichen sich viele Kinder nachts zu ihren Eltern oder sie wechseln am Tag eigenständig die Räume und Du kannst sie nicht mehr rund um die Uhr im Auge haben. Auch hier steht also nicht nur die Kindersicherheit im Kinderzimmer im Fokus, sondern in allen Wohnräumen.

Kleinkinder sind experimentierfreudiger und mutiger, können aber nicht alle Gefahren richtig einschätzen.

Sicheres Kinderzimmer für Schulkinder

Ab dem Schulalter sind Kinder in der Lage, viele Gefahrensituationen selbstständig zu erkennen und zu vermeiden – zumindest in ihrem Kinderzimmer. Zwar solltest Du das Thema Kindersicherheit nun keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen, jedoch geht es jetzt vermehrt um Problematiken wie den Schulweg oder das eigenständige Spielen im Garten. Ab dem Schulalter verlagert die Bedeutung der Kindersicherheit im Kinderzimmer, denn ab jetzt werden andere Themen wie zum Beispiel der kindgerechte Medienkonsum immer wichtiger.

Welche Gefahren drohen in einem ungesicherten Kinderzimmer?

Worauf aber solltest Du nun konkret achten, wenn Du die Wohnung oder das Kinderzimmer von Anfang an kindersicher machen möchtest? Bei der kindersicheren Gestaltung der Wohnräume gibt es einige Gefahrenquellen zu berücksichtigen. Die häufigsten Gefährdungen im Kinderzimmer sind diese hier:

Fehlende Rauchmelder

In allen 16 deutschen Bundesländern gilt für sämtliche Neubauten und zunehmend auch für Bestandsbauten die sogenannte Rauchmelderpflicht. Wo die Rauchmelder angebracht werden müssen, schwankt hinsichtlich der Regelungen von Bundesland zu Bundesland. Sinnvoll ist es aber so oder so, einen Rauchmelder im Kinderzimmer zu installieren. Im Brandfall wirst Du dadurch mit höherer Wahrscheinlichkeit rechtzeitig auf die Gefahr aufmerksam, um das Kind unbeschadet aus der Situation retten zu können.

Ungeschützte Steckdosen

Eine falsche Berührung und die Steckdose kann zur echten Gefahrenquelle für Dein Kind werden. Steckdosen gibt es jedoch in allen Räumen und somit garantiert auch im Kinderzimmer – zumeist in einer Höhe, welche bereits robbende oder krabbelnde Babys erreichen könnten. Du solltest deshalb frühzeitig eine Kindersicherung in allen Steckdosen anbringen. Diese kostet nur wenige Cent, kann aber im wahrsten Sinne des Wortes Leben retten.

Finger in der Steckdose
Wenn Das Kind den Finger in die Steckdose hält, bleibt vielen Eltern fast das Herz stehen. Deshalb ist es vielleicht gut zu wissen, dass dabei nichts passieren kann. Denn damit aus der Steckdose tatsächlich strom fließt, muss ein leitender Gegenstand weit genug hinein reichen. Wenn Du Dir mal die Länge und den Durchmesser eines Steckers ansiehst, dann sind selbst ganz kleine Babyfinger dafür zu dick. Beim Griff in die Steckdose kann daher nichts passieren. Natürlich macht es trotzdem Sinn, Deinem Kind von Anfang an beizubringen, dass es sich von Steckdosen fern hält. Denn dadurch verringert sich die Gefahr, dass es später versucht, lange, dünne Gegenstände in das entsprechende Loch zu stecken, wenn es eine ungesicherte Steckdose findet.

Unfallgefahr bei Möbeln

Schwere Schränke, ein Schaukelstuhl oder die hohe Topfpflanze – in vielen Zimmern gibt es Möbel beziehungsweise Einrichtungsgegenstände, die bei falscher Belastung umzukippen drohen. Ein Kind weiß das aber noch nicht. Es lehnt sich vielleicht unbedacht an oder fällt und versucht sich irgendwo festzuhalten. Sowohl hohe als auch schwere Möbel, Pflanzen & Co, musst Du deshalb entweder entfernen oder sichern. Einen hohen Schrank beispielsweise kannst Du mit etwas handwerklichem Geschick in die Rückwand dübeln. Im Kinderzimmer empfiehlt sich zudem von Vornherein der ausschließlich Kauf von standsicheren Möbeln.

Fehlendes Bettgitter

Kinder drehen sich häufig im Schlaf um und „wandern“ nicht selten quer durch das Bett – und dabei manchmal auch aus dem Bett. Das Gehirn muss erst lernen, wo die Grenze ist und wie es den Körper selbst vor dem Herausfallen schützt. Bis es so weit ist, musst Du Unterstützung leisten, indem Du ein Bettgitter anbringst oder das Kind anderweitig vor einem Sturz schützt. Einige Eltern bevorzugen eine simple Matratze auf dem Boden für ihre Kinder, während andere auf das klassische Gitterbett zurückgreifen. Möglichkeiten hast Du prinzipiell viele. Hauptsache, das Kind schläft sicher und geborgen.

Scharfe Kanten

Einige Möbelstücke haben, ebenso wie Heizungen oder andere Einrichtungsgegenstände, scharfe Kanten. Vor allem auf Kopfhöhe sind diese unbedingt durch einen Kantenschutz zu sichern, damit sich das Kind bei einem Sturz keine Platzwunden am Kopf oder andere Verletzungen zuziehen kann.

Heiße Lampen

Im Kinderzimmer bringst Du am besten ausschließlich eine Deckenlampe an. Wieso? Ganz einfach: Steh- oder Tischlampen drohen einerseits umzufallen und das Kind dabei zu verletzen oder in Einzelteile zu zerbrechen. Andererseits werden manche Lampen immer noch unglaublich heiß, wenn sie eine Zeit lang eingeschaltet bleiben. So droht beim Anfassen Verbrennungsgefahr. Die sicherste Lösung ist demnach eine Lampe außerhalb der Reichweite des Kindes – beispielsweise eben an der Decke oder der Wand. Wenn es unbedingt eine Lampe auf Kinderhöhe sein muss, achte darauf, dass sie mit LED-Birnen betrieben wird und keine zerbrechlichen Teile aus Glas enthält. Unser Sohn war nicht mal ein Jahr alt, als er das erste Mal unsere Nachttischlampe innerhalb weniger Sekunden in ihre Einzelteile zerlegt und an sich an der heißen Glühbirne verbrannt hat.

Dunkelheit

Letzteres eignet sich in Form einer indirekten LED-Beleuchtung, um „Schlafwandler“ in der Nacht vor Stürzen zu bewahren. Du kannst einen Bewegungsmelder anbringen, sodass die Wege – beispielsweise ins Elternschlafzimmer – ausgeleuchtet sind, wenn das Kind in der Nacht aufsteht.

Herumliegende Plastikverpackungen und -tüten, Kordeln und Schnüre

Entferne Plastiktüten und Plastikverpackungen jeder Art aus dem Kinderzimmer. Hier droht akute Erstickungsgefahr. Auch längere Schnüre, Kordeln oder ähnliches haben in der Nähe unbeaufsichtigt spielender Kinder nichts zu suchen. Wenn sie sich diese um den Hals wickeln und der Sauerstoff weniger wird, versuchen sie diese durch ziehen zu entfernen – und strangulieren sich dadurch immer mehr.

Offene Fenster

Befindet sich das Zimmer der Kinder nicht im Erdgeschoss, sondern im ersten Stock oder sogar höher, musst Du unbedingt die Fenster kindersicher machen. Die Neugierde treibt ältere Kinder, welche selbstständig die Fenster erreichen und öffnen können, nämlich immer wieder dazu, sich sprichwörtlich zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, zum Beispiel spezielle Kindersicherheitsfenster oder einen kindersicheren Verschlussmechanismus damit die Kinder das Fenster nicht auf eigene Faust öffnen können.

Defekte Elektronik

Immer mehr Spielzeug ist heutzutage mit Elektronik ausgestattet, sodass bei Defekten unter Umständen Stromschlaggefahr besteht. Dementsprechend wichtig ist es, dass Du bereits beim Kauf von elektronischen (Spiel-) Waren für die Kinder auf einen hohen Qualitätsstandard achtest. Das gilt natürlich nicht nur für elektronische Spielsachen, sondern im Allgemeinen sollte darauf geachtet werden, dass die Spielsachen altersgerecht und qualitativ hochwertig sind. Weiterhin solltest Du diese in regelmäßigen Abständen auf ihre Unversehrtheit überprüfen und gegebenenfalls entsorgen oder reklamieren.


Bildquellen:

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Bild 2 Fotolia.com © pololia #179873763

Bild 3 Fotolia.com © Marco2811 #90327166

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Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

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