Familie

Wie schwer darf eine Schultasche sein?

Wie schwer darf ein schulranzen sein

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Jeden Morgen gegen halb acht machen sie sich auf den Weg. Fröhlich plaudernd, manchmal auch heftig diskutierend oder sogar zankend marschieren die kleinen Bleistiftkrieger zur Schule. Auf ihrem Rücken balancieren sie alles, was sie für den Tag in der Schule brauchen werden. Hefte, Bücher, Mäppchen, Turnsachen, ein paar Leckereien für die Pause und im Idealfall auch die Hausaufgaben. Als Erwachsener frage ich mich manchmal, wie diese Kinder es Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr schaffen, diese Tonnenlast zur Schule und wieder zurück zu schleppen. Kann das gesund sein? Ist das nicht ein wenig zu viel des Guten? Ich selbst hatte das Glück, eine Montessori-Schule zu besuchen, wo wir außer Pausenbrot und vielleicht ein paar Blätter nichts zur Schule und zurück tragen müssen. Meine Schultasche war sicherlich nie zu schwer. Doch wie ist das eigentlich, ab wann ist der Rucksack für ein Kind eigentlich zu schwer? Und was sind die Folgen?

Zu schwere Schultaschen führen zu gesundheitlichen Problemen und Rückenschmerzen

Schulranzen sind im wahrsten Sinne des Wortes ein schweres Thema. Vor allem bei Grundschülern machen sich Eltern und Kinderärzte mittlerweile große Sorgen darüber, was die schwere Last den noch sehr formbaren kleinen Rücken kurz- und langfristig antun kann.

Grund dafür ist die nicht von der Hand zu weisende Tatsache, dass Haltungsprobleme durch eine geschwächte Rückenmuskulatur und damit einhergehende Rückenschmerzen in den letzten Jahren auch bei Kindern und Jugendlichen eher zugenommen haben. Bei Schulkindern führt die hohe Last der gefüllten Schulranzen dazu, dass sich die Dicke der Bandscheiben verringert und sich die untere Wirbelsäule verkrümmt.

Das Bayerische Kultusministerium hingegen hält an der von 1915 für Soldaten erhobenen Empfehlung fest, dass Schulranzen nicht schwerer als 10-15% des Körpergewichts wiegen sollten und verweist noch darauf, dass die Rückenprobleme eher von zu wenig Bewegung im allgemeinen kommen und nichts mit dem Gewicht der Schulranzen zu tun habe.

Gibt es ein Gesetz für das Maximalgewicht?

Vor allem Teenager tragen im Schnitt viel zu schwere Rucksäcke im Vergleich zu ihrem Körpergewicht und ihrer Statur, wie das Internetportal aponet.de unter Berufung auf eine Studie im Fachblatt Archives of Disease in Childhood berichtet.

Mehr als 10 bis 15 Prozent des eigenen Körpergewichtes tragen Schüler der Studie zufolge demnach täglich auf dem Rücken um damit eine Last, die zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Zwar ist der Zusammenhang zwischen Problemen mit der Rückengesundheit bei Kindern und der Überschreitung eines bestimmten Prozentsatzes an Tragegewicht in Relation zum Körpergewicht bislang medizinisch nicht eindeutig belegt, verschiedene Studien legen allerdings nahe, dass die kindliche Rückengesundheit durch eine tägliche Über- oder Fehlbelastung durchaus beeinträchtigt werden kann.

Ein Gesetz dafür gibt es dennoch nicht, stattdessen aber Empfehlungen. Die Kinderkommission des Deutschen Bundestages hat hierzu eine Gewichts Staffelung eingeführt:

Körpergewicht Ranzenhöchstgewicht
18 bis 23 kg  2,2 bis 2,8 kg          
24 bis 28 kg 2,9 bis 3,4 kg
29 bis 33 kg 3,5 bis 4,0 kg
34 bis 38 kg 4,1 bis 4,6 kg
39 bis 43 kg 4,7 bis 5,2 kg
44 bis 48 kg 5,3 bis 5,8 kg
49 bis 53 kg 5,9 bis 6,4 kg
54 bis 58 kg 6,5 bis 7,0 kg

Typische Auswirkungen einer falschen und zu hohen Belastungen sind vor allem Haltungsschäden und Veränderungen des Gangbildes, was zu einer Beeinträchtigung des Haltungs- und Bewegungsapparates bis hin zu chronischen Erkrankungen wie eine Skoliose oder eine chronische Verspannung der Muskeln im Lendenwirbelbereich führen kann.

Besorgte Eltern und Erziehungspersonen schreien bei solchen Informationen verständlicherweise auf. Allerdings lohnt es sich, genau hinzuschauen und den Schulranzen nicht pauschal zu verurteilen, denn es gibt heute viele Modelle, die den Kinderrücken optimal entlasten können.

Der richtige Schulranzen als gesunder Wegbegleiter

Ganz ehrlich, welcher Elternteil hat nicht schon mindestens einmal tief geseufzt oder überrascht aufgestöhnt, wenn er seinem Kind morgens beim Anziehen des Schulranzens hilft und sich ernsthaft fragen muss, ob da wirklich nur die nötigen Schulutensilien für den Tag drin sind oder ob der Nachwuchs vielleicht doch noch schnell ein paar Wackersteine nachgefüllt hat. Kinderschulranzen sind schwer, viel zu schwer eigentlich. Mit einem richtig guten Schulranzen lässt sich das Gewicht aber so gut wie möglich auf die kleinen, tapferen Schultern und den Rücken verteilen.

Wie soll er also sein, der perfekte Begleiter für den Schulalltag?

Da wäre zunächst einmal das Leergewicht des Schulranzens. Es sollte 1,5 Kilogramm auf keinen Fall überschreiten, denn der Tornister soll zwar reichlich Fassungsvermögen haben, selbst aber nach Möglichkeit ein Leichtgewicht sein.

A propos Fassungsvermögen: Gute Schulranzen fassen ungefähr 12 bis 15 Liter in ihrem Innenraum. Mehr sollte es aber nicht sein, denn sonst wird der Inhalt schnell zu schwer. Inzwischen haben sich Anbieter auch auf möglichst leichte Schulranzen Modelle verlegt.

Bildquelle: schulranzen.net

Außerdem sollte der Innenraum so konzipiert sein, dass sich das größte Fach möglichst nah am Rücken befindet. Hier werden erfahrungsgemäß die schwersten Gegenstände wie zum Beispiel die dicken Schulbücher platziert und die sollten so nah wie möglich am Rücken getragen werden, damit das Gewicht nicht nach hinten zieht und Haltungsschäden verursacht.

Besonders das Rückenteil des Schulranzens sollte außerdem aus atmungsaktivem Material bestehen, damit ein unangenehmer Hitze- und Feuchtigkeitsstau vermieden werden kann. Mit einer guten Polsterung kann das Rückenteil Schultern und Wirbelsäule zusätzlich entlasten.

Das A und O eines guten Schulranzens sind die Tragegurte. Sie sorgen nämlich dafür, dass das Gewicht möglichst gleichmäßig auf Schultern und Rücken verteilt wird und es nicht zu einer zu einseitigen Belastung kommt, die zu Rückenschmerzen führen kann. Ein ergonomisch sinnvoller Schultergurt ist gut gepolstert und mindestens 4 Zentimeter breit.

Damit der Schulranzen auch mitwachse und sich an die jeweilige Statur des Kindes anpassen kann, sollten Eltern beim Kauf auch darauf achten, dass sich die Schultergurte problemlos und mit wenigen Handgriffen verstellen lassen.

Ideal ist es, wenn das Kind die Anpassungen auch selbst vornehmen kann, zum Beispiel, wenn es im Laufe des Tages feststellt, dass die Schultergurte drücken, weil sie nicht optimal eingestellt sind. Zusätzliche Entlastung bietet übrigens ein Hüftgurt, über den sich ein Teil des Gesamtgewichtes von den Schultern auf die Hüfte verlagern lässt.

Um die Wirbelsäule zusätzlich entlasten zu können, sollte ein guter Schulranzen außerdem über eine ergonomische Konturierung verfügen. Seitliche Erhöhungen sorgen außerdem für einen festen Sitz am Rücken und damit für mehr Stabilität in der Belastung des Bewegungsapparates. So konzipiert kann ein Schulranzen durchaus auch einen positiven Effekt auf die Muskulatur und den Haltungs- und Bewegungsapparates von Kindern haben. Mit einem ergonomischen Schulranzen lässt sich im Alltag nämlich so mancher Körperteil effektiv trainieren, ohne dabei überlastet zu werden.

Für Kinder sind modische Aspekte beim Kauf eines Schulranzens natürlich deutlich wichtiger als ergonomische Überlegungen, immerhin ist der Schulranzen heute schon so etwas wie ein Statussymbol. Schon in der Grundschule sieht man deshalb häufig die auf den ersten Blick viel lässiger wirkenden Rucksäcke auf den Rücken der Allerkleinsten. Allerdings ist das aus ergonomischen Gründen nicht zu empfehlen – erst mit dem Übergang auf eine weiterführende Schule sollte deshalb daran gedacht werden.

Ganz ohne Schulranzen geht es nicht

Ohne einen Schulranzen kommt ein Schulkind leider nicht aus. Sogar ich hatte einen. Es hat an vielen Schulen Versuche gegeben, das sperrige Schwergewicht überflüssig zu machen, indem Lehrmaterialien in der Schule gelagert oder vor Ort ausgeliehen werden konnten. Die Ansätze waren zahlreich und durchaus lobenswert, aber leider haben sie sich im Laufe der Zeit alle mehr oder weniger als nicht alltagstauglich erwiesen.

Häufig scheiterten die Projekte zur Entlastung der Schülerrücken daran, dass sich keine praktikable Brücke schlagen ließ zwischen der Arbeit in der Schule und der scheinbar unumgänglichen Notwendigkeit, dass Schüler nach der Schule im häuslichen Umfeld ihre tägliche Vor- und Nachbereitung in Form von Hausaufgaben erledigen.

Die doppelte Anschaffung sämtlicher Lehrmaterialien war für niemanden eine zufriedenstellende Lösung und so sehr sich viele Lehrer im Sinne von weniger Schlepperei auch bemühen, die Hausaufgaben auf ein Mindestmaß zu beschränken oder sie zumindest auch ohne den Einsatz spezieller Lehrbücher zu konzipieren, nach und nach schleppen die meisten Schüler doch wieder täglich ihr Päckchen hin und her.

Und so wird auch für engagierte Lehrer und besorgte Eltern schließlich klar: Ganz ohne Schulranzen geht es nicht. Es bleibt also nur, auf ein leichtes, ergonomisches Modell zu setzen, das den Rücken all der kleinen Titanen und Titaninnen bestmöglich entlastet, wenn sie täglich ihr eigenes kleines Atlasgebirge zur Schule und wieder nach Hause tragen. Außerdem kannst Du mit diesen Tipps das Gewicht des Schulranzens zusätzlich reduzieren:

  • Prüfe regelmäßig, ob Dein Kind der Aufgabe, nötige von unnötigen Schulmaterialien zu unterscheiden, gewachsen ist.
  • Gehe sicher, dass die schweren Sachen nah am Körper transportiert werden.
  • Benutze leichte Brotboxen und Trinkflaschen.
  • Besprich mit Deinem Kind, wie es schwere Bücher wie Atlanten oder Wörterbücher in der Schule lassen kann, wenn sie für Hausaufgaben nicht benötigt werden.
  • Gehe sicher, dass Schnellhefter und eigene Ordner regelmäßig entleert werden.
  • Übe mit Deinem Kind, die Träger am Schulranzen richtig einzustellen.

Glücklicherweise leben wir heute in einer Zeit, in der der Gesundheit unserer Kinder ein hoher Stellenwert eingeräumt wird und in der auch die kleinen Rücken bei der Konzeption von neuen Schulranzenmodellen im Fokus des Interesses stehen. Gut so, sagen wir Eltern, denn so können wir uns morgens, wenn wir das liebevoll geschmierte Pausenbrot im Schulranzen verstauen und das gute Stück auf dem Rücken unserer Lieben platzieren, die eine oder andere Sorgenfalte ersparen und die kleinen Bleistiftkrieger statt mit einem Seufzer lieber mit einem Lächeln zur Schule schicken.

 

Titelbild: Irina Schmidt Fotolia_ID _207913057 – fotolia.com

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Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

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