Familie

Laissez-Faire Erziehungsstil – „Immer schön locker bleiben“

Kinder spielen im Wohnzimmer auf Fussboden und Eltern sitzen auf der Couch

Bereits während der Schwangerschaft machen sich viele werdende Eltern Gedanken darüber, wie sie ihr Kind am besten auf die Anforderungen der modernen Welt vorbereiten. Eine gute Erziehung sorgt nicht nur für ein harmonisches Miteinander im Familienverband, sondern erlaubt dem Nachwuchs auch, eine gesunde und stabile Beziehung zu anderen Menschen aufzubauen.

Erziehungsstile gibt es viele und genau wie Hosenformen oder Haarschnitte kommen sie auch immer wieder in Mode. Mir hat es geholfen, mich bereits vorab mit verschiedenen pädagogischen Ansätzen auseinander zu setzen und so einen Einblick in die verschiedenen Erziehungsstile zu bekommen. Besonders bekannt sind ja der autoritäre und der antiautoritäre Ansatz. Neu für mich war das Laissez-faire-Erziehungsmodell.

Das Laissez-faire-Modell – der Ansatz

Laissez-faire ist französisch und bedeutet übersetzt soviel wie „machen lassen„. Neben der Bezeichnung Laissez-faire wird seltener auch der Begriff Laissez-aller, zu Deutsch etwa „laufen lassen“ verwendet. Die Übersetzung zeigt bereits gut, worum es bei diesem Ansatz geht: um das Laufenlassen eines Prozess, ohne sich von außen einzumischen.

Es sollen weder Grenzen noch Richtlinien aufgezeigt werden. Seinen Ursprung hat das Erziehungsmodell im 19. Jahrhundert in der Wirtschaft, genauer im Wirtschaftsliberalismus. Hier bezeichnet das Laisser-faire-Modell einen Ansatz, bei dem die Wirtschaft sich frei von Vorgaben oder Restriktionen des Staats entwickeln kann.

Später wurde das Konzept auch von anderen Wissenschaften wie beispielsweise der Erziehungswissenschaft aufgegriffen.

Laissez-faire in der Pädagogik

In der Pädagogik wird das Laissez-faire-Modell durch den Psychologen Kurt Tsadek Lewin bekannt. Er beschreibt, dass bei diesem Erziehungsstil das Kind ungehindert agieren soll.

Die Erziehung durch Eltern oder pädagogische Fachkräfte wie Erzieher oder Lehrer gilt nicht als legitim gegenüber dem Kind. Dieses soll sich vollkommen frei von Einflüssen entwickeln können. Dabei spielt es keine Rolle, ob Du Dein Kind maßregeln oder loben wollen würdest.

Die Eltern sollen sich komplett neutral verhalten und eine passive Haltung an den Tag legen. Werte und Normen sollen ebenso wenig vermittelt werden wie Wünsche oder Anforderungen an das Kind.

Positive und negative Einwirkungen werden vermieden. Eine Förderung von Talenten wird genauso vermieden wie das Unterdrücken oder Vermeiden von unerwünschtem Verhalten.

Unterschiede zum antiautoritären Erziehungsstil

Falls Dich dieses Erziehungsmodell jetzt an den antiautoritären Erziehungsstil erinnert, bist du nicht alleine. Viele Leute setzen die beiden Modelle sogar gleich und meinen, dass der Laissez-faire-Erziehungsstil die ausgeprägteste Form der antiautoritären Erziehung ist.

Mitunter wird aber die Unterscheidung getroffen, dass Kinder beim antiautoritären Erziehungsstil zwar möglichst frei entscheiden dürfen, es aber ein Erziehungsziel gibt und bestimmte Werte und Normen vermittelt werden sollen. Beim Laissez-faire-Stil sind die Eltern allerdings völlig passiv und verfolgen kein Erziehungsziel.

Wer erzieht seine Kinder auf diese Weise?

Die Kinder einfach machen lassen und mal schauen was passiert – das klingt recht bequem, oder? Tatsächlich hat dieses Erziehungsmodell jedoch nicht immer nur etwas mit versteckter Gleichgültigkeit oder Bequemlichkeit zu tun.

Mitunter strengen sich Eltern sehr an, die geforderte Passivität aufrecht zu erhalten, weil sie denken, dieser Ansatz wäre gut für die Entwicklung ihres Kindes.

Praktiziert wird der Laissez-faire-Erziehungsstil in Deutschland von allen Sozial- und Bildungsschichten. Teilweise kann dieser Ansatz aber auch ein Deckmantel für Vernachlässigung und Desinteresse oder auch Überforderung der Eltern sein.

Vorteile des Laissez-faire-Erziehungsstils

Vorteile von Laissez-faire sehen die Verfechter dieses Erziehungsstils darin, dass das Kind als eigenständiges Wesen mit eigenen Wünschen, Werten und Normen angesehen wird. Das Kind wird als handelndes Wesen akzeptiert, das sich aus Eigeninitiative zu Handlungen entscheiden kann, ohne von den Eltern beeinflusst zu werden.

Die Individualität des Kindes soll dabei im Mittelpunkt stehen, ebenso wie die Möglichkeit, sich frei entfalten und ausleben zu können.

Nachteile des Laisser-faire-Erziehungsstils

Wird das Kind Laissez-faire erzogen, erlebt es seine Eltern im Umgang mit ihm überwiegend passiv. Es kann weder Freude oder Begeisterung, noch Unverständnis oder Überraschung hervorrufen, egal, was es macht. Dadurch kann die Bindung zwischen Kind und Eltern stark leiden.

Zudem hat ein Kind, weder ein Kleinkind, noch ein Schuldkind, die nötigen geistigen Entwicklungsschritte durchlaufen, um die Folgen seiner Handlungen richtig einschätzen zu können. Gefahren werden möglicherweise nicht richtig erkannt und Situationen und Erlebnisse nicht richtig eingeordnet. Das Kind kann sich mit seinen Eltern nicht in seinen Gefühlen ausprobieren und sich gemeinsam mit den Bezugspersonen damit auseinandersetzen.

Affektkontrolle und andere soziale Fertigkeiten werden nicht eingeübt. Dadurch kann es im späteren Leben zu Problemen kommen, wenn das Kind aufgrund von zu geringer Selbstkontrolle oder Bindungsproblemen Schwierigkeiten in sozialen Situationen hat. Entwicklungsprobleme und Lernschwierigkeiten können ebenfalls Folgen sein.

Die Mischung macht’s

Ich bin keine Verfechterin von einem eindimensionalen Erziehungsstil, sondern denke, dass sich Eltern und Kind gemeinsam entwickeln und die Erziehung etwas sehr persönliches ist. Die Idee, sein Kind als eigenständige Persönlichkeit mit eigenen Träumen und Ideen zu sehen, finde ich gut, ebenso wie der respektvolle Umgang mit dem Kind.

Dabei darf und muss ich als Elternteil aber Grenzen setzen, damit mein Kind sich gesund entwickeln und wichtige Fähigkeiten wie Impulskontrolle, Frustrationstoleranz und Mitgefühl erlernen kann.

Bist Du Dir unsicher, was Du vom Laissez-Faire-Prinzipo halten sollst, dann lies Dir am besten auch die Vor- und Nachteile anderer Erziehungsmodelle durch.


Bild:

©  fizkes / bigstockphoto

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Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

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