Familie

Autoritärer Erziehungsstil: „Tu, was ich Dir sage“

Vater mit autoritärem Erziehungsstil schimpft mit Tochter

Kennst Du die Situation, wenn Dein Kind sein Mittagessen nicht essen will? Soll man  ihm einfach befehlen, was es zu tun hat? Oder könnte ihm das schaden? Ein Erziehungsstil, der überwiegend von Strenge und Aufforderung geprägt ist, wird als autoritärer Erziehungsstil bezeichnet. Doch was zeichnet die autoritäre Erziehung aus und ist sie empfehlenswert?

Woran erkenne ich einen autoritären Erziehungsstil?

Als Hauptmerkmal der autoritären Erziehung kann das hierarchische Familienbild von dessen Vertretern gelten: Die Eltern stellen Regeln auf, die Kinder müssen gehorchen. Erreicht wird dieser bedingungslose Gehorsam mit Zurechtweisungen und Strafen, aber (entgegen der Meinung vieler Gegner) auch mit Belohnungen und Lob.

Bei der Aufstellung der Regeln werden die Meinungen und Wünsche der Kinder üblicherweise denen der Eltern untergeordnet; Vater und Mutter geben auch die von den Kindern zu übernehmenden Werte und Normen vor, was mit hohen Ansprüchen sowohl an das Verhalten als auch die (z.B. schulischen) Leistungen ihrer Schützlinge einhergeht.

Kontroverse um den autoritären Erziehungsstil

Wer nicht weiß, was es mit dem autoritären Erziehungsstil auf sich hat, greift möglicherweise zuerst einmal auf den Duden zurück, um sich über die genaue Bedeutung des Wortes „autoritär“ zu informieren: Ich bin ein bisschen erschrocken, als ich in der Bedeutungserklärung von „autoritär“ auf das Wort „diktatorisch“ gestoßen bin.

Meine weitergehende Recherche ergab jedoch, dass das Wort „autoritär“ vom gleichbedeutenden französischen Wort „autoritaire“ entlehnt wurde, das auf das lateinische Wort „auctor“ zurückgeht, welches auch „Schöpfer“ und „Förderer“ bedeuten kann.

Auch die Tatsache, dass eine autoritäre Erziehung bis zur Nachkriegsgeneration die beliebteste war (also nicht nur im Kaiserreich und im Nationalsozialismus), legt nahe, dass es sowohl Pro- als auch Contra-Argumente gibt.

Mögliche Vorteile

Kinder brauchen klare Grenzen und Regeln

Ein großer Vorteil der autoritären Erziehung ist, dass klare Regeln aufgestellt werden. Wenn Du Dein Kind autoritär erziehst, weiß es genau, dass es höflich, pünktlich, ordentlich, zuverlässig und fleißig sein soll.

Viele Regeln (und deren Durchsetzung, die in autoritären Elternhäusern meist besonders konsequent verläuft) dienen auch dem Schutz des Kindes, z.B. muss es lernen, sich zu vergewissern, dass kein Auto kommt, bevor es über die Straße geht.

Kinder fordern heißt Kinder fördern

Wenn Eltern hohe (Leistungs-)Ansprüche an ihre Sprösslinge stellen, wie dies in autoritären Elternhäusern die Regel ist, werden die Weichen für zukünftigen Erfolg der Kinder gestellt: Sie lernen, diszipliniert auf ein Ziel hinzuarbeiten.

Neben der Gefahr der Überforderung ist hierbei jedoch problematisch, dass autoritär erzogene Kinder diese Ziele eher aus Gehorsam gegenüber den Eltern verfolgen als aus eigener Überzeugung; ihr Ehrgeiz könnte also nachlassen, sobald sie im Erwachsenenalter nicht mehr der Kontrolle durch ihre Eltern unterstehen.

Klare Werte in einer unübersichtlich gewordenen Welt

Für Kinder ist es außerdem vorteilhaft, dass ihre Eltern ihnen Werte vorgeben, die ihnen in der unübersichtlichen Welt von heute Halt und Orientierung bieten können.

Hier gilt jedoch dasselbe wie bezüglich der Leistungsorientierung: Die Kinder übernehmen Werte nicht aus Überzeugung, sondern weil sie bestraft werden, wenn sie sich nicht nach den Wertvorstellungen ihrer Eltern richten.

Schutz der Kinder durch elterliche Kontrolle

Was frischgebackene Eltern, die noch am Anfang der Erziehung ihrer Kinder stehen, häufig nicht bedenken, spätestens aber im Teenager-Alter relevant wird: Wenn der Nachwuchs selbständiger wird, verstößt er oft heimlich gegen Verbote und schadet sich damit selbst, wenn es beispielsweise um Alkohol geht.

Ein autoritärer Erziehungsstil beugt dem vor, indem er die Kinder starker Kontrolle durch die Eltern aussetzt und ihnen wenig Privatsphäre lässt. Der Nachteil hierbei ist, dass auch Jugendliche als eigenständige Persönlichkeiten anerkannt werden wollen und ein Bedürfnis nach Privatsphäre haben.


Potentielle Nachteile

Selbstentfaltung bleibt auf der Strecke

Nicht zu vergessen ist auch das Problem, dass der autoritäre Erziehungsstil die freie Entfaltung der Kinder erheblich einschränkt. Ein Kind kann keine eigene Meinung entwickeln, wenn diese von den Eltern nie berücksichtigt wird. Da Vater und Mutter mit der Entscheidungsgewalt auch die Verantwortung übernehmen, werden ihre Sprösslinge später Schwierigkeiten haben, selbst Verantwortung zu tragen.

Bleibende psychische Schäden

Nun kommen wir zum schwerwiegendsten Punkt, der gegen eine autoritäre Erziehung spricht: Psychologen haben herausgefunden, dass autoritär erzogene Kinder häufiger verhaltensauffällig werden oder an psychischen Krankheiten leiden als andere. Viele von ihnen zeigen Aggressionen gegenüber anderen, da sie das dominante Verhalten der Eltern reproduzieren.

Auch Essstörungen werden überdurchschnittlich oft diagnostiziert. Kinder, die sehr starker elterlicher Kontrolle unterliegen, neigen dazu, in den wenigen Bereichen, in denen sie selbst entscheiden dürfen, dagegen zu protestieren, also zum Beispiel durch ein von der Norm abweichendes Essverhalten.

Auch erhöhte Suizidalität wurde festgestellt. Der Grund hierfür liegt vermutlich in einem sehr distanzierten und wenig emotionalen Eltern-Kind-Verhältnis.

Mein Fazit zum autoritären Erziehungsstil

Zusammenfassend hat ein autoritärer Erziehungsstil sowohl Vorteile wie klare Regeln, hohe Leistungsansprüche und Sicherheit als auch Nachteile wie die fehlende Selbstentfaltung und negative Folgen für die Psyche der Kinder.

Ein wichtiger Punkt ist aber noch anzufügen: Kinder sind verschieden. Nur weil eine Tendenz bezüglich ihres zukünftigen Verhaltens erkennbar ist, heißt das nicht, dass dies in jedem Fall so eintritt. Theorie und Praxis weichen voneinander ab. Letztlich musst Du selbst entscheiden, wie Du Deinem Kind zu einem glücklichen Leben verhelfen kannst.

Mach Dich einfach schlau und schau Dir die anderen Erziehungsmethoden an. Dafür habe ich übrigens alle Erziehungsstile kurz erklärt.


Bild:

© dolgachov / bigstockphoto

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Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

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