Baby

Überfordert mit Baby: 14 hilfreiche Ratschläge

Überforderte Mutter mit Baby

Das erste Jahr mit Baby ist nicht einfach. Das war Dir wahrscheinlich vor der Geburt auch klar. Aber vielleicht erging es Dir dann wie mir und Du hattest keine Ahnung, wie anstrengend es werden würde. Wenn Du Dich darum als Mutter mit Deinem Baby überfordert fühlst, bist Du ganz sicher nicht allein. Akuter Schlafmangel, das bisherige Leben verändert sich stark, soziale Kontakte durch Arbeitsstelle und Freunde fallen weg, Hobbys sind stark eingeschränkt bis unmöglich. Auch die Paarbeziehung verändert sich durch den neuen Fokus. Kein Wunder also, dass Dich das alles überrollt.

Woher genau diese Überforderung mit Baby kommt und was Du dagegen tun kannst, habe ich rückblickend zusammengefasst. Denn heute ist mein Sohn fast 4 Jahre alt. Ich konnte die Überforderung hinter mir lassen und freue mich auf mein zweites Baby, das in drei Monaten kommt.

Von der Überforderung zur Wut

Zunächst aber einmal ein paar Worte und Hinweise zum Thema Wut. Denn das Resultat der Überforderung ist oft Wut – genau auf das Baby, auf das Du Dich so sehr gefreut hast. Das fühlt sich erst einmal paradox an. Viele Mütter schämen sich für die Wut und wollen sie nicht zulassen.

Dabei ist es wichtig, die Gefühle anzuerkennen und in gesundem Maße auch auszuleben. Viele Mütter projizieren die Wut auch auf den Partner, der viele der Freiheiten noch genießen darf, die ihnen verwehrt bleiben: Er geht arbeiten, hat dadurch soziale Kontakte. Ist abends nicht zu müde, um seinen Hobbys nachzugehen oder Fußball zu schauen. So ging es mir damals.

Mein Blogpost: Warum ich sauer auf meinen Mann bin

Nicht alle Väter haben Verständnis dafür, dass Du überfordert bist mit Baby. „Du bist doch den ganzen Tag nur zu Hause, während ich hart arbeite.“ Solche und andere Aussagen fühlen sich wirklich unfair an und können noch wütender machen.

Ursachen für Wut

Wut ist ein psychologischer Schutzmechanismus. Er kann in diesem Zusammenhang zwei Hauptauslöser haben:

  1. Wenn Du das Gefühl hast, ungerecht behandelt zu werden, gibt Dir Wut die geistige Energie, Dich dagegen zur Wehr zu setzen.
    Wenn Du also wütend auf Deinen Partner bist, fühlst Du Dich und Deine Leistung vielleicht nicht gewertschätzt. Du bist zu Hause die Familienmanagerin, nimmst den Großteil der Verantwortung für das neue Leben auf Deine Schultern. Das fühlt sich nicht nur viel an, das ist für einen einzelnen Menschen viel.
  2. In Situationen großer Angst und Überforderung gibt Dir Wut die Energie, diese zu überwinden und zu „kämpfen“.
    Wenn Du wütend auf Dein Baby bist, wenn Du häufig denkst „Mein Baby macht mich aggressiv“, dann steckt dahinter womöglich Angst und echte Überforderung. Natürlich trifft das nicht nur auf Frauen zu, auch ein Vater kann mit Neugeborenem überfordert sein. Wichtig ist es, in solchen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren, denn Wut kann schnell in körperliche Aggression umschlagen.

Ratschlag: Was Du unbedingt tun sollst, wenn Du durch Überforderung nervlich am Ende bist und aggressiv wirst

Atme erst einmal tief durch.

Schüttle Dein Baby oder Kleinkind nie, davon kann es lebensgefährliche Hirnblutungen davontragen!

Wenn jemand anders in der Nähe ist, gib Dein Baby dort ab und geh ein wenig an die frische Luft.

Wenn Du allein bist und es nicht mehr anders geht, lege Dein Kind an einen sicheren Ort, von dem es nicht herunterfallen kann und verlasse für einige Minuten den Raum. Ein schreiendes Baby allein zu lassen, ist nicht schön – aber der kurze Abstand kann die Wut verfliegen lassen. Wenn Du ruhiger bist, geh zurück zu Deinem Baby und tröste es.

Mir hat es in solchen Situationen immer sehr geholfen, mein Baby in die Tragehilfe zu nehmen und möglichst schnell nach draußen zu gehen. Dort hat sich mein Sohn immer schnell beruhigt und ich konnte die Aggression durch schnelles Gehen abbauen. Natürlich funktioniert das auch mit Kinderwagen.

Gib Deinem Baby niemals Schlafmittel oder andere Medikamente. Das schadet dem kleinen Organismus und seiner Entwicklung nachhaltig.

Hilflos Überfordert mit Baby und Kleinkind: Warum das nicht Deine Schuld ist

Wenn Du die Wut unter Kontrolle hast oder sie bei Dir gar nicht erst so stark aufkommt, bleibt immer noch die Überforderung. Überfordert mit Baby zu sein ist keine Schande und kommt bei sehr vielen Eltern vor. In den allermeisten Fällen liegt es weder an Dir, noch an Deinem Baby, sondern an den Umständen und Anforderungen unserer modernen Gesellschaft.

Dein Baby schreit wütend, Dir ist ebenso nach hysterischem Gebrüll zumute und Du würdest am liebsten alles hinschmeißen? Bestimmt fühlst Du Dich, als würdest Du versagen. Als seist Du nicht belastbar genug. Dann kommen auch immer wieder Glaubenssätze hoch wie „Das haben schon so viele Mütter vor mir geschafft“. Du denkst, wenn Du es nicht alleine schaffst, ist das ein Eingeständnis Deiner Unfähigkeit?

Dann verrate ich Dir jetzt eine ganz andere Wahrheit:

1. Nicht alle Babys sind gleich einfach

Jeder neue Erdenbürger bringt seinen eigenen Charakter, ein eigenes Temperament und seine eigenen Ängste und Geburtserfahrungen mit. Wenn Deine Mutter mit Dir gut klar gekommen ist, Du Dich aber überfordert mit Baby fühlst, dann liegt das vielleicht auch an dem Unterschied zwischen Dir als Baby und Deinem eigenen Kind.

Jedes Baby ist anstrengend und hat Bedürfnisse, keine Frage. Aber während manche Babys zufrieden sind, wenn sie satt, ausgeschlafen und in einer ruhigen Umgebung sind, gibt es auch andere, deren Bedürfnisse scheinbar nie enden. Egal, ob Du das nun mit „High Need Baby“, „bedürfnisstark“ oder „hochsensibel“ betiteln magst.

2. Als Mutter überfordert zu sein ist eigentlich normal

Es ist nicht natürlich, entspricht also weder Deinen Bedürfnissen und Urinstinkten, noch denen des Babys, dass ihr beide den Großteil des Tages zu zweit verbringt. Das ist erst seit wenigen Jahrzehnten „normal“. Vorher lebten Menschen über viele Jahrmillionen in Clans, Großfamilien, Dörfern, Höfen, oder anderen Gruppierungen zusammen. Niemals war eine Mutter allein mit ihrem Baby, es gab Eltern, Großeltern, Mägde, befreundete Familien, Nachbarn – kurz: es gab immer Gesellschaft und immer Unterstützung und Vorbilder für eine Mutter mit Neugeborenem.

Im Gegensatz zu früher ist die Unterstützung und Gemeinschaft mit anderen heute nicht mehr selbstverständlich. Wir müssen uns aktiv darum bemühen und Hilfe auch annehmen lernen. Wir müssen umdenken, wie der Alltag als Mutter mit Baby zu sein hat und was wir als normal betrachten.

14 hilfreiche Tipps für überforderte Mütter und Eltern

Viele der folgenden Tipps kommen aus meiner eigenen Erfahrung mit Kind, auf andere musste ich nicht zurückgreifen, wieder andere Optionen standen mir gar nicht zur Verfügung.

Sortiere für Dich aus, was in Frage kommt und was Dir wirklich helfen könnte. Wichtig ist, dass Du etwas unternimmst, damit die Überforderung sich nicht in ernsthaften Problematiken niederschlägt.

Hier kommen meine 14 Tipps, was Du tun kannst, wenn Du Dich überfordert fühlst mit Deinem Baby:

Mach Dir klar, warum Dein Baby schreit

Wütend ist es sicherlich nicht und es will Dich auch nicht provozieren, manipulieren oder seinen Willen durchsetzen – auch wenn es sich für Dich manchmal so anfühlt. Zu so etwas sind Babys kognitiv gar nicht in der Lage. Dein Baby weint, weil es ein Bedürfnis hat. Oft steckt Müdigkeit, Hunger oder das Bedürfnis nach körperlicher Nähe bzw. Hautkontakt dahinter. Auch Schmerzen und körperliches Unbehagen kann Dein Baby nur durch weinen mitteilen. Manche Babys weinen sogar, wenn sie ausscheiden müssen. Manchmal gibt es auch keinen offensichtlichen Grund, warum Dein Baby weint. Dann braucht es einfach nur Deinen Trost.

Informiere Dich über Entwicklungsschübe bei Babys

Viele Eltern treibt eine plötzliche Verhaltensänderung ihrer Babys fast in den Wahnsinn, bis sie feststellen: Es ist ein Wachstums- bzw. Entwicklungsschub und hört bald wieder auf. Mir hat die App „Oje ich wachse“ in dieser Hinsicht oft den Tag gerettet.

Setze Dich mit Deinen seelischen und mentalen Problemen auseinander

Manchmal stecken auch Probleme mit dem Bonding, ein Geburtstrauma oder eine postnatale Depression dahinter. Je weniger Du Dich mit Deinem Baby verbunden fühlst, desto schneller setzt die Überforderung ein.

Vielleicht hattest Du unmittelbar nach der Geburt nicht die Möglichkeit, Dein Baby zu Dir zu nehmen, weil Du einen Notkaiserschnitt hattest oder Dein Baby ein Frühchen war?

Vielleicht ging es Dir aber auch wie mir, und dieser viel beschriebene „magische Moment“, in dem Du Dein Baby zum ersten Mal auf den Bauch gelegt bekamst, war in Wirklichkeit ernüchternd und anstrengend?

Ich habe mich in den Wochen danach gefragt, was mit mir nicht in Ordnung ist, weil ich nicht sofort die überschwänglichsten Gefühle für mein Neugeborenes hatte. Heute weiß ich: Das geht vielen Eltern so, die Liebe muss erst einmal wachsen.

Wenn Du unter einer postnatalen Depression leidest, solltest Du Dir professionelle Hilfe suchen. Ein Geburtstrauma kannst Du entweder mit professioneller Hilfe oder mit viel liebevoller Unterstützung Deines Partners und Deiner Familie / Freunde aufarbeiten. Wichtig ist, dass Du darüber sprichst.

Das Bonding zu Deinem Baby kannst Du durch viel Körperkontakt, Hautkontakt und Stillen fördern. Besorge Dir ein gutes Tragetuch oder eine empfehlenswerte Babytrage. So kannst Du Dich und Deine Muskulatur entlasten und Dein Kind trotzdem immer ganz nah bei Dir haben.

Kommuniziere mit Deinem Partner

Sowohl über den Alltag mit Kind, als auch über eure Beziehung. Sagt euch ehrlich gegenseitig, wie es euch geht und wo euch der andere unterstützen könnte.

Weine Dich bei Deiner besten Freundin aus

Oft hilft es schon, einfach mal darüber zu sprechen.

Stöbere ein bisschen zum Thema „überfordert mit Baby“ in Internetforen

So wirst Du auf viele Gleichgesinnte treffen und erkennen, dass Du nicht allein oder unnormal bist.

Über diesen Link findest Du direkt Beiträge zum Thema auf urbia.de

Hör auf mit Perfektionismus

Verabschiede Dich von perfektionistischen Vorstellungen. Das Image von Muttersein und Familie, wie es in den Medien dargestellt ist, ist nicht realistisch. Wenn Du denkst, dass Du so eine Mutter sein musst oder kannst, wirst Du zwangsläufig an Deinen eigenen Ansprüchen scheitern. Wenn Du ein Baby zu Hause hast, wird Deine Wohnung niemals perfekt sein und Du auch selten gut gestylt.

Auch weniger oberflächliche Ansprüche können großen Stress auslösen. Bindungsorientierte Erziehung zum Beispiel. So sollst Du Dein Baby Tragen, Stillen, mit Stoffwindeln wickeln, nur in nachhaltige Öko-Mode kleiden und von selbst gekochtem Brei ernähren?

Das sind alles gute Ansätze – aber nur, solange sie für Dich auch gut umsetzbar sind. Wenn Du etwas davon nicht schaffst oder keine Freude daran hast, lass es besser sein.

Stelle den Haushalt in den Hintergrund.

Erledige in der Anfangszeit mit Baby nur das nötigste, sodass ihr genug zu Essen und anzuziehen habt und nicht im Müll lebt. Sachen wie Fenster putzen oder Böden wischen kann auch mal ein paar Monate warten.

Wenn finanziell möglich, stelle eine Haushaltshilfe ein.

Ansonsten verwende die Babytrage, um aufzuräumen, zu kochen, abzuwaschen oder zu putzen, wenn Dein Baby sich nicht ablegen lassen möchte.

Nimm Hilfe aus der Familie und von Freunden an

Am besten in der Kinderbetreuung, wenn das nicht möglich ist – weil Du Dein Baby zum Beispiel nicht abgeben kannst oder möchtest – im Haushalt oder bei anderen To-Dos.

Was sich für Dich vielleicht wie eine große Bitte anfühlt, machen die meisten Deiner Freunde wahrscheinlich gerne. Auch ihnen wird nicht entgangen sein, wie gefordert Du bist – und sie wollen sicherlich gerne helfen.

Aus der Bitte um Hilfe können auch aus Bekanntschaften, z.B. unter Nachbarn, echte Freundschaften entstehen.

Nimm echte Auszeiten

Wenn Dein Kind Dich nicht braucht, z.B. wenn es abends schläft oder ein paar Stunden mit dem Papa verbringt, nimm Dir Zeit nur für Dich.

In dieser Zeit solltest Du nichts „erledigen“, sondern tun, was Dir gut tut. Nimm ein Entspannungsbad, geh kurz in die Sauna, schau ein Video oder telefoniere mit Deiner besten Freundin.

Suche Dir neue Kontakte und Freunde, die zu Deiner Lebenssituation passen

Wenn Du ein Schreikind hast, ein sehr sensibles Baby oder ein sehr aktives Kleinkind, dann kannst Du von Eltern mit ähnlichen Kindern echtes Verständnis erwarten. Ihr könnt gegenseitig von euch lernen und besprechen, wie welches Vorgehen bei den anderen Kindern funktioniert. Im Idealfall haben die Kinder ein ähnliches Alter.

Andere Eltern in der Umgebung kannst Du in Krabbelgruppen, Babykursen oder einfach über das Internet kennen lernen. Du wirst sehen, das ist gar nicht schwierig, denn mit Kindern im gleichen Alter habt ihr von Anfang an ein gemeinsames Thema.

Wo finde ich Krabbelgruppen in meiner Nähe?

Such Dir Hilfe, wenn Dein Baby ständig schreit und Du aggressiv und nervlich am Ende bist

Wenn Dein Baby fast ununterbrochen schreit und möglicherweise unter 3-Monats-Koliken leidet, suche eine Schreiambulanz auf.

Bei Angst vor Überforderung kann hilft eine Beratungsstelle

Auch der Gang zu einer Erziehungsberatungsstelle oder zum Jugendamt kann im Notfall weiterhelfen. In größeren Städten gibt es immer Anlaufstellen für junge Eltern, die unterstützen und so verhindern, dass sich eine schlimme Überforderung zu ernsthaften familiären Problemen ausweitet. Es ist keine Schande, dort hinzugehen. Im Gegenteil. Es erfordert viel Mut und Willensstärke und Du solltest stolz auf Dich sein, Dich so für das Wohl Deiner Familie einzusetzen.

Wo finde ich Hilfe, wenn mir mein Baby einfach zu viel wird?

Link-Tipps für Hilfs-Angebote und Beratungsstellen in Deiner Nähe:

Beantrage eine Mutter-Kind-Kur

Das kann nicht nur Deinen Alltag entlasten, sondern Dich auch auf andere Gedanken bringen. Du erhältst Unterstützung mit Deinem Baby und triffst auf gleichgesinnte Mütter und Väter.


Fazit: Warum das Leben mit Baby eine Herausforderung ist

Es ist also völlig normal, dass das neue Leben mit Baby Dir manchmal (oder meistens) einfach zu viel ist. Du bist damit nicht allein und solltest Dir auf jeden Fall Unterstützung suchen. Dass so viele Eltern überfordert sind in der ersten Zeit mit Baby liegt auch an den Lebensumständen unserer modernen Gesellschaft. Wir leben als Vater-Mutter-Kind-Familie oder sogar allein mit Baby in abgeschotteten Häusern oder Wohnungen, statt wie früher in großen Gemeinschaften.

Ansonsten ist die gute Nachricht: Es geht vorbei. Irgendwann wird auch Dein Baby größer und das Leben wird einfacher. Ich spreche da aus Erfahrung.

Bild: 

@ HighwayStarz – bigstockphoto.com


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Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

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