Baby, Gesundheit & Pflege

Babywasser: Sinnvoll oder Unsinn? – Das musst Du wissen!

Babywasser

Babywasser – dieser Begriff sagt Dir wohl vor allem dann etwas, wenn Du Dein Baby in den ersten Lebensmonaten nicht stillst, sondern mit dem Fläschchen fütterst. Denn dann solltest Du das Milchpulver nur mit Wasser anrühren, das entweder aus der Leitung kommt und abgekocht wurde – oder mit Mineralwasser, das „zur Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet“ ist.

Doch ist das wirklich nötig? Tatsächlich scheint das sogenannte Babywasser ein völliger Marketing-Unsinn zu sein, der zwar niemandem schadet, aber den Eltern das Geld aus der Tasche ziehen soll.

Was ist Babywasser?

Unter Babywasser versteht man Mineralwasser verschiedener Marken, das frei von Keimen und Schadstoffen ist und nur sehr wenig Natrium, Sulfat und Nitrit enthält. Man findet es im Supermarkt oder in der Drogerie in der Babyabteilung neben Milchpulver und Breigläschen.

Qualitativ gibt es keinen Unterschied zu herkömmlichem Mineralwasser mit dem aufgedruckten Vermerk „Zur Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet“ – allerdings ist das speziell als solches verkaufte Babywasser erheblich teurer – 3 bis 4 Mal teurer als normales Mineralwasser und um ein Vielfaches teurer als Leitungswasser!

Lesetipp: Ab wann dürfen Babys Wasser trinken?

Was ist das besondere an Babywasser oder Mineralwasser, das zur Herstellung von Säuglingsnahrung geeignet?

Babywasser hat eine sehr geringe Dosierung an Mineralien, vor allem Natrium, Nitrat und Sulfat, sowie die strenge Kontrolle bezüglich Keimen und anderen Schadstoffen.

  • Natrium ist ein Stoff, der auch in Kochsalz vorkommt und bei Babys die Nieren belastet.
  • Nitrat kann in höheren Dosen toxisch und damit tödlich wirken.
  • Sulfat wirkt in hohen Dosen abführend.
  • Keime: Leitungswasser ist zwar in aller Regel nicht stark belastet und streng kontrolliert, aber eben nicht keimfrei. Die Hersteller von Babywasser müssen garantieren, dass dieses bei Abfüllung keimfrei ist. Sobald Du es geöffnet hast, können sich aber sehr wohl Keime bilden und vermehren.

Warum ist natriumarmes Wasser gut?

Durch die Verbindung von Natrium und Chlorid entsteht herkömmliches Salz, das die Nieren von Babys nur in geringen Mengen ausscheiden können. Zu viel kann die Nieren belasten oder im Extremfall sogar zum Nierenversagen führen. Deshalb darf Babywasser maximal 20 mg Natrium pro Liter enthalten. Herkömmliche Mineralwasser, die nicht entsprechend gekennzeichnet sind, enthalten weitaus mehr.

Vorteile von Babywasser

  • keimfrei
  • (theoretisch) schadstofffrei
  • muss beim Öffnen nicht abgekocht werden
  • lässt sich gut transportieren

Nachteile von Babywasser

  • viel teurer als Leitungswasser und Mineralwasser
  • muss extra gekauft und transportiert werden
  • nach 1-2 Tagen muss es auch abgekocht werden
  • schadet der Umwelt durch Herstellung und Verpackungsmüll
  • teilweise mit Pestiziden belastet

Babywasser Test: Ergebnisse der Ökotest 2018

Welches Babywasser ist das beste?

Aber wie sieht es nun konkret aus mit der Qualität des Babywassers? Ist der Inhalt wirklich so schadstoffarm und „natürlich“, wie die Hersteller es versprechen? Die Ökotest hat 21 Babywasser vom Labor untersuchen lassen.

Das Ergebnis: Auch Babywasser ist teilweise mit Pestizidmetaboliten, Schwer- und Halbmetall, Keimen sowie Radionukliden im Wasser belastet. Das Volvic Babywasser (Volvic Still) zum Beispiel schnitt bei der Ökotest nur mit „ausreichend“ ab, weil Arsen gefunden wurde.

Testsieger der ÖkoTest

Wenn Du wirklich sicher gehen möchtest, dass das von Dir verwendete stille Wasser bzw. Babywasser auch den Testkriterien der Ökotest genügt, kann ich Dir zum Beispiel die einzigen 3 Babywasser empfehlen, die laut ÖkoTest als einzige über eine „besondere Bio-Qualität“ verfügen und mit „SEHR GUT“ abgeschnitten haben:

Den kompletten Test findest Du im Ökotest Jahrbuch 01/2018.

Update: Die Öko-Test hat den alten Test zu Minerwasser für Babys aktualisiert. Die Ergebnisse findest Du über diesen Link.

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Ratgeber zu Babywasser & Stilles Wasser, was für Säuglingsnahrung geeignet ist

Abgekochtes Leitungswasser statt Babywasser nutzen

In Deutschland ist Leitungswasser eines der am besten kontrollierten Lebensmittel – vor allem der Nitratgehalt wird streng und regelmäßig überprüft. Leitungswasser ist also für Dich und Dein Baby ein sicheres Nahrungsmittel.

Allerdings ist Leitungswasser nicht völlig keimfrei, deshalb solltest Du es abkochen, bevor Du es für die Zubereitung der Säuglingsmilch verwendest.

Anleitung: Leitungswasser richtig abkochen für Babynahrung

Wichtig ist dabei, dass Du nicht einfach den Wasserkocher verwendest. Denn der schaltet in aller Regel automatisch ab, sobald das Wasser kocht. Wasser für Babys sollte aber mindestens 2-5 Minuten kochen, damit wirklich alle Keime abgetötet sind. Das klappt nicht im Wasserkocher, sondern nur im Kochtopf.

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) darauf achten, dass das Wasser nicht schon abgestanden ist, also nicht schon länger in der Leitung „gewartet“ hat. Darum solltest Du den Wasserhahn vorher etwa 30 Sekunden laufen lassen, sodass das Wasser, das längere Zeit im Hahn bzw. in der Leitung war und damit eventuell Metalle aufgenommen hat, abfließen kann. Dann ist das Leitungswasser wirklich frisch. Das überschüssige Wasser kannst Du natürlich zum Kochen oder Blumen gießen verwenden.

Wie lange ist Babywasser haltbar?

Auch Babywasser musst Du abkochen, wenn es 1-2 Tage offen war. Denn dann bilden sich auch im gekühlten Zustand Bakterien im Babywasser.

Babywasser: Sinnvoll oder Unsinn? - Das musst Du wissen!

Wann ist Babywasser notwendig?

Mit herkömmlichem Leitungswasser, das Du gründlich abgekocht hast, bist Du also in manchen Fällen sogar besser beraten, als mit speziellem, teuren Babywasser. Noch dazu belastest Du die Umwelt viel weniger durch Produktion und Verpackung von Babywasser. Es gibt allerdings Fälle, in denen es tatsächlich ratsam ist, auf natriumarmes Mineralwasser zurückzugreifen.

  • Blei- oder Kupferrohre: Alle städtischen bzw. kommunalen Wasserleitungen sind frei von Blei oder Kupfer, das in das Wasser übergehen könnte. Allerdings gilt das nicht unbedingt für die Rohre, die diese mit Deinem Hausanschluss verbinden. Vor allem in Altbauten kann es vorkommen, dass immer noch Blei- oder Kupferrohre verwendet wurden. Erfrage das bei Deinem Vermieter und lasse im Zweifel Dein Leitungswasser prüfen. Einen solchen Test kannst Du auch schon in der Schwangerschaft durch Einsenden einer Probe beim örtlichen Wasserwerk vornehmen lassen. Häufig sind damit nicht einmal Kosten verbunden, wenn Du schwanger bist oder Dein Baby noch sehr klein ist.
  • Eigener Hausbrunnen mit Nitratbelastung: Das kommt vor allem in ländlichen Gegenden mit viel Landwirtschaft vor. Am besten, Du lässt das Leitungswasser testen, bevor Du es für Dein Baby verwendest.
  • Reisen in Gebiete mit schlechter Trinkwasserhygiene: Nicht in allen Ländern gelten die Richtlinien für Leitungswasser wie bei uns. So werden durch Abkochen zwar Keime getötet, trotzdem kann das Wasser mit Schadstoffen und Rückständen belastet sein.

Sollten Dir Messwerte des in Frage kommenden Leitungswassers vorliegen, kannst Du mit folgenden Grenzwerten für die Zubereitung von Babynahrung vergleichen:

  • Natrium < 20 mg/l,
  • Sulfat < 240 mg/l,
  • Nitrat < 10 mg/l,
  • Nitrit < 0,02 mg/l,
  • Fluorid < 0,7 mg/l

Wie heiß muss Babywasser oder Leitungswasser für Babynahrung sein?

Wenn Du Babywasser oder Leitungswasser zum Anrühren der Milch verwenden, sollte es nicht heißer als  70° C sein, denn sonst verändern sich die Bestandteile des Milchpulvers.

Wasserfilter ersetzen in keinem Fall das Abkochen des Leitungswassers für Babys. Im schlimmsten Fall bilden sich durch Wasserfilter sogar zusätzliche Keime.

Wie lange braucht mein Kind Babywasser?

Wenn das genutzte Wasser nicht keimfrei war, bietet die Milch den idealen Nährboden für die Bakterien, um sich ungehindert zu vermehren. Dann kann Dein Baby Durchfall und Bauchschmerzen bekommen oder sogar erbrechen.

Babywasser oder abgekochtes Leitungswasser verwendest Du unter anderem darum, weil Du Dein Baby vor Keimen schützen möchtest. Denn anfangs ist das Immunsystem noch nicht komplett ausgebildet und einfache Keime können zu gefährlichen Infektionen führen.

Das bleibt nicht lange so. Spätestens, wenn Dein Baby Krabbeln oder sich anders fortbewegen kann, wird es anfangen, sich alles in den Mund zu stecken – und damit unzählige Keime aufnehmen. Das ist auch richtig und gut so, denn dadurch baut sich das kindliche Immunsystem allmählich auf und Dein Baby wird robuster Keimen gegenüber.

Irgendwann im Laufe des ersten Lebensjahres Deines Babys solltest Du darum aufhören, Wasser für das Baby abzukochen. Das ist nicht nur unnötig, weil es dann ohnehin viele Keime abbekommt, sondern auch kontraproduktiv. Denn Du verwehrst dem Immunsystem damit, sich an eine Art von Keimen zu gewöhnen, die in unserer Umgebung – dem Leitungswasser – häufig vorkommen.

Ist Babywasser destilliert?

Nein, denn kurz gesagt ist destilliertes Wasser, ein Wasser, dem die Mineralien entzogen wurden. Vom Reinheitsgrad ist destilliertes Wasser dem Leitungswasser und Mineralwasser überlegen. Es  hält sich allerdings der Mythos, dass es „giftig für den menschlichen Körper“ sei. Das stimmt allerdings nicht, denn es enthält nur keine Ionen oder Salze.

Schon allein, weil Babywasser kleine Mengen an Mineralien enthält, kann es nicht destilliert sein.

Fazit: Babywasser oder normales Wasser?

Wenn Du also normales Leitungswasser zur Verfügung hast, macht es am allermeisten Sinn, dieses für das Anrühren der Milch zu verwenden.

Wenn Du Zweifel an der Qualität Deines Leitungswassers hast, kannst Du es im Labor testen lassen. Sollte sich herausstellen, dass es wirklich nicht geeignet ist, weil es Grenzwerte überschreitet, musst Du immer noch nicht auf das überteuerte Babywasser aus der Babyabteilung zurückgreifen. Dann reicht es aus, normales Mineralwasser mit der Kennzeichnung „Für die Zubereitung von Babynahrung geeignet“ zu kaufen. Diese unterliegt denselben Richtlinien wie spezielles Babywasser.


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Babywasser: Sinnvoll oder Unsinn? - Das musst Du wissen!

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Hi, ich bin Hanna (32), Mutter eines kleinen Jungen und Ehefrau. Seit meiner Schwangerschaft habe ich mir viel Wissen über Schwangerschaft, Muttersein, Familie und Erziehung angeeignet. Dieses Wissen teile ich gern umsonst. Aktuell reise ich mit meiner Familie durch die Welt und führe ein Leben als "Digitale Mom".Hier erfährst Du mehr über mich.

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