Familie

Negierender Erziehungsstil: Definition, Nachteile & Folgen

Eltern mit negierendem Erziehungsstil und traurige Kinder

Bereits beim Lesen der Überschrift „Negierender Erziehungsstil“, dürfte Dich ein eher ungutes Gefühl beschleichen. Und damit liegst Du völlig richtig. Denn das Verb negieren bedeutet nichts anderes als leugnen, abstreiten oder etwas als nicht existierend zu betrachten. Darüber hinaus wird damit ausgedrückt, einer Sache ablehnend gegenüber zu stehen.

Und genau das kommt bei diesem Erziehungsstil (leider) zum Tragen.

Definition: Was ist der negierende Erziehungsstil?

Der negierende Erziehungsstil wird auch als vernachlässigender Erziehungsstil bezeichnet. Hierbei nehmen die Eltern bewusst nicht an der Erziehung ihres Kindes teil. Vielmehr stehen sie ihrem Kind desinteressiert und gleichgültig gegenüber. Das Kind bleibt sich selbst überlassen und kennt keinen Beistand der Eltern bei seiner Entwicklung.

Durch das fehlende Interesse der Eltern, an der Entwicklung ihres Kindes teilnehmen zu wollen, wird auch keine Beeinflussung auf das Verhalten ihres Kindes ausgeübt. Eine Erziehung findet praktisch gar nicht statt.

So gibt es natürlich auch weder Regeln, noch Grenzen, die dem Kind ein Gefühl von Sicherheit vermitteln könnten. Auch erfährt das Kind keine Zuneigung, was wichtig für die Entwicklung einer emotionalen Eltern-Kind-Beziehung ist. Infolge dessen kann es keine Bindung zu seinen Eltern aufbauen und ist ganz und gar auf sich selbst gestellt.

Seine Entwicklung ist somit dem Zufall überlassen bzw. ist abhängig von seinem weiteren Umfeld.

Ursprung: Woher kommt die negierende Erziehungsform?

Wie Du oben schon erfahren hast, wird der negierende Erziehungsstil auch als vernachlässigender Stil bezeichnet. Dieser geht zurück auf die Kategorisierung der amerikanischen Psychologin Eleanor Maccoby und John A. Martin im Jahre 1983.

Sie erweiterten dabei die bisherigen Kategorisierungen von Diana Baumrind aus den 1960iger Jahren, nämlich den

  • autoritativen Stil
  • autoritären Stil und den
  • permissiven Stil

um einen weiteren Erziehungsstil, den

  • vernachlässigenden Stil.

Merkmale des negierenden Erziehungsstils

Negierende Erziehung ist dabei nicht zu verstehen als bewusste Entscheidung der Eltern, sondern er „passiert“ einfach. Die Kategorisierung wird von Außenstehenden getroffen.

Da die Eltern sich ihrem Kind gegenüber nur wenig bis gar nicht verpflichtet fühlen, investieren sie auch nur in geringem Maße Zeit und Mühe in seine Entwicklung. Auffällig ist darüber hinaus die große Distanz zwischen Eltern und Kind.

Die wichtigsten Eigenschaften der negierenden Erziehungsmethode auf einen Blick:

  • Eltern zeigen kein Interesse am Kind
  • Eltern verhalten sich gleichgültig und unbeteiligt
  • Eltern geben keine Regeln und Grenzen vor
  • Passives Verhalten der Eltern gegenüber dem Kind
  • Keine Eltern-Kind-Bindung
  • Kind ist sich selbst überlassen

Nachteile der negierenden Erziehung

Dass der negierende Erziehungsstil keine direkten Vorteile für das Kind bietet, versteht sich von selbst. Höchtens das Fehlen von körperlicher oder psychischer Bestrafung könnte man positiv bewerten. Dagegen sind die negativen Seiten immens.

Neben mangelhafter Ernährung und Hygiene kommt es zu folgenden Nachteilen:

  • Mangelndes Bindungsverhalten
  • Mangelndes Selbstwertgefühl
  • Schlechtes Sozialverhalten
  • Erhöhtes Aggressionspotential
  • Schulische Defizite
  • Körperliche und seelische Verwahrlosung

Diese Erziehungsmethode ist vereinfacht ausgedrückt, nichts anderes als seelische und psychische Misshandlung.

Solchen Kindern wird die Möglichkeit genommen, ein gesundes Selbstwertgefühl und damit ein gewisses Selbstbewusstsein aufzubauen. Sie kennen weder eine positive emotionale Bindung, noch wissen sie, wie sich diese überhaupt anfühlt. Sie erleben keine Orientierung und auch keinerlei Halt und Geborgenheit – zumindest nicht durch die Eltern.

Auswirkungen & Folgen des negierenden Erziehungsstils

Durch die Vernachlässigung entstehen bei diesen Kindern schwerwiegende psychische und körperliche Schäden. Daher kommt es im sozialen Umfeld, beispielsweise im Kindergarten und in der Schule häufig zu Problemen, wodurch auch die intellektuelle Entwicklung des Kindes gestört wird.

Auffällig ist ebenfalls das geringe Maß an Selbstkontrolle, was zu einem erhöhten Aggressionspotential führen kann.

Leider zeigt die Praxis, dass der negierende Erziehungsstil oft mit körperlicher Gewalt innerhalb der Familie assoziiert wird.

Diese Kinder leiden im Erwachsenenalter oft unter einer emotionalen Unerreichbarkeit und laufen somit Gefahr, in eine Drogen- oder Alkoholsucht zu geraten. Schwierigkeiten entstehen auch dann, wenn sie sich im sozialen Leben einfügen müssen und im beruflichen Alltag Hierarchien ausgesetzt sind.

Sollten diese Kinder später selber einmal Eltern werden, so sind sie nicht in der Lage, ihren eigenen Kindern Liebe und Geborgenheit zu schenken. Denn weitergeben kann jeder nur das, was er selber gelernt hat.

Der negierende Erziehungsstil in der heutigen Zeit

Neben kulturellen Einflüssen ist das soziale Umfeld maßgeblich für die Erziehung mitverantwortlich. So belegen Studien, dass der negierende Erziehungsstil oftmals in den Unterschichten zu finden ist. Hierbei spielt mangelnde Bildung sicher eine große Rolle, wodurch die Aneignung von Grundqualifikationen erschwert wird.

Eltern aus der Mittel- oder Oberschicht haben oft ein großes Interesse an der Entwicklung und Bildung ihres Kindes und sind stets darauf bedacht, diese zu fördern.

Ein Wort zum Schluss

Bevor wir nun allzu schnell mit dem Finger auf die Unterschicht zeigen und uns vehement davon abgrenzen, sollten wir auch einen Blick auf uns selber werfen. Natürlich würden wir unsere Kinder niemals in der beschriebenen Weise erziehen, doch könntest Du unabsichtlich Deinem Kind ein Gefühl von mangelndem Interesse geben.

Wenn Dein Alltag beispielsweise von zu viel Arbeit geprägt ist und Du daher nicht genügend Zeit für Dein Kind hast, so kann es dazu kommen, dass Du Deine fehlende Aufmerksamkeit durch Geschenke oder mehr Freiheiten zu kompensieren versuchst. Das könnte dann bei Deinem Kind den Eindruck erwecken, dass es Dir nicht wichtig ist und Du Dich damit quasi freikaufen möchtest. Mangelndes Selbstwertgefühl könnte eine mögliche Folge daraus sein.

Das soll nur ein Beispiel sein, um Dich zum Nachdenken darüber zu animieren, wie schnell Dinge sich in eine gegenteilige Richtung entwickeln können.

Hier erfährst Du übrigens, welche Erziehungsstile es noch gibt.


Bild: 

©fizkes – bigstockphoto.com

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Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

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