Stillen

Darf ich Alkohol trinken, wenn ich stille?

Alkohol und Stillen

Ich habe während meiner gesamten Schwangerschaft keinen Alkohol getrunken. Denn darüber herrscht in Deutschland mittlerweile Konsens, dass der auch in kleinen Mengen schädlich für mein Baby sein kann. Doch wie ist das in der Stillzeit?

Ich selbst habe erst wieder Alkohol getrunken nach vielen Monaten Stillzeit, als mein Kleiner schon sehr viel selbst gegessen hat und ich wusste, dass ich ihn mehrere Stunden ohne Brust zufrieden stellen kann.

Aber wie ist das überhaupt mit Alkohol und Stillen?

  • Gibt es dazu Regeln und wissenschaftliche Erkenntnisse?
  • Darf man überhaupt Alkohol trinken, wenn man noch stillt?
  • Wie viel Alkohol ist zu viel in der Stillzeit?

Hier ist mein Fazit und Fakten, die Dich überraschen werden.

Darf ich in der Stillzeit Alkohol trinken?

Du hast neun Monate damit verbracht, dich von Bier, Wein und Spirituosen fernzuhalten – und jetzt, wo das Baby da ist, fragst du Dich, ob sich Alkohol und Stillen überhaupt vereinen lassen?

Die Antwort ist…. manchmal. Irgendwie schon. Ja. Aber, warte, nein, lieber doch nicht!

Es gibt einfach so viele widersprüchliche Informationen da draußen! Kein Wunder also, dass Mütter verwirrt sind, ob es in Ordnung ist, einen Schluck zu trinken, während sie ihr Baby oder Kleinkind weiterhin stillen.



Timing: Wann sollte man am besten Alkohol trinken, wenn man stillt?

Wenn es um Alkohol in der Stillzeit geht, ist die Menge entscheidend. Bei einem einzigen Glas ist es unwahrscheinlich, dass Dein Baby davon Schaden nimmt. Besonders, wenn Du es richtig terminierst – zum Beispiel am Abend, wenn Dein Baby schläft. Oder während bzw. direkt nach dem Stillen.

Auf diese Weise gelangt der Alkohol erst ins Blut und damit in die Milch, wenn Dein Baby bereits satt ist und ein paar Stunden lang nicht mehr gestillt werden muss – vorausgesetzt, Dein Baby hält schon so lange durch.

Im Ratgeber des Deutschen Hebammenverbandes zum Thema Alkohol und Stillen heißt es:

Alkohol gelangt über das Blut in Ihre Muttermilch. Innerhalb von 30 bis
60 Minuten, nachdem Sie begonnen haben etwas Alkoholisches zu sich zu
nehmen, findet sich Alkohol in Ihrer Muttermilch. Der Alkoholspiegel in Ihrer
Muttermilch ist genauso hoch, wie der Alkoholspiegel in Ihrem Blut.

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die die Menge des Alkohols, der in Ihre Muttermilch
übertritt, beeinflussen:

  • Der Alkoholgehalt Ihres Getränks
  • Was und wie viel Sie zu dem Getränk essen
  • Wie viel Sie wiegen
  • Wie schnell Sie trinken

Je langsamer Du trinkst, desto weniger Alkohol hast Du auf einmal in Deiner Blutbahn. Auch die Art des Getränks macht einen Unterschied. Harter Alkohol (Likör, Schnaps, Brandwein) enthält mehr Alkohol und braucht viel länger, bis er wieder abgebaut wird.


Wie lange sollte die Stillpause nach dem Alkohol-Verzehr sein?

Als Faustregel für die Geschwindigkeit, in der Alkohol im Blut abgebaut wird, gilt:

Bis 10 Gramm Alkohol im Blut abgebaut sind, braucht der Körper ca. 2 Stunden.

Für die Berechnung des Alkoholgehaltes Deines Getränks gibt der Deutsche Hebammenverband folgende Formel an:

Darf ich Alkohol trinken, wenn ich stille?

Kann ich mehr trinken, wenn ich Muttermilch abpumpe und wegkippe?

Alkohol ist in der Muttermilch mit der gleichen Konzentration enthalten wie im Blutkreislauf auch. Das bedeutet, dass Du nicht einfach die alkoholisierte Muttermilch verwerfen kannst und direkt saubere Milch für das Baby nachproduziert wird, während Du noch Alkohol im Blut hast.

Deine Milch wird weiterhin so viel Alkohol enthalten, wie dein Blut. Aber genauso wie Dein Blut wird auch dort der Alkohol abgebaut.

Alkohol in der Stillzeit

Woher weiß ich, wann ich nach dem Alkohol mein Baby gefahrlos stillen kann?

Oft heißt es, dass man, wenn man nicht Auto fahren würde, sein Baby auch nicht stillen sollte.

Vielleicht findest Du es beruhigend, Alkoholteststreifen wie diese zu verwenden, wenn Du etwas getrunken hast. Damit kannst Du sicher sein, dass Deine Muttermilch keinen Alkohol enthält. Auf diese Weise kannst Du auch allmählich ein Gefühl dafür entwickeln, wie lange es dauert, bis der Alkohol abgebaut ist und wie „sicher“ Deine Milch ist. Beachte aber, dass diese Streifen jede beliebige Menge Alkohol in der Muttermilch anzeigen, nicht nur große Mengen.

Das Komitee für Medikamente der Amerikanischen Akademie der Kinderärzte betrachtet Alkoholgenuss in der Stillzeit als vertretbar, obwohl beim Konsum großer Alkoholmengen Nebenwirkungen beobachtet wurden. Es konnten keine Schädigungen durch gelegentliches Trinken oder regelmäßiges Trinken geringer Alkoholmengen (ein Glas oder weniger täglich) festgestellt werden. Alkohol geht unbehindert in die Muttermilch über. Man hat herausgefunden, dass die Konzentrationsspitze in der Muttermilch 30 bis 60 Minuten nach dem Trinken bzw. 60 bis 90 Minuten nach dem Genuss von alkoholhaltigen Nahrungsmitteln erreicht wird (Lawton 1985). Alkohol wird auch unverändert aus der Milch und dem Kreislauf der Mutter ausgeschieden. Bei einer Frau mit einem Gewicht von 55 kg dauert es etwa zwei bis drei Stunden, bis die Alkoholmenge von einem Glas Bier oder Wein von ihrem Körper abgebaut wird (Schulte 1995). Allerdings dauert es umso länger, den Alkohol abzubauen, je mehr davon aufgenommen wurde. Bei einer Frau von 55 kg dauert es bis zu 13 Stunden, bis ein Glas eines hochprozentigen Getränks abgebaut wird. Die Auswirkungen von Alkohol auf ein gestilltes Baby stehen in direktem Zusammenhang zu der von der Mutter konsumierten Menge. Mäßiger bis starker Alkoholgenuss einer stillenden Mutter kann den Milchspendereflex beeinträchtigen, die Milchaufnahme des Babys hemmen, die motorische Entwicklung des Babys beeinträchtigen, langsame Gewichtszunahme und andere Nebenwirkungen beim Baby verursachen.Stillberaterin Biggie Welter

Was soll ich tun, wenn ich zu viel getrunken habe?

Abwarten. Sobald Du Dich wieder nüchtern fühlst, kannst Du das Stillen mit Deinem Baby wieder aufnehmen. Für den Fall, dass Dein Kind vorher schon Hunger bekommt, kannst Du Muttermilch einfrieren oder notfalls Flaschenmilch füttern. Babys, die schon selbst essen, sind vielleicht auch mit Brei oder Fingerfood zufrieden.

Wenn Dein Baby auf diese Weise eine oder mehrere Milchmahlzeit(en) aus der Brust auslässt, solltest Du abpumpen und die Milch wegkippen, um die Milchbildung aufrechtzuerhalten.

Stell Dich darauf ein, dass Dein Baby, wenn es tagsüber wenig gestillt wurde, wahrscheinlich nachts häufig stillen möchte, um das nachzuholen – sowohl, was die Kalorien und Nährstoffe betrifft, als auch die körperliche Nähe und den Hautkontakt. Berufstätige Mütter kennen das. Babys, die tagsüber nicht stillen, neigen dazu, es nachts und am Wochenende nachzuholen.

Was ist, wenn ich nicht aufhören kann zu trinken?

Wenn Du Dich nach mehr und mehr Alkohol sehnst und es Deine Stillbeziehung regelmäßig beeinträchtigt, solltest Du überlegen, Dich in psychologische Betreuung zu begeben.

Negative Gefühle bezüglich Deines Babys wie Bedauern, Wut oder auch einfach ein übersteigertes Verlangen nach Alkohol / Drogen sind nicht gesund und sollten besser sofort angesprochen werden.

Fazit zu Alkohol trinken und Stillen

Ein gelegentlicher Drink ist also in Ordnung. Trinke nicht vor dem Stillen, damit Dein Körper viel Zeit hat, den Alkohol wieder zu metabolisieren.

Wenn Du Dich fit genug fühlst, um Auto zu fahren (und in dieser Hinsicht eine realistische Einschätzung hast), bist Du wahrscheinlich auch in der Lage zu stillen.

Denk daran, dass „fahrtüchtig“ nur etwa 1,5-2 Gläsern Bier oder Wein entspricht.

Du musst nicht abpumpen und wegkippen, es sei denn, Du musst die Milchbildung aufrecht erhalten.

Und Du?

Hast Du schon mal während der Stillzeit Alkohol getrunken? Oder hast Du dazu von deiner Hebamme oder deinem Arzt schon mal einen Ratschlag bekommen? Lass es mich und andere Mütter in den Kommentaren wissen.

 

Bild:

© stokkete / Fotolia

© Fisher Photostudio

Quellen: 


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Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

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