Als ich anfing, mein Baby zu tragen, stieß ich schnell auf recht einhellige Meinungen unter Trageberatern und (selbsternannten) Experten: Wenn Du Dein Baby wirklich liebst, trägst Du es im perfekt gebundenen Tragetuch. Babytragen an sich sind etwas zweifelhaft, es gibt jedoch ein paar akzeptable Modelle. Ich war verunsichert. Schließlich wollte ich meinem Baby auf keinen Fall schaden und scheinbar konnte das ja recht schnell passieren. Welche Tragehilfe war denn nun die beste für mein Baby? Und  was sagt die ÖkoTest in ihrem Tragehilfen-Test?

Es dauerte viele Monate, bis ich die Wahrheit dahinter erkannte: Auch wenn all diese Ratschläge gut gemeint sind, ist Tragen nicht ganz so kompliziert, wie es scheint. Es gibt viele gute Tragehilfen auf dem Markt, die eine anatomisch korrekte Haltung und damit eine gesunde körperliche Entwicklung Deines Babys gewährleisten.

Tragehilfe Test der ÖkoTest

Wenn Du überlegst, Dir eine Tragehilfe für Dein Baby anzuschaffen, geht es Dir vielleicht wie vielen Eltern: Du bist einerseits überwältigt von der Fülle des Angebots und andererseits verunsichert, weil Du schon gehört hast, dass manche Tragen oder falsches Tragen für Babys schädlich sein kann. Deshalb kann es nicht schaden, sich über Erfahrungen anderer Eltern oder Testberichte größerer Institutionen und Testlabore zu informieren.

Ich habe selbst mehr als 10 Babytragen mit unserem Sohn getestet und mir außerdem den Tragehilfen-Test der ÖKO-TEST (Öko-Test Jahrbuch, Ausgabe 1/2018; S. 172 – 174) genauer angesehen.

Tragehife Testsieger der ÖkoTest

 

Testergebnisse

In dieser Übersichtstabelle findest Du die Tragehilfen, die Ökotest geprüft und bewertet hat. Außerdem sind auch noch Modelle in der Tabelle enthalten, die ich privat getestet habe. Du kannst die Tabelle einfach sortieren, um Dir zum Beispiel nur die Tragehilfen aus dem Test der Ökotest anzeigen zu lassen.

Modell Tragehilfe-Typ Testergebnis im ÖKO TEST
Didy-Tai Ellipsen Mei Tai Trage SEHR GUT
Emeibaby Trage Frestes Tragetuch SEHR GUT
Manduca Sling Elastisches Tragetuch SEHR GUT
Storchenwiege Babytragetuch Olivia Frestes Tragetuch SEHR GUT
Emeibaby Trage Babytrage aus Tuchstoff SEHR GUT
Hoppediz Bondolino Babytrage SEHR GUT
ByKay Mei Tai Tragehilfe SEHR GUT
Didysling Ring Sling Tragetuch SEHR GUT
Didymos Original Festes Tragetuch SEHR GUT
Ergobaby Adapt Carrier Babytrage SEHR GUT
Kokadi Flip Babytrage SEHR GUT
Manduca Babytrage SEHR GUT
Amazonas Babytrage Smart Carrier Babytrage GUT
Moby Wrap Elastisches Tragetuch GUT
Chiccco Closte to You Babytrage MANGELHAFT
Maxi Cosi Easia Babytrage MANGELHAFT
Hauck 3 Way Carrier Babytrage UNGENÜGEND
Safety 1st Youmi Babytrage UNGENÜGEND

Fazit:

Die gute Nachricht: Nur vier der getesteten Tragen solltest Du auf keinen Fall kaufen.  Die Testsieger der ÖKO-TEST sind allesamt Tragetücher.

Die einzigen Komfort-Tragehilfen, die ein Sehr Gut erhalten haben, sind die Mei Tai Trage von Didymos, die Emeibaby und der Hoppediz Bondolino.

Gewinner und Testsieger der ÖkoTest

Tragetücher

Tragetücher mit Prädikat „SEHR GUT“

Tragehilfe: Test & Ratgeber

  1. Fidella Persian Paisley – festes Tragetuch
  2. Manduca Sling – elastisches Tragetuch
  3. Storchenwiege Babytragetuch Olivia – festes Tragetuch

Tragetücher mit Prädikat „GUT“

  • Moby Wrap Organic – elastisches Tragetuch

Babytragen

Babytragehilfe mit Prädikat „SEHR GUT“

Tragehilfe: Test & Ratgeber

  1. Didy-Tai Ellipsen – Mei Tai Tragehilfe
  2. Emeibaby Trage – Babytrage aus Tuchstoff
  3. Hoppediz Bondolino – Babytrage

Babytragen mit Prädikat „GUT“

Verlierer der Ökotest – Finger weg von diesen vier Tragen!

Viele selbsternannte Trage-Experten raten ja vor allem vor der bekannten Trage von Baby Björn ab. Die Baby Björn ONE schnitt sowohl bei der ÖKO-TEST als auch bei mir mit befriedigend ab. Du kannst darin ein gesundes Kind ohne diagnostizierte Hüftdysplasie bedenkenlos tragen. Zu demselben Ergebnis kommt auch der Tragehilfe Test der Süddeutschen Zeitung (Mai 2017).

Die ÖKO-TEST beurteilte dagegen vier andere Tragen mit mangelhaft oder ungenügend, das heißt, sie wurden aufgrund ihrer mangelnden Individualisierbarkeit als kritisch eingestuft. Denn für Babys mit bestimmter Körpergröße bedeutet das, dass eine korrekte (Anhock-)Spreiz-Haltung nicht gewährleistet ist.

Nicht zu empfehlen laut ÖkoTest sind demnach folgende Tragehilfen und Tragesysteme:

Chicco Babytrage „Close to You“


Tragehilfe: Test & Ratgeber


  • unvollständige Bedienungsanleitung
  • ungenügende Handhabung, z.B. Größenanpassung an Träger und Kind
  • Gewicht lastet unbequem auf Schultern bzw. Nacken
  • Schließmechanismus umständlich (Schnalle muss in eine Lasche eingeführt werden, wenn das Kind
    bereits in der Trage sitzt und am Körper des Trägers hängt)
  • Mangelhafte Haltung und Stützung
    des Kindes
  • anatomisch unakzeptable Haltung, keine Korrektur möglich
  • Optische Aufheller




Maxi Cosi Easia Babytrage


Tragehilfe: Test & Ratgeber


  • mangelhafte Handhabung
  • Gewicht lastet
  • unbequem auf Schultern bzw. Nacken
  • Sicherheitsbänder erschweren Herausnahme
  • teilweise anatomisch unakzeptable Haltung
  • Mangelhafte Beinhaltung des Kindes, Beine hängen, Becken kippt nach vorn
  • Optische Aufheller




Hauck 3-Way-Carrier


Tragehilfe: Test & Ratgeber


  • unvollständige Bedienungsanleitung
  • Ungenügende Handhabung der Größenanpassung an Träger und Kind
  • Gewicht lastet unbequem auf Schultern bzw. Nacken.
  • Mangelhafte Haltung und Stützung des Kindes
  • anatomisch unakzeptable Haltung, keine Korrektur möglich
  • Ungenügende Beinhaltung des Kindes, Beine hängen ohne Unterstützung
  • Halogenorganische Verbindungen
  • optische Aufheller




Safety 1st Youmi


Tragehilfe: Test & Ratgeber


  • gravierende Mängel der Bedienungsanleitung
  • Ungenügende Handhabung bezüglich Größenanpassung an Träger und Kind
  • Gewicht lastet unbequem auf Schultern bzw. Nacken
  • kein Beckengurt vorhanden
  • Mangelhafte Haltung und Stützung des Kindes
  • anatomisch unakzeptable Haltung, keine Korrektur möglich
  • Ungenügende Beinhaltung des Kindes, Beine hängen ohne Unterstützung
  • Optische Aufheller




Test-Kriterien und Anforderungen

Die richtige Haltung in der Tragehilfe

Über richtiges und falsches Tragen ist in unserer Kultur ein regelrechter Streit entfacht. Fakt ist, es gibt Studien, die den Nutzen von richtigem Tragen belegen. Darunter versteht man in aller Regel, dass ein Baby in einer Spreiz-Haltung oder in der bekannten Anhock-Spreiz-Haltung sitzt. Dabei sind die Beinchen eines Babys etwa im 45°-Winkel gespreizt und das Hüftgelenk mehr als 90° angewinkelt.

Diese Position nehmen Babys ganz natürlich ein, wenn sie auf der Hüfte getragen werden. Auch in der Rückenlage begeben sich Babys oft ganz automatisch in diese Position. Die Anhock-Spreiz-Haltung wird auch in einer Spreizhose eingenommen, denn sie ermöglicht das korrekte Zusammenwachsen der sich verknöchernden Hüftgelenke. Manche Trageexperten gehen sogar so weit, dass eine gute Position in einer Tragehilfe die Spreizhose tagsüber ersetzen kann.

In Zusammenarbeit mit dem International Hip Dysplasia Institute hat der Babytragen-Hersteller BabyBjörn erarbeitet, dass auch eine einfache Spreizhaltung die Entwicklung der Hüfte fördert, weil diese durch die Bewegungsfreiheit der Beinchen besser durchblutet wird.

Tragehilfen müssen ausreichend einstellbar sein

Bei der Wahl der richtigen Tragehilfe ist außerdem wichtig, dass diese sich individuell an Größe und Körper Deines Babys anpassen lässt. Bei einem Tragetuch ist dieses Kriterium immer gegeben. Allerdings gibt es Babytragen, die mehr oder weniger individualisierbar sind. Folgende Punkte sollten sich Deinem Baby bzw. Dir anpassen:

  • Stegbreite (der Steg ist das Stoffteil, auf dem Dein Baby sitzt)
  • Nackenstütze bzw. Weite des Rückenteils am Nacken
  • Rundung des Rückenteils (Neugeborene haben noch einen sehr runden Rücken)
  • Länge des Rückenteils
  • Hüftgurt und Schulterträger

Geringe Schadstoffbelastung bei Tragehilfen fürs Baby

Babys nuckeln und saugen an allem, was sich in Reichweite befindet – so auch am Stoff einer Tragehilfe. Optische Aufheller, halogenorganische Verbindungen oder gar Antimon-Verbindungen haben in diesem Stoff nichts zu suchen. ÖKO-TEST hat die 15 getesteten Tragen auf diese gesundheitsgefährdenden Stoffe untersucht. Für mich als Privatperson sind diese Laboruntersuchungen leider nicht im finanziellen Rahmen.

Meine persönlichen Testsieger und Erfahrungen mit Babytragehilfen

Mein persönlicher Tragehilfe Test mit meinem Sohn konnte zwar nicht beurteilen, ob ein Labortest Schadstoffe ans Licht bringt, dafür habe ich die Tragehilfen über viele Monate getestet und kann auch beurteilen, wie lange und in welchem Alter eines Babys sie geeignet sind. In meinem persönlichen Test haben der Ergobaby Carrier Adapt, die Mei Tai Trage von ByKay, sowie das Ring Sling Tragetuch am besten abgeschnitten.

Wenn Du neugierig bist, lies Dir gern meinen Test über Babytragen und meinen Testbericht zu Tragetüchern durch.

In meinem Test schnitten darum folgende sechs Tragehilfen mit „SEHR GUT“ ab:

  1. Ergobaby Adapt Carrier – Babytrage
  2. ByKay – Mei Tai Tragehilfe
  3. Didysling – Didymos Ring Sling Tragetuch
  4. Didymos Original – festes Tragetuch
  5. Kokadi Flip – Babytrage
  6. Manduca – Babytrage

 


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Tragehilfe-Ratgeber: Alles, was Du über Tragehilfen für Dein Baby wissen musst

Seit wann gibt es Tragehilfen für Babys?

Getragen wird auf der Welt schon immer, wie hätten Eltern auch sonst vor der Erfindung des Rades ihre Kinder transportieren sollen? In der westlichen Welt wurde das Tragen von Babys und Kleinkindern in der Tragehilfe allerdings mit der Einführung von Kinderwägen vor etwa 150 Jahren stark zurückgedrängt und geriet schließlich fast ganz in Vergessenheit.

Festes Tragetuch

Erst Erika Hoffmann brachte in den 1970ern das Babytragen wieder zurück in unsere Möglichkeit, indem sie mit ihrem Unternehmen Didymos Tragetücher auf dem deutschen Markt verkaufte. Vorher gab es nur einzelne Exemplare, die z.B. aus Südamerika eingeführt worden waren. Allerdings war das Design der Tragetücher gemäß dem Image von Trageeltern sehr alternativ und „öko“. Tragen war etwas für verrückte Hippies und kompiziert noch dazu.

BabyBjörn Tragehilfe

Mit der Markteinführung der ersten Komfort-Babytrage in den 1970ern machte sich das schwedische Familienunternehmen BabyBjörn schließlich einen Namen. Die Tragehilfen von BabyBjörn waren nicht nur praktisch in der Handhabbarkeit und bequem, sondern sahen vor allem schick aus. Plötzlich konnte jedermann sein Baby tragen, ohne gleichzeitig im Bioladen einkaufen zu müssen. Über die anatomischen Bedürfnisse von Tragebabys gab es damals noch gar keine, die Entwickler arbeiteten völlig ohne Vorlage.

Manduca First Babytrage

Neuere Hersteller von Babytragen wie Manduca oder die Ergobaby dagegen kennen das gängige Kredo über die Anforderungen an eine gute Babytrage und ihre Produkte wurden dementsprechend gestaltet. Allerdings unterliegen auch sie einem ständigen Anpassungsprozess, der den Nutzererfahrungen und eventuellen Kritikpunkten Rechnung trägt.

So wurde die klassische Manduca First Babytrage vor kurzem so überarbeitet, dass bei der neuen Manduca XT der Steg nun in seiner Breite verstellbar ist. Das war bei der alten Version vielfach bemängelt worden wie Du in meinem Testbericht zur Manduca nachlesen kannst. Aus diesem Grunde wurde auch die Ergobaby Adapt mein Testsieger unter den Komfort-Babytragen.

Trageberater

Und so wird die Auswahl an Tragehilfen und Tragetuchherstellern immer größer und für uns Eltern die Auswahl kompliziert. Weil aber immer mehr auf diese praktische Option zurückgreifen wollen, hat sich um die Auswahl und Verwendung von Tragehilfen ein richtiger Berufsstand gebildet: Die Trageberater/innen.

Alle von ihnen haben eine Ausbildung an einer der acht deutschsprachigen Trageschulen absolviert. Allerdings unterliegt diese Ausbildung keinerlei staatlichen Regulierung, auch der Begriff „Trageberater“ ist nicht geschützt. So könnte ich mich ebenfalls so nennen, auch wenn ich kein Zertifikat vorzuweisen habe, es wäre gesetzlich nicht verboten. Es gibt auch keinen Dachverband oder irgendeine andere regulierende Instanz. Kein Wunder also, dass Du von 10 verschiedenen Trageberatern vielleicht 10 verschiedene Empfehlungen für die richtige Tragehilfe bekommen wirst.

Das Tragen von Babys ist von etwas ganz ungezwungenem, natürlichen zu einer wahren Wissenschaft geworden

Damit ist das Tragen von etwas ganz ungezwungenem, natürlichen zu einer wahren Wissenschaft geworden. Denn in einem sind sich alle Experten für gewöhnlich einig: Die beste Tragehilfe für mein Baby wäre ein jedes Mal neu gebundenes Tragetuch und manche „Gruseltragen“ darf ich auf keinen Fall verwenden. Als Begründung werden mögliche Hüft- und Rückenschäden angegeben. Das heißt, das Tragen wird damit auch ein angstbesetztes Thema. Denn wer will schon riskieren, dass das eigene Kind einen Hüftschaden erleidet? Dann doch lieber auf Nummer sicher gehen und das Kind im Wagen schieben?

Angebliche Kriterien für richtiges Tragen

Anhock-Spreiz-Haltung

Wenn Du schon einmal online in thematisch passenden Foren gestöbert hast, bekommst Du vielleicht folgenden Eindruck: Wenn Du Dein Baby nicht immer und von Anfang an in einer perfekten Anhock-Spreiz-Haltung trägst, wird es eine Hüftdysplasie oder eine andere Hüftfehlstellung bekommen. Das wird Deine Schuld sein, weil Du nicht die richtige Tragehilfe für Dein Baby gewählt hast oder das Tragetuch falsch gebunden hast.


Fakt ist:

Richtiges Tragen fördert die Hüftentwicklung, das heißt, die Anhock-Spreiz-Haltung kann eine entstehende Hüftdysplasie therapieren. Dass sie eine verursachen würde, dafür gibt es keine Belege und keinerlei wissenschaftliche Hinweise. Diese Forderung mag sicherlich gut gemeint sein, denn immerhin kann eine korrekte Haltung einem Kind vielleicht die Spreizhose ersparen. Allerdings führt sie in womöglich noch mehr Fällen dazu, dass die Eltern ganz vom Tragen Abstand nehmen, weil sie Angst vor Spätschäden haben.


Das International Hip Dysplasia Institute hat übrigens auch die angebliche „Gruseltrage“ Baby Björn ONE bzw. BabyBjörn WE als hüftfreundliche Trage eingestuft. Darin wird lediglich eine Spreizhaltung eingenommen, welche den Beinchen des Babys mehr Bewegungsfreiheit und damit mehr Durchblutung verschafft. Das sorgt ebenfalls für eine gesunde Entwicklung der Hüfte.

Tragetuchstoff

Viele Trageberatungen empfehlen Tragetücher oder zumindest eine Tragehilfe, die aus Tragetuchstoff genäht ist, wie den Bondolino von Hoppediz oder die Kokadi Flip. Gleichzeitig werden alle Tragen herabgewürdigt, die nicht aus Tragetuchstoff bestehen.


Fakt ist:

Es gibt keinen Tragetuchstoff, der einzigartige Qualitäten gegenüber anderen Stoffen besitzt. Auch ein Tischtuch oder ein Pulli können aus „Tragetuchstoff“ bestehen. Denn das einzige, was den Stoff für ein Tragetuch auszeichnet, ist seine Querelastizität. Das bedeutet, dass er in der Länge und Breite nicht nachgibt, in der Querspannung allerdings schon. Dadurch wird das Tragetuch während des Tragens nicht locker und das Baby ist gut gestützt, das Tuch passt sich aber trotzdem den Gegebenheiten an.

Nur weil diese Art von Stoff für Tragetücher produziert und verwendet wird, bedeutet das nicht, dass alle anderen Materialien schlecht sind.


Runder Rücken

Kleine Babys haben noch eine schwache Rückenmuskulatur und sollten nicht hingesetzt werden. Weil die Muskulatur diese Haltung wenig unterstützt, würden die Bandscheiben zu sehr belastet und möglicherweise geschädigt. Soll bedeuten: Falsches Tragen eines Babys führt zu Rückenschäden. Immer wieder wird deshalb bei vorgenähten Tragehilfen bemängelt, dass der Rücken zu gerade wäre, also unnatürlich aufgerichtet würde.


Fakt ist:

Viele Tragehilfen, wie zum Beispiel die Manduca oder die BabyBjörn, sehen am Rücken des Babys sehr gerade aus. Trotzdem liegen sie am Körper des Kindes an und stützen damit die Muskulatur. Für eventuelle Rückenschäden durch diese Tragen gibt es keine Belege. Natürlich kann es aber sein, dass andere Tragehilfen sich besser eigenen oder für das Baby bequemer sind.


Wichtige Auswahlkriterien für die richtige Babytragehilfe

Natürlich spricht nichts dagegen, auf die oben genannten Kriterien trotzdem einzugehen. Denn weil das die meisten Eltern tun, wurde die Trageweise mit Anhock-Spreiz-Haltung, rundem Rücken und im „Tragetuchstoff“ unzählige Male auf die Probe gestellt. Negative körperliche Auswirkungen wären wahrscheinlich bis heute aufgefallen.

Handhabbarkeit und Tragekomfort

Damit Dein Baby aber wirklich von den positiven Auswirkungen des Tragens profitieren kann, ist es wichtig, dass es überhaupt getragen wird. Das setzt voraus, dass Du die Trage gut und einfach bedienen kannst und ein gutes Gefühl damit hast. Und natürlich, dass sie bequem ist. Darauf würde ich bei der Auswahl der richtigen Tragehilfe achten.

Individualisierbarkeit

Der Tragehilfe-Test von ÖKO-TEST mit insgesamt 15 Tragehilfen hat gezeigt, dass es Babytragen gibt, die zu wenig auf die Größe und Bedürfnisse der Kinder einstellbar sind. Die Haltung für Baby und Eltern ist darum unbequem und möglicherweise gesundheitsschädlich (s.o.).

Eine gute Tragehilfe hat deshalb einen verstellbaren Steg, eine individuell verstellbare Nackenstütze und Rückenteil und passt sich auch an die Größe und das Körpervolumen des Tragenden an.

Optik

Und die richtige Tragehilfe für Dein Baby ist nicht nur funktional, sie sollte Dir auch gefallen. Wenn Du zum Beispiel viel Wert auf modernen Style legst, solltest Du Dir vielleicht kein Tragetuch mit Streifen und Fransen im Öko-Look zulegen. Dafür gibt es mittlerweile auf dem Markt für jeden Geschmack das Richtige. Nur wenn die Tragehilfe zu Dir passt und Du dich wohlfühlst, wirst Du sie auch gerne verwenden.

Sind Tragehilfen gesund fürs Baby?

Es gibt bis heute verständlicherweise keine Studien oder Forschungsergebnisse über die Folgen „falschen“ Tragens. Das heißt, es ist nicht sicher, ob ein Tragen in einer unphysiologischen Trageweise, z.B. ohne Spreizhaltung, Deinem Baby wirklich Schaden zufügt. Denn niemand will Babys dem Risiko aussetzen, über längere Zeit so getragen zu werden und dann vielleicht mit einem Hüftschaden leben zu müssen.

Deshalb gibt es nur Hinweise in Form von Statistiken. So sind Hüftfehlstellungen in Kulturen, in denen Babys üblicherweise getragen und nicht im Kinderwagen geschoben werden, weitaus weniger häufig. In Gebieten dagegen, wo Kinder auf sogenannte Tragebretter gebunden werden, wo die Füße künstlich gestreckt werden, treten Hüftschäden häufiger auf.

Deshalb würde ich im Zweifel kein Risiko eingehen und eine Tragehilfe kaufen, bei der Du dir zu 100% sicher bis, dass sie Deinem Baby nützt und nicht schadet. Welche der oben genannten Testsieger Du dazu nutzt, hängt von Deinen Bedürfnissen und Vorlieben ab.

Wenn Du Lust und Geduld hast, die verschiedenen Trageweisen zu erlernen und jedes Mal neu zu binden, ist ein festes Tragetuch sicherlich die geeignete Wahl, denn hier findest Du schnell ein Produkt, welches nur aus natürlichen Materialien hergestellt wurde und ohne Kunststoff-Teile auskommt. Ich kann Dir persönlich die DidySling empfehlen, die ich sehr gerne und lange genutzt habe.

Wenn Du von den Vorzügen eines Tragetuchs profitieren möchtest, allerdings weniger Zeit in das Binden und Zurechtziehen investieren willst, solltest Du eine Mei Tai Tragehilfe wie die DidyTai  oder meinen Testsieger bei den Babytragetüchern die Bykay kaufen.

Wenn Du auf der Suche nach einer Tragehilfe bist, die super einfach zu bedienen und für Dein Baby von Geburt bis ins Kleinkindalter passt, dann empfehle ich die Ergobaby Adapt. Sie ist auch mein persönlicher Testsieger unter den Babytragesystemen.

Fazit

Wenn Du auf der Suche nach der richtigen Tragehilfe bist, lass Dich nicht verunsichern. Natürlich solltest Du eine gute Trage wählen, in der Dein Baby ergonomisch korrekt sitzt, um sicher zu gehen. Meiner Erfahrung nach ist die Ergobaby Adapt die beste Tragehilfe für die meisten Eltern, weil sie einfach vieles richtig macht, und das bei einfacher Bedienbarkeit.

Wenn Du allerdings am Anfang unsicher bist oder das Baby ein paar Mal nicht ganz korrekt sitzt, lass Dich davon nicht verunsichern. Ein gesundes Baby erleidet nicht sofort körperliche Schäden, nur weil es vorübergehend nicht durch richtiges Tragen gefördert wurde.

Wenn Du eine Tragehilfe suchst, die sowohl beim Test der ÖKO-Test (01/2018), als auch in meinem persönlichen Langzeit-Test gut abgeschnitten hat, dann lies Dir in Ruhe die Testergebnisse der ÖKOTEST durch. Wenn Du noch mehr persönliche Erfahrungen lesen möchtest, empfehle ich dir meinen Test zu Komfort-Babytragen oder auch meine Erfahrungen mit Tragetüchern zu lesen.

Quellen: 

  • ÖKO-TEST Jahrbuch Kinder und Familie 2018, Ausgabe 01/2018
  • Kirkilionis, Evelin: Ein Baby will getragen sein. Kösel, 1999
  • Schmidt, Nicola: artgerecht ‑ Das andere Baby‑Buch: Natürliche Bedürfnisse stillen. Kösel, 2015

Bildquelle Titelbild: Joana-Lopes – stock.adobe.com


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