Familie

Demokratischer Erziehungsstil: Definition, Ziele, Nachteile & Folgen

Eltern sitzen mit Kinder am Essentisch und helfen bei den Hausaufgaben

Erziehungsmethoden sind so unterschiedlich, wie die Familien, in denen sie praktiziert werden. Der demokratische Erziehungsstil findet sich in der heutigen Zeit sehr oft wieder, auch wenn wir ihn vielleicht eher unbewusst anwenden. Denn Demokratie findet in unserer Gesellschaft in vielfältiger Art und Weise statt.

Inwieweit sich demokratisches Denken und Handeln in unsere moderne Erziehung integrieren lässt, welche Merkmale den demokratischen Erziehungsstil ausmachen und vieles Wissenswerte mehr rund um diese Erziehungsmethode, erfährst Du in diesem Bericht.

Was ist der demokratische Erziehungsstil?

An dieser Stelle gehe ich bewusst nicht näher auf den Begriff des demokratischen Erziehungsstils ein, da sich die Erklärung bereits hieraus ableiten lässt. Der Grundgedanke der demokratischen Erziehung ist die größtmögliche Mitbestimmung deines Kindes bei Entscheidungen. Es soll lernen, Entscheidungen gemeinschaftlich mit seinen Eltern oder in anderen Gruppen, wie Kindergarten oder Schule, zu treffen.

Dabei werden die Eltern oder Pädagogen zwar eine grobe Richtung vorgeben, Deinem Kind sollte aber immer die Möglichkeit eingeräumt werden, seine eigenen Ideen einzubringen.

Optimaler Weise wirst Du mit ansteigendem Alter Deines Kindes seinen Bedürfnissen mehr Raum bei gemeinschaftlichen Entscheidungen geben. Bei kleineren Kindern ist es vor allem wichtig, Deinem Kind zu zeigen, dass Du seine emotionalen Bedürfnisse ernst nimmst und dabei viel Verständnis für seine Situation zeigst.

Merkmale des demokratischen Erziehungsmodells

  • Setzt auf feste Strukturen
  • Orientiert sich am freigeistigen Gedankengut einer antiautoritären Erziehung
  • Klare Vereinbarungen zur Erleichterung des Zusammenlebens
  • Gleichberechtigung in der Meinung
  • Eltern und Erzieher verstehen sich als Gruppenmitglied
  • Keine Befehle
  • Entscheidungen werden in der Gruppe diskutiert
  • Kind wird unterstützt und ermutigt
  • Lob und Tadel nur durch konstruktives Feedback
  • Bei Problemen werden alternative Lösungsvorschläge unterbreitet
  • Keine Bestrafung
  • Aufgabenverteilung liegt in der Verantwortung der Gemeinschaft

Der demokratische Erziehungsstil lebt von einer festen Grundstruktur, innerhalb dieser gemeinsame Entscheidungen getroffen werde. Daher erübrigen sich ständige Diskussionen über alles Mögliche, da bestimmte Dinge einfach von vornherein für alle Familienmitglieder oder Personen einer Gruppe feststehen.

Gewisse Grundpfeiler können zum Beispiel diese Regeln sein:

  • Tabus zum Schutze der eigenen Gesundheit
  • Freiheit des anderen darf nicht begrenzt werden

Viele Themen bieten jedoch genügend Möglichkeiten für eine Diskussion, innerhalb dieser jedes Familien- oder Gruppenmitglied seine Interessen vertreten darf.

Da bei diesem Erziehungsstil der Mitbestimmung ein hoher Stellenwert eingeräumt wird, ist es zwingend notwendig, dass Du Dir viel Zeit nimmst, um genau zuzuhören und gemeinschaftliche Lösungen zu erarbeiten, die allen Familienmitgliedern gerecht werden.

Dein Kind wird Dir dankbar sein, wenn Du ihm Verständnis für seine Wünsche und Bedürfnisse entgegenbringst, auch wenn Du diese nicht immer nachvollziehen kannst!

Ziel des demokratischen Erziehung

Bereits in den 1930iger Jahren hat der berühmte Sozialpsychologe Kurt Lewin, der als Pionier der Erziehungsstilforschung gilt, die Vorteile der demokratischen Erziehung herausgestellt.

Heute betrachtet ein großer Teil der Menschen den demokratischen Erziehungsstil als sehr zeitgemäß, da weder mit großer Härte, noch mit extrem tolerantem Umgang gearbeitet wird. Du gibst Deinem Kind damit die Möglichkeit, dass es sich an festen Normen und Werten orientieren kann. Natürlich hast Du dabei trotz des Rechtes Deines Kindes auf Mitbestimmung das letzte Wort.

Dein Kind wird daher sehr gerne zu Dir kommen, wenn es Probleme hat. Es wird aber auch lernen müssen, dass sich innerhalb einer Gemeinschaft nicht jeder Wunsch realisieren lässt. Dennoch lernt es, dass es sich lohnt, für seine Wünsche einzutreten, sie zu verfolgen und letztendlich vielleicht andere von seiner Auffassung zu überzeugen.

Im Laufe der Zeit soll Dein Kind lernen

  • für seine Ziele und Wünsche einzutreten
  • Verantwortung zu übernehmen.

Angenehmer Nebeneffekt dieser Erziehungsmethode ist außerdem, dass Dein Kind durch die vielen Diskussionen einen relativ großen Wortschatz erwirbt.

Wichtiger Hinweis: Strafen gehören auf keinen Fall in den demokratischen Erziehungsstil. Stattdessen wirst Du durch intensive Gespräche mit Deinem Kind klären, warum es die Regeln missachtet hat.

Vorteile des demokratischen Erziehungsform

  • Spielerische Erweiterung des Wortschatzes
  • Förderung von Selbstsicherheit
  • Förderung von Kompromissbereitschaft
  • Förderung von Eigeninitiative
  • Förderung von Eigenaktivität
  • Förderung von Selbständigkeit
  • Lernen des Einbringens in eine Gemeinschaft
  • Aufbau von Vertrauen in eine Gruppe (Familie, Kindergarten etc.)

Durch die so früh wie möglich praktizierte Mitbestimmungsmöglichkeit Deines Kindes, wird es rasch einen relativ großen Wortschatz erlangen und lernen, sich selbstbewusst für etwas einzusetzen.

Dein Kind wird bei gemeinschaftlich getroffenen Entscheidungen jedoch auch lernen müssen, dass eigene Interessen nicht immer voll und ganz berücksichtigt werden können. Dadurch wird Dein Kind Kompromissbereitschaft lernen, was ihm später in der Schule oder im Berufsleben immer dann zu Gute kommen wird, wenn Teamfähigkeit gefordert ist.

Nachteile des demokratischen Erziehungsstils

  • Eltern benötigen sehr viel Geduld und Zeit
  • Es kann hin und wieder zu Endlosdiskussionen kommen
  • Schwierigkeit, das Kind als gleichwertigen Diskussionspartner zu sehen

An dieser Stelle sei Dir gesagt, dass natürlich auch der demokratische Erziehungsstil mit all seinen Vorteilen nicht perfekt ist. Daher wird es Zeiten geben, wo in Deinem Tagesablauf einfach nicht genug Platz für lange Diskussionen vorhanden ist und es zu nervenaufreibenden Geduldsproben kommen kann.

Denn Kinder sind in ihrem Denken und Tun nun einmal nicht programmierbar. Und so kann ein noch so guter Lösungsansatz kläglich im Trotzgebaren deines Kindes untergehen.

Die hohe Kunst des demokratischen Erziehungsstiles ist es, die Gleichberechtigung auf der Meinungsebene innerhalb Deiner Familie nicht nur an einem Tag, sondern möglichst immer zu praktizieren.

Unterschiede zu anderen Erziehungsstilen

Setzt man den demokratischen Erziehungsstil mit anderen Erziehungsmethoden in Vergleich, so liegt dieser etwa im mittleren Bereich, wenn wir die zwei Extreme, nämlich den autoritären und den Laissez-fair-Erziehungsstil ansetzen.

Wir haben hier einerseits klar abgesteckte Regeln, aufgrund derer Dein Kind lernen kann, sich an Grenzen zu halten. Andererseits soll die freie Entwicklung Deines Kindes so wenig wie möglich eingeschränkt werden.

Regeln braucht es also nur insoweit, um dem Leben Deines Kindes einen Rahmen zu verleihen, in welchem es sich nach Möglichkeit frei bewegen kann.

Auswirkungen auf das Kind, wenn Du es demokratisch Erziehen willst

Bei einer gelungenen demokratischen Erziehung erfährt Dein Kind ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Autorität und Freiheit. Denn eine Lenkung geschieht nur zur Orientierung, wobei Du Deinem Kind Vorschläge machst, die die Wünsche und Bedürfnisse Deines Kindes berücksichtigen.

Auf der emotionalen und zwischenmenschlichen Ebene hat Dein Kind durch Deine Wärme, Akzeptanz, Zuneigung und deine Empathie einen Ankerplatz gefunden und kann so Vertrauen zu Dir und zu anderen aufbauen.

Darüber hinaus wird Dein Kind im Bereich der Motivation Selbstsicherheit sowie Selbstvertrauen aufbauen können und besitzt eine emotionale Stabilität und Ausgeglichenheit, was zu einer hohen Lern- und Leistungsbereitschaft führt.

Auch im sozialen Bereich hat Dein Kind Kompetenzen für sein späteres Leben erlangt, die sich in der Wertschätzung und dem Verständnis gegenüber anderen Personen äußern. Ebenso zeichnen es seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit anderen sowie seine Kritikfähigkeit aus.

Indem Dein Kind Vertrauen in sich selbst aufbauen kann, wird es ein gesundes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein entwickeln. Durch das richtige Einschätzen seines Könnens, seiner Leistungen und Talente, lernt es außerdem, auf sich selbst stolz zu sein. Das ist wichtig, damit es sich später nicht durch materielle Dinge definieren muss. Im Teenageralter kann das beispielsweise der teure Markenpulli sein oder im Erwachsenenalter das große Auto.

Aufgrund des Erarbeitens gemeinschaftlicher Strategien und Ziele, entwickelt Dein Kind auch die Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten, um diese Ziele zu erreichen. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass sich durch den demokratischen Erziehungsstil besonders in der Schule viel bessere Leistungen erzielen lassen, als etwa durch Strafen oder das Belohnungsprinzip.


Bild: 

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Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

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