Baby, Gesundheit & Pflege

Optimale Trinkmenge beim Baby: Wie viel Milch soll ein Säugling trinken?

Optimale Trinkmenge beim Baby: Wie viel Milch soll ein Säugling trinken?

Es scheint, dass alle Eltern genetisch mit derselben Verhaltensweise ausgestattet sind: Sobald das Kind zur Welt gekommen ist, sorgen sie sich um die Trinkmenge beim Baby. Fragen kommen auf wie:

  1. Wie viel muss ein Säugling trinken?
  2. Wie viel Milch ist genug?
  3. Kann es sein, dass mein Baby zu viel trinkt?
  4. Wird es zu dick, wenn es zu viel trinkt?

Und diese Sorgen haben nicht unbedingt mit der tatsächlichen Trinkmenge zu tun. Fast alle Mütter, die ich kenne, hatten diese Fragen entweder immer oder zumindest am Anfang.

Auch wenn sich mittlerweile herumgesprochen hat, dass Babys von Muttermilch und Pre-Nahrung so viel trinken dürfen, wie sie möchten, reicht das zur emotionalen Beruhigung von uns Eltern oft nicht aus. Also, woran erkenne ich, dass mein Kind genug trinkt? Wann sollte ich zum Arzt gehen, wenn ich besorgt bin? Und braucht mein Baby Pausen zwischen den Mahlzeiten?

Trinkmenge beim Baby: Auf die Signale hören

Füttern nach Bedarf

Nach einigen Wochen, spätestens Monaten, wirst Du Dir über die Trinkmenge Deines Babys wahrscheinlich keine Sorgen mehr machen. Denn bis dahin hast Du gelernt, seine Signale zeitnah und zuverlässig zu deuten. Außerdem durftest Du hoffentlich erleben, wie Dein Baby sich prächtig entwickelt, wenn Du es nach Bedarf fütterst.

Stillen nach Bedarf bedeutet: Das Baby immer trinken lassen, wenn es nach der Brust verlangt und so lange trinken lassen, wie es möchte. Durch die getrunkene Menge passt sich auch die Milchbildung immer genau dem Bedarf des Babys an. Nur wenige Mütter haben dauerhaft zu viel oder zu wenig Muttermilch.

Auch Babys, die nicht gestillt werden, sollten nach Bedarf mit Pre-Nahrung gefüttert werden, das heißt, dass Du Deinem Baby keinen festen Fütterungsplan auferlegen musst, sondern einfach auf die Signale achten kannst und ihm die Flasche geben, wenn es Anzeichen für Hunger zeigt.



Der Unterschied zum Stillen liegt darin, dass Stillkinder auch zur Beruhigung an der Brust nuckeln. Flaschenkinder sollten für diesen Zweck lieber einen Schnuller erhalten, denn während Muttermilch die Zähne schützt, kann Flaschenmilch die Zahngesundheit ungünstig beeinflussen.

Die Bedürfnisse deuten lernen

Babys können sicht natürlich nicht mit Worten ausdrücken, wann sie welches Bedürfnis haben. Deshalb ist es wichtig, die Signale Deines Kindes richtig kennenzulernen. Dazu ist es vor allem in der Anfangszeit nötig, dass ihr viel, sehr viel Zeit miteinander verbringt. Am besten 24 Stunden am Tag.

Krankenhäuser tragen dieser Notwendigkeit in aller Regel durch Rooming-In und Familienzimmern Rechnung. So kannst Du Dein Baby immer bei Dir haben, es kennen lernen und seine Anzeichen richtig deuten lernen.

In den ersten Lebensmonaten sollte jedes Bedürfnis des Babys nach körperlicher Nähe oder Nahrung unmittelbar gestillt werden. Das reduziert die Ausschüttung von Stresshormonen und fördert damit die Entwicklung des Kindes.

Ein „Verwöhnen“ im negativen Sinne kann bei Babys noch gar nicht stattfinden, weil ihnen die kognitiven Fähigkeiten dazu fehlen.

Diese Anzeichen verraten Dir, dass Dein Baby Hunger hat

Auch wenn jedes Baby anders reagiert, sind die Anzeichen für Hunger und deren zeitliche Abfolge meist ähnlich.

An diesen Merkmalen erkennst Du, dass Dein Baby Hunger hat:

  • es macht schnelle Augenbewegungen
  • es leckt an seinen Lippen und streckt die Zunge heraus
  • es macht Saugbewegungen und schmatzt
  • es leckt an Gegenständen und saugt an den Fingern oder Händen
  • wenn es in Berührung mit Deiner Haut kommt, fängt es an, die Brustwarze zu suchen
  • es macht hektische Bewegungen mit Kopf und Körper
  • es wird unruhig und macht Töne
  • es weint
  • das Weinen steigert sich zum Brüllen
  • es wird still

Wenn ein Baby weint, ist das Kind sprichwörtlich schon in den Brunnen gefallen. Natürlich kann es, vor allem bei Babys mit Koliken, passieren, dass Du als Elternteil nichts gegen sein Unwohlsein tun kannst. Bei Hunger oder dem Bedürfnis nach Nähe kannst und sollst Du aber schon reagieren, bevor sich das Baby durch Weinen ausdrückt.

Wie merke ich, dass mein Baby genug getrunken hat und satt ist?

Wenn ein Baby satt ist, hört es auf, zu trinken. Ganz einfach. Dies gilt für Babys, die gestillt werden, als auch für Säuglinge, die die Flasche bekommen.

Diese Entscheidung solltest Du unbedingt akzeptieren, auch wenn Dein Baby erfahrungsgemäß schon nach kurzer Zeit zurück an die Brust möchte.

Genauso solltest Du Dein Kind nicht zwingen, mehr Flaschenmilch zu trinken, indem Du das Fläschchen durch irgendwelche Tricks wieder in den Mund führst. Das natürliche Sättigungsgefühl ist ein wichtiges Gefühl, das Du Deinem Kind unter keinen Umständen „abtrainieren“ solltest.

Du kannst sicher sein, dass Dein Kind insgesamt genug Milch bekommt, wenn es nach dem Stillen zufrieden ist, mindestens sechs nasse Windeln pro Tag produziert, die Haut rosig und elastisch, die Augen glänzend und die Fontanelle nicht eingefallen ist. Der Urin ist hell und riecht nicht. Die Gewichtszunahme sollte anfangs ca. 110 g / Woche sein, später weniger.


Wie oft sollte ich stillen bzw. füttern?

Wie gesagt solltest Du Dein Baby stets nach Bedarf füttern, also so oft es möchte.

Anfangs gibt es aber sicherheitshalber eine Art Minimum, um sicher zu gehen, dass sich Neugeborene richtig entwickeln. Deshalb sollte es in den ersten Tagen mindestens 8 Mal in 24 Stunden trinken, mindestens alle 3-5 Stunden.

Das heißt auch, dass in den ersten Wochen sehr schläfrige Babys zum Stillen geweckt werden müssen, wenn sie regelmäßig länger als 5 Stunden am Stück schlafen.

Später, wenn sich die Milchbildung nach 6-8 Wochen eingependelt hat und Dein Baby schon etwas an Gewicht zugelegt hat, kannst Du auch längere Pausen zum Schlafen lassen.

Hör hier einfach auf Dein Bauchgefühl, du musst nicht alle drei Stunden Dein Neugeborenes aus dem Tiefschlaf rütteln, um ihm mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln Milch einzuflößen.

Vorausgesetzt, es bestehen keine gesundheitlichen oder kognitiven Einschränkungen, hat jeder Mensch von Geburt an einen Überlebensinstinkt. Das heißt, Dein Baby meldet sich mit Sicherheit, wenn es Nahrung benötigt.

Lass Dich nicht von Zahlen oder dem Vergleich mit dem Stillrhythmus Deiner Zimmernachbarin verunsichern – jedes Baby hat seinen eigenen Rhythmus. Solange Dein Baby in den wachen Phasen gesund und munter ist und stetig zunimmt, ist alles völlig in Ordnung.

Durchschnittswerte für die Trinkmenge beim Neugeborenen

Die ersten Tage nach der Geburt

In den ersten Tagen produziert die Brust nur die Vormilch (Kolostrum) und der Magen von Neugeborenen ist noch sehr klein. Daher trinkt es nur zwischen 2 und 20 ml pro Mahlzeit.

Aber keine Sorge, diese winzigen Mengen reichen aus, denn die Vormilch ist wahnsinnig kalorien- und nährstoffhaltig.

Danach steigt der Bedarf täglich, durchschnittlich um 10 Milliliter pro Mahlzeit.

Ab Tag 10

Ab dem zehnten Lebenstag gibt es eine Faustformel: Das Baby trinkt in etwa 1/6 vom Körpergewicht (in Gramm) pro Tag. Das heißt, wenn Dein Baby zum Beispiel 3500 g wiegt, sollte es etwa 580 ml / Tag trinken.

Von einer Darstellung in Tabellenform, wie es viele Seiten bieten, würde ich gerne absehen. Ich erkläre Dir auch, warum mir das wichtig ist.

Man braucht keine Tabelle für die optimale Trinkmenge für Babys

In einer normalen Stillsituation weißt Du natürlich nicht, wie viel Dein Baby getrunken hat und das ist auch gut so.

Jedes Baby ist individuell in seinen Bedürfnissen und auch in seinem Stoffwechsel.

Eine Vergleichbarkeit würde viele Eltern dazu bringen, die Menge nach oben oder unten korrigieren zu wollen oder sich Sorgen zu machen, wenn die Trinkmenge beim Baby stark abweicht. Ein regelmäßiges Wiegen mit einer Babywaage vor und nach dem Stillen wird daher schon länger nicht mehr empfohlen.

Kontrolle der Trinkmenge durch Stillproben

Wenn Du allerdings begründeten Verdacht hast, dass Dein Baby zu wenig Milch bekommt, kannst Du eine sogenannte Stillprobe machen. Dazu wiegst Du das Kind vor und nach dem Stillen. Die Differenz ist die getrunkene Menge in Milliliter. Das funktioniert, weil ein Gramm Milch in etwa einem Milliliter entspricht.

Weil allerdings nicht zu jeder Mahlzeit dieselbe Menge aufgenommen wird, solltest Du solche Stillproben mindestens über 24 Stunden, besser über einige Tage hin durchführen und die Trinkmengen protokollieren.

Was, wenn mein Baby plötzlich nicht mehr satt wird?

Bei Stillkinder

Vor allem Anfangs haben viele Eltern fast Panik, dass ihr Baby nicht satt wird. Aber auch später gibt es Phasen, in denen die Kleinen anscheinend einfach nicht genug bekommen.

Diese Sorge ist aber in den allermeisten Fällen unbegründet. Vorausgesetzt, Deine Brust produziert Milch, wird sich die Milchmenge dem Bedarf des Babys anpassen.

Wenn es plötzlich häufiger nach der Brust verlangt, heißt das nicht, dass nicht genug Milch kommt – es bedeutet lediglich, dass der Bedarf gestiegen ist, sich die Menge aber noch nicht angepasst hat.

Leg Dein Baby einfach häufiger an und warte ein paar Tage ab, bevor Du überhaupt anfängst, über die Ursachen zu rätseln – denn meist legt sich das nach 48 Stunden wieder. So lange braucht es, bis sich die Milchmenge angepasst hat.

Auf keinen Fall solltest Du in dieser Zeit zufüttern, denn das würde in vielen Fällen den Prozess des Abstillens einleiten. Zunächst einmal solltest Du Dir eine Stillberatung suchen.

Bei Flaschenkinder

Dasselbe gilt auch für Flaschenkinder. Wenn Dein Baby mehr Hunger hat, gib ihm einfach mehr Milch. Es gibt keinen Grund, von Pre-Milch auf Folgemilch umzusteigen, gib ihm einfach mehr Anfangsmilch. Denn die Pre-Nahrung entspricht in ihrer Zusammensetzung der Muttermilch am meisten.

Folgemilch enthält lediglich mehr Kohlenhydrate in Form von Stärke und sättigt dadurch länger. Diese Kohlenhydrate bieten aber keinen ernährungsphysiologischen Mehrwert. Wenn Dein Baby 5-6 Monate alt ist, ist es vielleicht auch bereit für die erste Beikost.

Achtung, Schub!
Während sogenannter Wachstums- oder Entwicklungsschübe verändert sich das Trinkverhalten der meisten Babys. Das passiert das erste Mal nach fünf Wochen. Viele Babys gehen dann zum sogenannten Cluster-Feeding über, das heißt, sie wollen einige Tage wahnsinnig häufig, dafür aber nur kurz stillen. Das dient der Ankurbelung der Milchproduktion, denn davon benötigen Babys während eines Wachstumsschubes mehr. Wenn Du also auf Dein Baby hörst und es nach Bedarf stillst, kann auch da nichts schief gehen.

Babyspeck: Wird mein Baby zu dick?

Wenn Du zu den glücklichen Eltern gehörst, deren Baby mehr als genug trinkt, gibt es keinen Grund zur Sorge. Vor allem bei Muttermilch gibt es kein „zu viel“.

Doch auch Flaschenkinder trinken, wenn sie nach Bedarf und nur (!) mit Pre-Milch gefüttert werden, nur so viel, wie sie brauchen.

Dass Babys nach einigen Wochen anfangen, Speck anzusetzen, ist völlig normal und gesund. Spätestens mit dem erhöhten Bewegungsdrang und den Wachstumsschüben als Kleinkind verlieren sich die Pausbäckchen und zusätzlichen Kilos wieder.

Über ein späteres mögliches Übergewicht entscheiden ganz andere Faktoren wie gesunde Ernährung und Bewegung.

Kein Wasser für Babys!
Leider wird immer noch manchmal empfohlen, Babys im Sommer zusätzlich Wasser oder Tees aus dem Fläschchen anzubieten. Das ist nicht nur unnötig, sondern kann im Extremfall auch lebensgefährlich werden. Man spricht dann von einer „Wasservergiftung„. Vor allem, wenn hungrige Babys statt Milch nur Flüssigkeit bekommen, trinken sie unter Umständen große Mengen davon – zu viel für die nicht ausgereiften Nieren. Babys sollten bis zur Beikosteinführung nur Muttermilch oder Pre-Milch erhalten, auch wenn ein Schluck Wasser sie natürlich nicht gleich umbringt.

Bei Folgemilch solltest Du darauf achten, dass die Höchstdosierung auf der Packung nicht überschritten wird.

Wann muss ich zum Arzt?

Nicht, wenn das Baby von den empfohlenen Milchmengen abweicht, sondern nur, wenn sein körperlicher Zustand bzw. sein Verhalten Anlass zur Sorge geben.

Wenn Dein Baby also über längere Zeit auch in den Wachphasen ungewohnt schläfrig und lethargisch wirkt, seine Haut fahl und stumpf wirkt, es viel weint oder gar nicht mehr an Gewicht zunimmt, muss das dringend untersucht werden.

Auch wenn Du überall liest, dass Du Dir keine Sorgen machen sollst – wenn Du Sorgen hast und dich nicht beruhigen kannst, hör auf Dein Gefühl und hol dir ärztlichen Rat! Lieber lass Dein Kind ein paar mal zu oft untersuchen, als zu wenig.

Nach kurzer Zeit wirst Du eine realistische Einschätzung darüber bekommen, ob es Deinem Baby gut geht oder nicht. genau so wirst Du ein gutes Gefühl dafür entwickeln, was in welcher Phase der Entwicklung für Dein Baby die optimale Trinkmenge ist.

Quellen: 

  • Bild: @petunyia – stock.adobe.com
  • Lothrop, Hannah: Das Stillbuch. München: Kösel, 2008.
  • Weigert, Vivan: Stillen. München: Kösel 2010.

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Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

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